WAS IHRE FREUNDE LESEN

    Schleck positiv: "Kann es mir nicht erklären"

    Fränk Schleck betont nach seinem positiven Test seinen Unschuld und kündigt an, eventuell sogar Anzeige gegen Unbekannt erstatten zu wollen. "Ich habe keine verbotene Substanz, gleich welcher Art, genommen. Ich kann mir das Ergebnis des Test nicht erklären", so der Luxemburger in einer Erklärung.

    Tour-Chef Christian Prudhomme begrüßte vor dem Start der 16. Etappe die Entscheidung von Schleck und seine Team RadioShack, den Vorjahresdritten nicht weiterfahren zu lassen - obwohl dies rechtlich möglich gewesen wäre. "Nach den Regeln der UCI hätte er starten können", erinnerte der Franzose, doch "es ist eine weise Entscheidung - die einzig vorstellbare."

    "Ich bin aus allen Wolken gefallen", wurde Schleck in der Online-Ausgabe der Zeitung "Luxemburger Wort" zitiert. Sein Bruder Andy erklärte dem "Parisien", er schwöre "auf sein Leben und auf das seiner Familie, dass Frank nichts genommen" habe.

    In einem eigens erstellten Communiqué verteidigte Schleck sich später: "Ich habe keine verbotene Substanz, gleich welcher Art, genommen. Ich kann mir das Ergebnis des Test nicht erklären und nehme daher mein Recht auf eine Analyse der B-Probe war. Sollte diese Analyse das Ergebnis der ersten bestätigen, wird Anzeige gegen Unbekannt wegen Vergiftung erhoben werden."

    Substanz zur Verschleierung

    Der zweite Ruhetag der Tour de France dauerte am Dienstag bis um 20.30 Uhr: Dann wurde bekannt, dass Frank Schleck bei der aktuellen Rundfahrt eine positive Dopingprobe abgegeben hat. Wie der Weltverband UCI am Abend mitteilte, wies eine Urinprobe des Luxemburgers vom 14. Juli das Diuretikum Xipamid auf.

    Nach den Anti-Doping-Regeln der UCI führt der Befund nicht automatisch zu einer Sanktion durch die Tour oder den Verband. Allerdings reagierte Schlecks Rennstall RadioShack prompt und nahm den letztjährigen Tour-Dritten aus dem Rennen.

    Sein Team hat keine Erklärung für den Fund des Diuretikums. "Es ist kein Produkt, das in einem von der Mannschaft benutzten Medikament enthalten ist", hieß es in einer Mitteilung des Rennstalls. Daher sei unklar, wie das Mittel in den Urin von Schleck gelangt sei. Man wolle mit den Anti-Doping-Behörden zusammenarbeiten, unterstrich die Mannschaft.

    Tour "in Ruhe" fortsetzen

    Die französische Nachrichtenagentur AFP meldete, die Einfahrt zum Teamhotel in der südfranzösischen Stadt sei am frühen Abend von der Polizei blockiert worden. Schleck sei am Abend gegen 18.00 Uhr von der positiven Probe unterrichtet worden und habe sich aus eigener Initiative zur Polizei in Pau begeben, während bis um 23.00 Uhr das Mannschaftshotel durchsucht worden sei, berichtete das "Luxemburger Wort" und zeigte Bilder von Polizeifahrzeugen vor dem Hotel.

    "Wir können im Moment nichts tun, und wir haben keinen Grund an der Unschuld von Fränk zu zweifeln. Und dies ist er, solange das Gegenteil bewiesen ist", erklärte Teamsprecher Philippe Maertens.

    Die UCI hatte das Team zuvor aufgefordert, "die nötigen Schritte zu ergreifen", um die Tour "in Ruhe" fortsetzen zu können und damit sich der Fahrer auf seine juristische Verteidigung konzentrieren könne. Schleck hat vier Tage Zeit, die Öffnung der B-Probe zu beantragen. Am ersten Ruhetag der 99. Tour hatte die Polizei in Macon den Franzosen Remy Di Grégorio wegen des Verdachts des Handels mit Dopingmitteln festgenommen. Der Hintergrund waren seit einem Jahr laufende Doping-Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Marseille.

    Schlecks positiven Befund bei der am Tag der 13. Etappe entnommenen Probe lieferte das bekannte und bei Dopern berüchtigte Labor Chatenay-Malabry am Stadtrand von Paris. Dort wurden 1999 auch die positiven und erst sechs Jahre später analysierten EPO-Proben von Tour-Rekordsieger Lance Armstrong untersucht.

    "Präparate aus dem Körper spülen"

    Schleck, der Teamkollege der deutschen Fahrer Andreas Klöden und Jens Voigt, war als einer der Kapitäne von RadioShack in die Frankreich-Rundfahrt gestartet. Nach Problemen in der ersten Woche rangiert der 32-Jährige derzeit auf Rang zwölf. Neben seinem Bruder Andy, der sich vor der Tour verletzt hatte, musste die Equipe auch auf ihren Teammanager Johan Bruyneel verzichten. Der Belgier ist in die Ermittlungen der amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA im Fall Armstrong verwickelt.

    Diuretika-Befunde sind im Radsport nicht selten. Im Vorjahr war beim Russen Alexander Kolobnew ebenfalls ein harntreibendes Mittel entdeckt worden. Der Fahrer wurde daraufhin von seinem Team Katusha aus dem Rennen genommen. Russlands Verband verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 1500 Euro. Die UCI legte Einspruch ein, scheiterte aber vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS - Kolobnew wurde freigesprochen.

    "Diuretika werden im Radsport dazu benutzt, andere Präparate aus dem Körper zu spülen", erklärte Helge Riepenhof, Teamarzt bei Omega Pharma-Quick Step und damit von Tony Martin. "Die Gabe ist ansonsten kontraproduktiv, weil Diuretika dem Körper Flüssigkeiten entziehen und damit Minerale." In anderen Sportarten wie Boxen oder Bodybuilding werden harntreibende Mittel zur Gewichtsreduzierung verwendet.

    Video - Tour-Vorschau auf die 16. Etappe

    TV-Tipp:

    Tour total: Eurosport präsentiert Ihnen die Tour de France 2012 von der Teampräsentation in Lüttich bis zum Finale der Schlussetappe in Paris in ausführlichen Live-Übertragungen sowie Zusammenfassungen auf Eurosport und Eurosport 2 - und natürlich auch im Eurosport Player!

    Quizaction - Testen Sie Ihr Sportwissen

    Meistgelesene Artikel

    Aktuelle Nachrichten

    Champions League