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    Schüttler: "Unnötige Negativschlagzeilen"

    Rainer Schüttler hat eine klare Meinung zu den Streitigkeiten im deutschen Tennis, und die vertritt der 36-Jährige auch im Interview der Woche mit eurosport.yahoo.de. Darüber hinaus spricht der ehemalige Weltranglisten-Fünfte über seine Zukunft, das deutsche Männer-Tennis und Roger Federer.

    Boris Beckers Wimbledon-Titel 1985 beflügelte eine ganze Sport-Nation, der damals neunjährige Rainer Schüttler bildete da keine Ausnahme. Zehn Jahre später war es dann soweit, Schüttler wurde Tennis-Profi. Ein weiser Entschluss, wie sich zeigte. Doch auch in dieser Saison steht der Blondschopf vor einer wichtigen Entscheidung.

    Herr Schüttler, wann sehen wir Sie denn wieder auf der ATP Tour?

    Rainer Schüttler: Das kann ich noch nicht genau sagen. Ich habe zu Jahresbeginn in Doha und bei den Australian Open gespielt. Danach habe ich mir bewusst Zeit für andere Dinge genommen, zumal ich nicht topfit war. Die Adduktoren haben sich bemerkbar gemacht und ich hatte auch oft den Eindruck, nur halb gesund zu sein. Ich habe im letzten halben Jahr an meinem Einstieg ins Tennis-Management gearbeitet. Und mal ehrlich: Ich bin ja jetzt auch in einem Alter, wo es normal ist, sich Neuem zuzuwenden...

    ...aber wir können festhalten, dass Rainer Schüttler seine Karriere noch nicht beendet hat, oder?

    Schüttler: Ja, offiziell habe ich meine Karriere nicht an den Nagel gehängt, das stimmt. Ich habe auch noch ein "protected ranking". Also schließe ich nicht aus, dass ich noch einmal antrete. Aber auf der anderen Seite ist das natürlich enorm schwer, denn die jungen Spieler sind durchgehend wahnsinnig fit.

    2003 standen Sie in Melbourne als bis dato letzter deutscher Spieler in einem Grand-Slam-Finale. Heutzutage erreichen nur noch Roger Federer, Novak Djokovic, Rafael Nadal und Andy Murray die Endspiele der Major-Turniere. Glauben Sie, dass sich daran bald etwas ändern wird?

    Schüttler: Man muss neidlos anerkennen, dass diese Topleute auf einem unglaublich hohen Niveau spielen und daher auch diese Erfolge feiern. Aber ich denke schon, dass Juan Martin del Potro einen Grand-Slam-Titel holen kann. Er hat das ja 2009 bei den US Open schon bewiesen. Juan hatte dann große Verletzungsprobleme, aber er ist wieder voll da. Und dann hat sich auch Jo-Wilfried Tsonga sehr stabil nach oben gespielt. Aber natürlich muss die Auslosung passen und die Bedingungen müssen perfekt sein - sonst wird es ganz schwer gegen die Top 4.

    Wie sehen Sie die Zukunft für das deutsche Männer-Tennis, wo man von Grand-Slam-Finals derzeit nicht einmal träumen kann?

    Schüttler: Ich bin der Meinung, dass wir lange nicht so schlecht dastehen, wie das in der Presse beschrieben wird. Fast bei jedem Grand-Slam-Turnier schicken wir zehn, elf Spieler ins Hauptfeld - und das ist eine sehr gute Quote. Dazu haben wir mit Florian Mayer, Philipp Kohlschreiber und jetzt auch wieder Tommy Haas einige Top-30-Spieler. Was uns natürlich fehlt, ist ein Top-10-Spieler. Denn die Ansprüche sind sehr hoch im deutschen Tennis, da man sich an früheren Erfolgen orientiert. Doch das ist im Moment einfach nicht drin, und so nimmt auch die TV-Präsenz unseres Sports immer weiter ab. Es wäre sicherlich falsch, alles schönzureden, aber ein zu großer Pessimismus ist ebenso fehl am Platz. Und ich möchte auch daran erinnern, dass Philipp Petzschner im Doppel 2010 und 2011 zwei Grand-Slam-Turniere gewonnen hat. Das wird immer schnell vergessen.

    Sie selbst haben im Doppel ebenfalls einen großen Erfolg gefeiert. An der Seite von Nicolas Kiefer haben Sie 2004 in Athen die bis dato letzte Olympia-Medaille für das deutsche Tennis gewonnen (siehe Foto). Welche Bedeutung haben die Spiele für Sie?

    Schüttler: Für mich haben Olympische Spiele eine sehr große Bedeutung. Ich hätte sehr gerne in London gespielt. Das wäre ein toller Karriereabschluss gewesen. Das habe ich schon 2008 in Peking gedacht, doch danach hatte ich noch so viel Lust auf Tennis, dass ich weitergemacht habe. Ich fand es auch sehr schade, dass man Tommy Haas nicht für die Spiele in diesem Jahr nominiert hat. Ich weiß, wie viel Herzblut er damit verbindet. Olympische Spiele sind einfach eine unglaubliche Erfahrung...

    ...und lösen im deutschen Tennis-Lager eine hitzige Debatte aus. DTB-Präsident Karl-Georg Altenburg schlug sogar vor, Spieler vom Davis Cup auszuschließen, wenn sie bei den Spielen nicht antreten möchten. Wie ist Ihre Meinung in dieser Frage?

    Schüttler: Generell finde ich es absolut falsch, diese Frage öffentlich zu diskutieren. So haben wir nun wieder Negativschlagzeilen, die unnötig sind. Man hätte sich zuerst mit den Spielern hinsetzen und das Gespräch suchen müssen. Soweit ich weiß, ist das nicht passiert. Und was den Davis Cup angeht: Aus meiner Sicht muss es darum gehen, ein möglichst harmonisches Team aufzustellen, das Erfolg haben kann - und nicht darum, gegen das Davis-Cup-Team zu arbeiten.

    Kommen wir auf Sie zurück. Erinnern Sie sich noch an Ihr Achtelfinal-Match in Dubai 2002?

    Schüttler: Puuh... 2002 in Dubai. Nein, da klingelt erstmal nichts. Vielleicht ändert sich das, wenn sie mir verraten, gegen wen ich da gespielt habe.

    Kein Problem, der Mann heißt Roger Federer.

    Schüttler: Alles klar, ich verstehe und kann mir auch gut vorstellen, warum sie fragen. Ich habe damals ja glatt in zwei Sätzen gegen ihn gewonnen.

    Wie würde das Duell heute ausgehen?

    Schüttler: Tja, ich denke, dass ich Roger am Abend vor dem Match zum Essen einladen und ihn dann bei der Gelegenheit darum bitten würde, mir vier Spiele zu schenken (lacht).

    Glauben Sie, dass Federer nach seinem Wimbledon-Erfolg in diesem Jahr in seiner Karriere noch den 18. Grand-Slam-Titel folgen lässt?

    Schüttler: Man muss Roger immer alles zutrauen. Wie oft hieß es schon, er kann kein Major-Turnier mehr gewinnen - und dann hat er es doch getan. Wenn er fit und gesund bleibt, dann habe ich keinen Zweifel, dass er den 18. Titel auch noch holt.

    Wie beurteilen Sie die Favoriten-Frage bei den US Open?

    Schüttler: Ganz oben steht bei mir Federer, und zwar aus den genannten Gründen. Und dann gebe ich auch Novak Djokovic sehr gute Chancen, genau so wie Juan Martin del Potro.

    Herr Schüttler, ich bedanke mich für das Gespräch.

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