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    Sorgenkinder kämpfen um Anschluss

    Sie quälen sich im Training und hoffen, dass die Schmerzen nachlassen und die Form kommt. Einige der deutschen Olympia-Asse haben aufgrund von Verletzungen noch nicht einmal die Norm geschafft. Doch in London soll sich nun möglichst alles zum Guten wenden.

    Philipp Boy kann die Fragen nach seinen Verletzungen nicht mehr hören. "Ich schaue nur noch nach vorn, konzentriere mich voll auf das Training. Alles andere bringt nichts", sagte der zweimalige WM-Zweite am Rande des Trainingslagers der deutschen Olympia-Turner in Kienbaum.

    "Ich will in London eine Medaille. Dem ordne ich alles unter», betonte er und versuchte, die akuten Schmerzen an Handgelenk oder Rücken einfach wegzulächeln.

    Boy ist nicht der einzige Top-Athlet im 392-köpfigen deutschen Aufgebot, der bislang eine Seuchensaison hinter sich hat.

    Hochspringerin Ariane Friedrich kämpft nach ihrer Achillessehnen-Operation um alte Form, Gewichtheber Matthias Steiner quält sich im österreichischen Schielleiten, um seinen Traum vom zweiten olympischen Edelmetall doch noch wahr werden zu lassen. Die eingerissene Quadrizepssehne zwischen Oberschenkel und Knie, die im Herbst operativ geflickt werden musste, hat ihn um Monate zurückgeworfen.

    Mit Gold und Sorgen im Gepäck

    Doch sie sind bei weitem nicht die einzigen Sorgenkinder der deutschen Equipe. Trampolin-Olympiasiegerin Anna Dogonadze macht eine lädierte Bandscheibe zu schaffen, Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno konnte wegen einer Verletzung an der linken Wade lange kein Lauftraining absolvieren und gab erst im Juni mit einem 16. Platz in Kitzbühel seinen Saisoneinstand.

    Speerwerfer Matthias de Zordo reist zwar als Weltmeister, jedoch nicht als Olympia-Favorit in die britische Metropole. Wegen einer Kapselverletzung am Ellbogen musste der 24-jährige Saarländer nicht nur für die EM in Helsinki absagen, sondern schaffte noch nicht einmal die Olympia-Norm von 82,00 Metern.

    Deutschlands beste Hochspringerin Friedrich war nach ihrer EM-Absage wegen akuter Magenproblemen fast schon verzweifelt. "Es ist aber nicht so, dass ich jeden Tag mit Tränen in den Augen aufstehe", schildert sie ihre Situation. Die 28-Jährige kämpft nach ihrer Zwangspause 2011 noch mit Form und Anlauf. "Das hat nichts mit psychologischer Instabilität zu tun", weist die Frankfurterin Spekulationen über nervliche Anfälligkeit zurück.

    "Eine Medaille wäre ein Wunder"

    Matthias Steiner hatte auch nach seiner Operation weitere Verletzungen und gleich drei Infekte zu überstehen, musste daher das geplante Trainingslager im Sportpark Rabenberg im Erzgebirge absagen. Inzwischen wuchtet der mit 145 Kilogramm schwerste deutsche Olympia-Starter wieder größere Lasten, aber von einem Coup wie 2008 in Peking, als er sich überraschend Gold schnappte, hat er sich verabschiedet. "Eine Medaille wäre ein Wunder", sagt der 29-Jährige.

    Bei Trainer Frank Mantek waren zwischenzeitlich Befürchtungen aufgekommen, dass Olympia gar nicht mehr realisierbar sein könnte. Beim Trainingslager im Mai hatte es seinen Vorzeigeathleten völlig ausgehebelt. Steiner lag auf dem Bauch, konnte sich vier Stunden lang nicht rühren. Am Ende erwies sich dies nicht als Bandscheibenvorfall, sondern nur als Muskelverspannung.

    Asse müssen verzichten

    Während die angeschlagenen Asse noch auf das "Wunder von London" hoffen, mussten einige Medaillen-Hoffnungen bereits vor der Eröffnungszeremonie die Segel streichen. Während Kanu-Olympiasiegerin Nicole Reinhardt schon vor zwei Monaten krankheitsbedingt auf ihre Goldchance verzichten musste, sagte Tennis-Ass Andrea Petkovic erst nach der Einkleidung ab. Nach Fußverletzung waren die Formdefizite zu gewaltig.

    "Mir blutet das Herz. Die Spiele sind ein Lebenstraum von mir", bedauert Petkovic. Der WM-Dritte von 2009 im Hochsprung, Raul Spank, hatte wegen eines Achillessehneneinrisses seine Olympia-Hoffnungen ebenfalls begraben müssen.

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