Der Gesamtführende Bradley Wiggins (Sky) zeigte viel Fairplay, als er in der Abfahrt vom letzten Berg des Tages auf seinen Rivalen Evans warten ließ, damit dieser trotz seines Defekts wieder Anschluss finden konnte.
Tour-Chef Christian Prudhomme bestätigte, was zunächst als Gerücht seine Runden im Zielort Foix gemacht hatte: Unbekannte hatten vor der Passage des Feldes Reißnägel im letzten Anstieg an der Mur de Péguère gestreut und sorgten damit für eine Vielzahl von Reifenschäden. "Das war eine dumme Aktion und sehr gefährlich", so Prudhomme.
Wie gefährlich, das bekam Astana-Profi Robert Kiserlovski zu spüren. Der Kroate, der im Kampf um das Bergtrikot gut im Rennen lag, stürzte kurz nach der Bergwertung, brach sich das Schlüsselbein und musste das Rennen aufgeben.
Evans erlitt auch anschließend in der Abfahrt, nachdem er Material von Teamkollegen angenommen hatte, noch zwei weitere Plattfüße. "Es war wohl irgendwas auf der Straße, aber wir wissen es nicht genau", erklärte Evans' Teamkollege George Hincapie bereits kurz nach seiner Ankunft im Ziel.
Rolland attackiert trotz Evans-Defekt
Gemeinsam mit den anderen BMC-Fahrern führte er den Titelverteidiger Evans rechtzeitig vor dem Tagesziel wieder nach vorne. "Wir haben alles gegeben", so Hincapie. Doch auch der volle Einsatz des gesamten Teams hätte wohl nicht geholfen, die Lücke von zwischenzeitlich zwei Minuten auf der Abfahrt von der Mur de Péguère wieder zu schließen. Denn erst als die große Gruppe um Wiggins auf den letzten zehn Kilometern fast stoppte, kam Evans wieder heran.
Zwischenzeitlich hatte ein Angriff des Franzosen Pierre Rolland (Europcar) dafür gesorgt, dass die Teams Liquigas und Lotto-Belisol das Tempo weiter hoch hielten, um den dritten beziehungsweise fünften Gesamtrang ihrer Kapitäne Jürgen Van den Broeck und Vincenzo Nibali abzusichern, obwohl Evans bereits abgehängt war. Als Rolland gestellt wurde, nahmen sie aber sofort das Tempo raus.
Tagessieger Sanchez (Rabobank) und die anderen zehn Ausreißer des Tages, die sich während einer sehr hektischen Anfangsphase erst nach mehr als 30 Kilometern vom Feld lösen konnten und zu denen auch der Mann im Grünen Trikot, Peter Sagan (Liquigas-Cannondale), gehörte, bekamen von der Defekt-Flut nichts mit.
Sanchez sorgt für Rabobank-Befreiung
Sie fuhren schnell einen Vorsprung von mehr als 15 Minuten heraus und konnten den Sieg an den zwei Bergen der 1. Kategorie daher unter sich ausfechten. "Wir haben am Berg versucht, Sagan abzuschütteln, weil er ein guter Sprinter ist", erklärte später Sandy Casar (FDJ-BigMat). Das aber gelang nicht. Gemeinsam mit Sanchez, Sagan und Casar erreichten auch der Spanier Gorka Izaguirre (Euskaltel) und Evans-Teamkollege Philippe Gilbert den Zielort Foix.

Zu Beginn der 13 Kilometer langen Schlussrunde im Norden der Stadt attackierte dann Sanchez. "Ich wusste, dass es schwer werden würde, Sagan im Sprint zu schlagen. Also musste ich ihn vorher attackieren", so der Spanier. Und der Angriff saß, wie auch Sagan zugeben musste: "Die Etappe war sehr schwer, und deshalb konnte niemand mehr folgen."
Sanchez überquerte die Ziellinie 47 Sekunden vor Sagan mit Blick gen Himmel, um im Moment seines Triumphs einmal mehr seines vor rund sieben Jahren verstorbenen Bruders Leon Sanchez zu gedenken.
Sagan zufrieden mit Rang zwei
Für den Spanier und seine Rabobank-Mannschaft sorgte der Sieg für große Befreiung, denn erstens hatte er sich am zweiten Tour-Tag einen Mittelhandbruch zugezogen, der ihn tagelang dazu zwang sehr vorsichtig am Ende des Feldes zu fahren, und zweitens ist seine niederländische Mannschaft die am stärksten dezimierte Truppe im Peloton. Nur vier Rabobank-Profis nahmen die 14. Etappe noch auf. "Es ist natürlich schwer, wenn man nur noch zu viert ist. Aber heute haben wir gut zusammengearbeitet." Neben Sanchez hatte auch Steven Kruijswijk den Sprung in die Ausreißergruppe des Tages geschafft.
Obwohl er die Etappe nicht gewann, war auch Sagan als Tageszweiter noch ein Sieger. Er sicherte sich im Verlauf der Etappe 37 Punkte für sein Grünes Trikot und ist in der Punktewertung nun kaum mehr einzuholen. "Ich bin froh, dass ich Zweiter geworden bin und Punkte geholt habe", sagte der Slowake deshalb.
VIDEO: Das Finale der 14. Etappe
TV-Tipp:
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