Am Tag der Rückkehr nach München betrieb Bastian Schweinsteiger seine ganz eigene Frustbewältigung.
Er ging - unweit seiner Wohnung - mit Freundin Sarah Brandner und Freunden zum Italiener. Ausgerechnet.
Die bittere Niederlage im Finale der Champions League, sein verschossener Elfmeter, der Knockout durch Mario Balotelli im EM-Halbfinale, die Schmerzen, die Probleme mit dem Knöchel werden allgegenwärtig gewesen sein.
Ob drei Wochen für den Mittelfeld-Star des FC Bayern wirklich ausreichen, um sich komplett zu regenerieren?
"Das ist genug Zeit, um sich körperlich und geistig zu erholen", ist der neue Sportchef in München, Matthias Sammer, überzeugt. Doch die Aussagen von Trainer Jupp Heynckes lassen auf etwas anderes schließen - zumindest beim Sorgenkind.
Regelmäßige Telefonate
Zweimal hat der 67-Jährige bereits mit ihm telefoniert und sich zu einem weiteren Gespräch in dessen letzter Urlaubswoche verabredet: "Für mich ist wichtig, dass Bastian wieder die Fitness kriegt wie im ersten Drittel der letzten Saison. Darum werde ich mich in erster Linie kümmern", gibt er preis.
"Er muss das Selbstbewusstsein wieder bekommen und mental frei werden. Aber ich bin sicher, dass ich ihn wieder hinbekomme", fügt Heynckes am Mittwoch an.
Bis zum 22. Juli hat Schweinsteiger - wie die übrigen deutschen Nationalspieler Philipp Lahm, Manuel Neuer, Holger Badstuber, Thomas Müller, Toni Kroos, Jerome Boateng und Mario Gomez - noch frei, das Trainingslager am Gardasee vom 15. bis 20. Juli wird er somit verpassen. Zum Start in die neue Saison geht es dann zunächst auf eine fünftägige China-Reise.
Der Druck wird dann einmal mehr immens für Schweinsteiger sein, die Zeit, in seiner Karriere einen großen europäischen Titel zu holen, wird knapper. Es ist kaum zu glauben, dass er nach dem "Drama dahoam", bei dem er und seine Münchner die Riesenchance hatten, sich unsterblich zu machen, einfach so wieder zur Tagesordnung übergehen kann.
Wie schlimm sind die Beschwerden?
Zur mentalen Komponente kommen die Beschwerden am Sprunggelenk. Noch weiß niemand konkret, wie ernst und langwierig die Verletzung ist. Deutlich war: Auf dem Platz wirkte Schweinsteiger im Jahr 2012 oft blockiert, unaufmerksam, ausgelaugt. Es war kein Vergleich zur Form seines Lebens, die er im Oktober 2011 erreicht hatte, ehe ihn ein Schlüsselbeinbruch niederschmetterte.
Heynckes hat erkannt, dass sein Sorgenkind nun "Chefsache" werden muss und macht ihm Mut. Ihm ist bewusst, dass er nun vor allem auch als Psychologe Fingerspitzengefühl beweisen muss.
Erneut wird er dabei von seiner enormen Erfahrung profitieren. "Ich habe 1974 auch das WM-Finale wegen einer Verletzung verpasst und war deshalb sehr deprimiert. Danach habe ich aber die beste Saison meiner Profikarriere absolviert. Es warten neue Herausforderungen und Ziele", macht er klar.
VIDEO - FC Bayern stellt Sammer vor
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