Da Griechenland keinen klassischen Torjäger in seinen Reihen hat, ist das Team nicht nur auf kreative Impulse, sondern auch auf Tore aus dem Mittelfeld angewiesen. Die Hoffnungen ruhen dabei auf Sotiris Ninis, der nicht selten als griechischer Rohdiamant bezeichnet wird.
Der Superstar von Panathinaikos Athen und der Flügelspieler Giannis Fetfatzidis von Olympiakos Piräus spielen im griechischen Team eine zentrale Rolle.
Besonders Ninis steht dabei im Fokus, denn er ist erst 22 Jahre alt, wurde im Alter von 17 und 20 bereits zwei Mal zu "Griechenlands Talent des Jahres" gewählt und für eine Ablösesumme von neun Millionen Euro mit Manchester United in Verbindung gebracht.
Panathinaikos und Griechenland unter Schock
Doch Panathinaikos wollte den Jungstar nicht ziehen lassen, zu wichtig ist sein spielerischer Einfluss auf den Hauptstadtklub. Dies untermauerte Ninis zu Saisonbeginn, als er in beeindruckender Form die griechische Liga aufmischte, ehe er beim Länderspiel im September gegen Israel von einer schweren Knieverletzung gestoppt wurde.
Der Stürmer erzielte in der Partie einen spektakulären Treffer und riss sich kurz darauf das Kreuzband. Panathinaikos und die Nationalmannschaft standen unter Schock und bangten um das Erreichen der anvisierten Ziele.
Dennoch qualifizierten sich die Hellenen für die EURO in Polen und der Ukraine, indem sie die Qualifikationsgruppe F vor den favorisierten Kroaten gewannen. Ninis kehrte im März in die Mannschaft zurück und hofft, bis zum Turnier seine Gala-Form aus dem vergangenen Herbst wiederzufinden.
"König Otto" verzichtete auf Ninis' Dienste
Der 22-Jährige wurde in der albanischen Stadt Himare als Sohn griechischer Eltern geboren und spielte im Alter von 18 Jahren erstmals für die griechische Nationalmannschaft. Bereits bei seinem Debüt gegen Zypern ließ er mit einem Treffer aufhorchen.
Otto Rehhagel berief ihn daraufhin für die WM 2010 in Südafrika, gab ihm aber kaum Einsatzzeit. "König Otto" war mit den Defensivqualitäten des Talents nicht zufrieden, so kam Ninis nur auf zwei Kurzeinsätze über insgesamt 41 Spielminuten.
Rehhagels Nachfolger Fernando Santos setzte nach der enttäuschenden WM auf das Talent, ließ es in den ersten Spielen der EM-Qualifikation auflaufen - der Erfolg gab ihm Recht. Der Europameister von 2004 feierte fünf Siege in Serie und legte so den Grundstein für die Teilnahme an der EURO.
Eleganz, Passsicherheit und Schussgewalt
Dabei traten die Qualitäten des offensiven Mittelfeldspielers besonders hervor. Ninis ist ein eleganter Spielmacher mit dem Auge für den tödlichen Pass. Zudem ist er trotz seiner geringen Größe körperlich robust und besitzt die Fähigkeit, spektakuläre Treffer aus der Distanz zu erzielen. Darauf werden die Hellenen bei der EURO angewiesen sein, denn im Sturmzentrum fehlt ihnen ein klassischer Torjäger.
Doch das größte Rätsel gibt Giannis Fetfatzidis auf.
Der ist ein Jahr jünger als Ninis, mit 1,68 Metern sogar noch kleiner und eher ein dynamischer Flügelspieler als der Regisseur von Panathinaikos.
Fetfatzidis als der "griechische Messi"
Fetfazidis feierte sein Debüt im A-Team beim 1:0-Erfolg in der EM-Qualifikation gegen Lettland, als er für Ninis eingewechselt wurde. Seinen ersten Treffer im Trikot der Südosteuropäer erzielte er im Februar 2012 in einem Freundschaftsspiel gegen Kanada.
Sein persönliches Highlight feierte der 21-Jährige, der von Fans und Medien aufgrund seiner exzellenten Ballbehandlung nicht selten als der "griechische Messi" bezeichnet wird, mit einem spektakulären Volleytor in der Champions League gegen Olympique Marseille, das Olympiakos einen 1:0-Sieg über die Franzosen bescherte.
Mit zwei sehenswerten Toren im EM-Qualifikationsspiel gegen Malta versetzte er die griechische Presse endgültig in Verzückung und wurde neben Ninis als großer Hoffnungsträger für die EURO 2012 ausgerufen.
Leistungsschwankungen geben Rätsel auf
Auch Olympiakos hatte Fetfatzidis überzeugt. Der Rekordmeister verlängerte seinen Vertrag, erhöhte seine Bezüge und setzte eine fixe Ablösesumme von 12,5 Millionen Euro fest.
Doch in der zweiten Saisonhälfte gab der Jungstar Rätsel auf. Seine Leistungen waren so schwankend, dass er sich bei seinem Klub und in der Nationalmannschaft auf der Bank wiederfand.
Es bleibt abzuwarten, in welcher Form sich Fetfatzidis in Polen und der Ukraine präsentieren wird. Ob Griechenland seine Ziele bei der EURO erreicht, hängt auch von den Leistungen Ninis‘ und des Talentes aus Piräus ab.

Video: Die Gruppe A im Fokus
TV-Tipp:
Die EURO 2012 Show - die EM-Expertenrunde mit Patrick Kluivert, Thomas Berthold, Fredi Bobic, Rafa Benitez und Arsène Wenger analysiert vom 7. Juni bis 2. Juli immer um 20:00 Uhr LIVE die Geschehnisse in Polen und der Ukraine.
