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    Bundesliga - Spektakulärer Machtkampf im Norden

    Das Nordderby zwischen Hannover 96 und Werder Bremen ähnelt einem Rollentausch, jedenfalls unter kurzfristigen Gesichtspunkten. Die "Roten" von der Leine haben die traditionelle Phalanx aus Bremen und Hamburg aufgesprengt. Mehr noch, die 96er sind aktuell das Maß der Dinge.

    Der Bundesliga-Dinosaurier aus Hamburg wehrt sich im "Oberhaus" seit Jahren gegen das Aussterben und kämpft dabei verbissen mit dem Ungleichgewicht zwischen verträumtem Anspruch und gnadenloser Wirklichkeit.

    Und Werder Bremen ließ sich in den vergangenen drei Jahren ordentlich erden, um auf einem stabilen Fundament eine Art Neuanfang zu planen. Schließlich datieren die letzten Erfolge aus dem Jahr 2009, als der DFB-Pokal an die Weser wanderte und Werder im Finale der Europa League gegen Schachtjor Donezk eine große Chance kläglich vergab.

    Im Windschatten dieser Entwicklung mauserten sich die 96er aus Hannover zum ernsthaften Konkurrenten, zum Anwärter auf den Titel: Nummer eins im Norden.

    Sammer hatte es geahnt

    Architekt des Erfolges ist Mirko Slomka. Im Januar 2010 war er im Abstiegssog als Feuerwehrmann verpflichtet worden, konnte in der Rückrunde mit Hängen und Würgen die Klasse halten und bastelte sich im Anschluss daran ein Team nach seinen Vorstellungen.

    Von den schlüpfrigen Stufen der tabellarischen Kellertreppe kletterten die "Roten" mit attraktivem Kombinationsfußball in der Saison 2010/2011 zurück ans Tageslicht der Bundesliga und von dort direkt weiter ins Rampenlicht der europäischen Fußballbühne. Im April 2011 stellte der heutige Sportdirektor des FC Bayern fest: "Für Hannover ist die Situation neu. Es ist eine Reifeprüfung für sie." Matthias Sammer hatte zweifellos recht.

    Und die Reifeprüfung wurde bestanden, Hannover schied erst im Viertelfinale gegen den späteren Europa-Cup-Sieger Atletico Madrid aus. Slomka und sein Team tappten auch nicht in die Falle aus verklärter Euphorie und ungewohnter Zusatzbelastung, sondern machten auch in der Bundesliga weiter ihre Hausaufgaben und belohnten sich erneut mit der Qualifikation für den internationalen Wettbewerb.

    Stolz ersetzt Fakten

    In diesen beiden Spielzeiten belegte der HSV zu Saisonende die Tabellenplätze acht und 15, Werder parkte auf 13 und neun. Beiden Großklubs fehlen seitdem die Argumente für den Anspruch auf den Titel als Nummer eins des Nordens. Doch wo Fakten an ihre Grenzen stoßen, springen eben Stolz und Selbstbewusstsein in die Bresche: "Wir fühlen uns immer noch als Nummer eins im Norden", meint Klaus Allofs vor diesem 3. Spieltag.

    Bremens Geschäftsführer verweist dabei auf die Erfolge der vergangenen zehn Jahre. "Aber das ist alles nicht entscheidend", weiß der 55-Jährige. "Ob du die Nummer eins, zwei, drei oder vier im Norden bist, zählt dann nicht. Dann musst du gewinnen." In Hannover gewinnen, meint Allofs.

    Leichter gesagt als getan. Als einzige Mannschaft im deutschen Profi-Fußball blieb Hannover in der vergangenen Saison zu Hause ungeschlagen (10 Siege, 7 Remis). Insgesamt sind die 96er seit 19 Heimspielen unbesiegt.

    Haute Cuisine in Hannover

    Ein statistisches Pfund, mit dem sich wuchern lässt. Denn für Werder kommt es noch schlimmer: Bremen wartet Saison übergreifend seit sechs Auswärtsspielen auf einen Bundesliga-Sieg. Zudem blieb das Team von Thomas Schaaf nur in einer der letzten 27 Auswärtspartien ohne Gegentor. Die letzten beiden Gastspiele in Hannover gingen verloren.

    Dafür steigen sowohl Werder als auch Hannover derbygestählt in den Ring (Sa., 15:30 Uhr im Liveticker auf eurosport.yahoo.de): Die 96er bügelten am 2. Spieltag Wolfsburg mit 4:0 ab und Bremen schoss den HSV mit 2:0 aus dem Dreikampf um die Nummer eins im Norden.

    Eines ist schon vor Anpfiff klar: Das Duell zwischen Hannover 96 und Werder Bremen verspricht einen fußballerischen Leckerbissen durch Spielfreude, Angriffslust und technische Beschlagenheit - ein spektakulärer Machtkampf um die Vorherrschaft im Fußball-Norden.

    Und noch etwas dürfte klar sein: Egal wie das Spiel endet, Slomka wird kein Déjà-vu aus dem April 2008 erleben. Damals verlor er mit 1:5 gegen Werder und wurde auf Schalke entlassen.

    TV-Tipp:

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