Erst irrtümlicherweise disqualifiziert, dann doch noch mit Silber dekoriert: In einem verrückten Siebenkampf hat Lilli Schwarzkopf die deutsche Olympia-Mannschaft in London vor einem medaillenlosen Samstag bewahrt. Die 28-Jährige war zunächst zu Unrecht ausgeschlossen worden, freute sich dann aber umso mehr über Platz zwei hinter der überragenden Britin Jessica Ennis.
So verwirrend wie er endete hatte der Tag auch begonnen: Bereits im Triathlon der Frauen am Morgen musste lange gewartet werden, bis feststand, wer welche Medaille bekommt. Ein Zielfoto musste entscheiden.
Ansonsten war der achte Wettkampftag nicht der Tag der Deutschen. Noch am nächsten dran an einer Medaille war Britta Steffen, der vier Jahre nach ihrem Olympiasieg in Peking über 50 Meter Freistil als Vierte ganze sieben Hundertstel zu Bronze fehlten. Fünfte Plätze gab es für Weitspringer Sebastian Bayer und Diskuswerferin Nadine Müller.
Nach 138 von 302 Entscheidungen behauptete das US-Team im Medaillenspiegel mit 26 Gold-, 13 Silber- und 15 Bronzemedaillen seinen knappen Vorsprung vor China (25-16-12). Rang drei festigten die Briten mit 14 Mal Gold, siebenmal Silber und achtmal Bronze. Sie holten am "Super Saturday" allein sechs Goldmedaillen.
Die deutsche Mannschaft (5-10-6) rangiert weiter an Position sechs.
Schwimmen: Michael Phelps krönte seine Karriere mit dem Gewinn seiner 18. Goldmedaille. Der US-Superstar holte mit der Lagenstaffel zugleich seine 22. Medaille. Das deutsche Quartett landete im Finale auf Rang sechs. Gold holte zum Abschluss der Schwimm-Wettbewerbe auch die Frauen-Staffel der USA mit Missy Franklin, die wie Phelps ihren vierten Sieg in London holte. Der Chinese Sun Yang über 1500 Freistil und Ranomi Kromowidjojo aus den Niederlanden im Freistil-Sprint sicherten sich die weiteren Goldmedaillen.
Leichtathletik: Zur schnellsten Frau der Welt krönte sich über 100 Meter Shelley-Ann Fraser-Pryce aus Jamaika in 10,75 Sekunden. Leichtathletik-Gold für das britische Team gewannen außer Ennis noch Greg Rutherford im Weitsprung und 10 000 Meter-Läufer Mo Farah. Der Sieg im Diskuswerfen ging an Sandra Perkovic aus Kroatien, der Chinese Chen Ding siegte im 20 Kilometer Gehen. Am Mittag war Supersprinter Usain Bolt bei seinem Einstand über 100 Meter in 10,09 Sekunden locker ins Halbfinale gejoggt. Hoffnungen weckten die deutschen Stabhochspringerinnen, die zu dritt ins Finale einzogen.

Tennis: Im Einzel der Damen triumphierte Serena Williams aus den USA, im Männer-Doppel ihre Landsmänner Bob und Mike Bryan. Sabine Lisicki und Christopher Kas verpassten den Finaleinzug im Mixed durch eine Match-Tie-Break-Niederlage. Sie kämpfen nun gegen Mike Bryan und Lisa Raymound aus den USA um Bronze.
Radsport: Im Velodrom holten die Gastgeber in der Mannschaftsverfolgung der Frauen über 3000 Meter erneut Gold - der vierte Titel für die Briten auf der Bahn.
Fechten: Die Hoffnungen der Degenfechterinnen platzten frühzeitig. Nach dem 42:45 gegen den WM-Zweiten China beendeten die Einzel-Zweite Britta Heidemann sowie Imke Duplitzer und Monika Sozanska den Team-Wettkampf als Fünfte.
Surfen: Vor Weymouth surft Toni Wilhelm auf Medaillenkurs. Der Schwarzwälder gewann die achte Wettfahrt und liegt zwei Rennen vor dem Finale auf Rang drei.
Turnen: Auf dem Trampolin musste sich Athen-Olympiasiegerin Anna Dogonadze mit dem zehnten Rang begnügen.
Reiten: Mit einem Schreck begann Olympia für die deutschen Springreiter: Christian Ahlmann sammelte mit Codex One in der ersten Runde 15 Strafpunkte und schied damit im Einzel aus.
Schießen: Auch Weltmeisterin Barbara Engleder verfehlte die erste deutsche Schützen-Medaille in London. Im Dreistellungskampf mit dem Sportgewehr belegte die 29-Jährige Rang sechs. Die WM-Zweite Sonja Pfeilschifter scheiterte bereits in der Qualifikation und wurde 19. Im Trapschießen verpasste Sonja Scheibl als 17. den Endkampf klar.
Triathlon: Während es an der Spitze zwischen der Schweizerin Nicola Spirig und der Schwedin Lisa Norden zum Foto-Finish kam, hatten Anne Haug als Elfte und Anja Dittmer auf Platz zwölf mit der Entscheidung nichts zu tun.

Rudern: Für die deutsche Ruderflotte ging Olympia ohne Medaille zu Ende. Der Vierer ohne Steuermann musste sich im Finale mit dem letzten Rang begnügen. Auch die beiden leichten Doppelzweier kamen als Sechste ins Ziel.
Tischtennis: Deutschlands Tischtennis-Damen kamen nicht ins Halbfinale. Die Auswahl von Bundestrainerin Jie Schöpp unterlag Japan mit 0:3.
Volleyball: Die deutschen Volleyballer wahrten mit 3:0 gegen Tunesien die Chance aufs Viertelfinale. Julius Brink und Jonas Reckermann zogen ins Viertelfinale des Beachvolleyball-Turniers ein.
Hockey: Für Deutschlands Hockey-Damen ist die Tür zum olympischen Halbfinale fast schon zu. Beim allerdings verdienten 1:3 (0:2) gegen Weltmeister Argentinien kassierte das Team von Bundestrainer Michael Behrmann bereits die zweite Turnier-Niederlage und hat kaum noch Chancen auf die nächste Runde.
Basketball: Die US-Basketballer haben bei den Olympischen Spielen auch ihr viertes Vorrundenspiel gewonnen und eine peinliche Pleite haarscharf vermieden. Die NBA-Stars setzten sich in London gegen Litauen knapp mit 99:94 (55:51) durch, wurden dabei aber erstmals stärker gefordert.
Fußball: Großbritanniens Fußballer haben den Einzug ins Halbfinale des olympischen Turniers verpasst. Das Gastgeber-Team wurde bei der Viertelfinal-Niederlage gegen Südkorea am Samstagabend in Cardiff wieder einmal Opfer seiner Schwäche im Elfmeterschießen. Beim 4:5 in der Entscheidung vom Punkt verschoss Daniel Sturridge den letzten Elfmeter für die Briten. Doch das Drama in Wales ging fast unter im kollektiven Jubel in London - seit 104 Jahren erlebten die Briten keinen so erfolgreichen Olympiatag!

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