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    Superstar Özil: Gejagt, getreten, gestoppt

    Mit dem Fahrrad durch den Wald, um den Kopf frei zu bekommen. Zu Wochenbeginn verordnete Bundestrainer Joachim Löw seinen Spielern eine Rad-Tour. Allen voran Mesut Özil, der sich den EM-Start mit Sicherheit anders vorgestellt hätte. Der Superstar steht im Schatten und läuft seiner Form hinterher.

    Aus Danzig berichtet Dirk Adam (twitter: @dirk_adam)

    Dem Regisseur mit dem Zauberfüßchen will bei der Fußball-EM kein magischer Moment gelingen.

    Mit gesenktem Kopf verließ der 23-Jährige nach dem 2:1-Sieg gegen Dänemark das Stadion in Lwiw.

    Löw: "Immer wieder geniale Momente"

    Wenn er schlecht gespielt hat, bekommt er regelmäßig Kritik von seinem Vater, der alle Fehler bis ins kleinste Detail analysiert. "Er nimmt kein Blatt vor den Mund", erklärte Özil, der bei den ersten Begegnungen "Glück" hatte, dass sein Vater nicht im Stadion war.

    Mustafa Özil hatte vergessen, sich ein Visum für die Ukraine zu besorgen, und konnte deshalb nicht mit zu den Vorrundenspielen nach Lwiw und Charkow fliegen. "Dafür war mein Bruder dabei, der mich in schwierigen Momenten immer unterstützt."

    Im Moment ist die Familie ein wichtiger Rückhalt. Bei Özil läuft es einfach nicht, weil sich der Gegner komplett auf ihn eingestellt hat. "Mesut geht lange Wege und muss auf die Außen ausweichen. Aber er hat immer wieder geniale Momente", sagte Joachim Löw.

    Souveränität und Zuversicht fehlen

    Das DFB-Team und der Bundestrainer stehen ebenfalls hinter Özil, denn alle wissen, dass er mit einer einzigen Aktion ein Spiel entscheiden kann. "Mesut wird meistens in Manndeckung genommen. Das ist gerade für einen Zehner sehr schwer", so André Schürrle gegenüber eurosport.yahoo.de.

    Der Leverkusener glaubt fest daran, dass sich Özil im weiteren Verlauf des Turniers noch steigern kann: "Er hat eine große Qualität und wird sich auch durchsetzen", so Schürrle. Aber Superstars sehen unantastbar aus, strahlen Souveränität und Zuversicht auf dem Platz aus.

    Ganz anders im Moment Özil. Der Real-Profi wirkt zwar äußerst bemüht, aber in vielen Aktionen glücklos und schwerfällig. Zudem fehlen die zündenden Ideen im Spiel nach vorne sowie der "tödliche Pass". Nichts davon ist bei der EM zu sehen - keine Zaubertricks, keine Tore.

    Zaubervorstellung gegen Griechenland?

    Bislang ist es Özil nicht gelungen, sich in den Kreis der absoluten Weltstars zu spielen. Noch hat der die Bühne nicht nutzen können, um alle Fußball-Fans von seinem einzigartigen Können zu überzeugen. Zu oft wird er von seinen Gegenspielern gejagt, getreten und gestoppt.

    Der gebürtige Gelsenkirchener braucht dringend ein Erfolgserlebnis, um seinen Kopf wieder frei zu bekommen. Vielleicht mit einer Tour auf dem Fahrrad, vielleicht aber auch mit einer glänzenden Zaubervorstellung beim Viertelfinal-Duell gegen Griechenland.

    Dann kann Özil endlich zeigen, was er wirklich drauf hat. "Es stimmt, dass ich noch besser spielen kann. Weil ich weiß, was in mir steckt. Und das habe ich noch nicht alles gezeigt", sagte der 36-fache Nationalspieler und fügte an: "Ja, ich muss und will mich steigern."

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