"Das Wort definitiv sollten wir vor Paris aber nicht benutzen", ermahnte Froome, als er auf die Gewissheit des Sky-Triumphs angesprochen wurde. Wiggins jedoch zeigte sich sehr optimistisch: "Es sieht schon ziemlich gut aus."
Gemeinsam konterten sie am Schlussanstieg zur Skistation von Peyragudes alle Attacken und zogen dann der Konkurenz davon. Froome wirkte dabei fast spielerisch locker und wartete immer wieder kurz auf seinen Kapitän.
Dass Wiggins einige Probleme hatte, seinem Teamkollegen zu folgen, erklärte der Mann in Gelb so: "Als wir den Peyresourde überquerten, wusste ich, dass es geschafft war und hatte fast Tränen in den Augen. Deshalb war ich im Schlussanstieg etwas unkonzentriert." Gut für ihn, dass dieser Schlussanstieg nach Peyragudes nur drei Kilometer lang war.
Froome verzichtet auf Siegchance
Dass Froome die Warterei, bei am Ende nur 19 Sekunden Rückstand auf Valverde, den möglichen Etappensieg kostete, war dem treuen Edelhelfer angeblich egal. "Wir sind nicht hier, um uns auf Etappensiege zu konzentrieren. Wir wollen das Gelbe Trikot nach Paris bringen - und darum ging es", sagte der in Kenia geborene Brite.
Gefahr für Gelb ging vor der letzten Bergankunft hauptsächlich vom Gesamtdritten Vincenzo Nibali aus - und der Italiener ergriff mehrmals die Initiative. Am Ende aber musste er als Siebter sogar Rückstand zu weiteren Rivalen wie dem Gesamt-Vierten Jürgen Van den Broeck hinnehmen. Auf ihn büßte Nibali elf Sekunden ein.
Valverde überredet Nibali
"Ich hatte am Ende nicht mehr die nötigen Kräfte", sagte der Italiener. "Es ist schon etwas enttäuschend." Sein dritter Gesamtrang geriet zwar nie in Gefahr, das war dem Sizilianer aber nicht genug: Nibalis Rennen war auf Offensive ausgelegt, weshalb sein Liquigas-Team mit dem Allgäuer Dominik Nerz über den ganzen Tag hinweg Tempo bolzte. "Die Jungs haben super gearbeitet, aber ich hatte nicht den besten Tag", musste Nibali zugeben.

Dass es seinem Kontrahenten nicht mehr richtig gut ging, das erkannte Froome bereits bevor der Italiener den Kontakt verlor. "Wir haben mit einem Angriff von Nibali gerechnet, aber ich konnte auch sehen, dass er nicht richtig gut aussah. Deshalb haben wir dann am Ende Gas gegeben und versucht, ihn abzuhängen", erklärte der 27-Jährige. Es gelang.
Kraft ließ Nibali bereits am ersten Anstieg, dem Col de Menté, mit einer mutigen weil frühen Attacke, durch die er in die Ausreißergruppe des Tages gesprungen war. Doch nach einigen gestenreichen Gesprächen mit Mit-Ausreißer Valverde ließ sich der Italiener wieder zurückfallen. "Wenn er dabeigeblieben wäre, wäre die Gruppe wohl nicht durchgekommen. Deshalb musste er sich opfern", erklärte Liquigas-Teamchef Stefano Zanatta. "Der Angriff wäre sonst für alle wohl sinnlos gewesen."
Valverde gibt sich demütig
Valverde, der auf den letzten drei ansteigenden Kilometern eine Minute gegen Froome und Wiggins verlor, feierte in Peyragudes seinen größten Erfolg nach seiner Dopingsperre. "Es war eine sehr harte Etappe. Wir haben oft versucht, anzugreifen. Aber es hat lange Zeit nicht wirklich geklappt", erläuterte der Spanier.

Am vorletzten Berg des Tages, dem Port de Bales setzte er sich aus der großen Ausreißergruppe des Tages ab und marschierte anschließend allein in Richtung Tagessieg, dem er sich aber erst kurz vor Schluss sicher war. "Erst als ich den letzten Anstieg erreicht habe, wusste ich, dass die Chance groß ist." Dass er gegen die Besten bei dieser Frankreich-Rundfahrt in der Gesamtwertung auch ohne seinen Sturz in der ersten Tour-Woche nicht viel hätte ausrichten können, gab der 32-Jährige offen zu: "Ich glaube nicht, dass ich da hätte mithalten können."
Voeckler hat Bergtrikot (fast) sicher
Andreas Klöden kam als bester Deutscher nach 143,5 Kilometern mit 1:14 Minuten Rückstand auf Valverde als Tageselfter ins Ziel und bleibt im Gesamtklassement somit Zwölfter.
Thomas Voeckler, der wie Valverde einmal mehr der Ausreißergruppe des Tages angehörte, baute im Verlauf des Tages seine Führung im Kampf um das Bergtrikot weiter aus und hat den Sieg in dieser Sonderwertung nun fast sicher. Er muss nur noch in Paris ankommen, denn Verfolger Fredrik Kessiakoff liegt bei nur noch sieben zu vergebenen Bergpunkten bereits elf Zähler zurück.
VIDEO: Finale der 17. Etappe
TV-Tipp:
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