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    Das Sammer-Prinzip: 10 knallharte Thesen

    Im Trainingslager im Trentino erklärt der neue Sport-Vorstand des FC Bayern erstmals, wie er den Verein verändern möchte. Klartext pur.

    Die Sache ist größer als der Einzelne!

    Matthias Sammer: Der FC Bayern ist ein großer Klub, das kann man sehen und fühlen. Und es liegt an mir, mich zu integrieren, mich anzupassen. Dabei aber auch eigene Ideen umzusetzen. In diesem starken Fundament muss ich die zwei, drei Prozent suchen, auf die es ankommt, damit wir nicht immer nur Zweiter werden. Aber ich möchte auch noch einmal klarstellen: Ich gehe auf den Klub zu - und nicht umgekehrt.

    Zoff ist wie Zähneputzen!

    Sammer: Ich habe schon Dinge im Kopf, die ich verändern möchte. Doch jetzt ist es noch zu früh, um darüber zu reden. Fußball ist ein komplexes Spiel, dazu gehört die Arbeit auf und neben Feld. Von gut zu sehr gut ist es nicht weit, aber sehr detailliert, deshalb kommt es auf Kleinigkeiten an. Die Faktoren des Leistungssports müssen wieder in den Vordergrund gerückt werden.

    Reibung und Auseinandersetzungen sollten dabei Normalität sein und zum Alltag gehören. Wenn in der Familie in der Kindererziehung etwas nicht so läuft, dann wird es doch auch angesprochen. Und ich weiß nicht, warum das nicht auch beim FC Bayern so laufen sollte.

    Weniger Eitelkeit, mehr Erfolg!

    Sammer: Es ist eine Krankheit im deutschen Fußball, dass wir generell persönliche Eitelkeiten, persönliche Interessen, persönliche Wahrnehmung, die Marke mehr in den Mittelpunkt stellen als das eigentliche Ergebnis. Um das eigentliche Ergebnis zu erzielen, bedeutet auf dem Weg dahin häufig Unangenehmes, Streitpunkte, weniger Sympathien zwischendurch.

    Seit 2001 haben wir international keinen großen Titel mehr geholt. Mit der Erinnerung an die Tatsache, dass wir das mal geschafft haben, sollten wir uns fragen: Was haben die damals eigentlich gut gemacht? Natürlich sind die Generationen unterschiedlich, aber die Erfolgsformel ist gleich.

    Niemand sollte sich belabern lassen!

    Sammer: Wenn Sie eine Identität mit allen positiven und negativen Faktoren haben möchten, dann ist es nicht falsch, sich mit klugen Menschen zu unterhalten. Aber sich von ihnen manipulieren zu lassen, ist das der richtige Weg? Identität bedeutet, die eigene Qualität, authentisch erkennbar zu machen.

    Erfolg steht über allem!

    Sammer: Es war vollkommen klar, dass wir uns nach 2000 im deutschen Fußball verbessern mussten. Dass wir dabei den Fußball wieder in den Mittelpunkt gerückt haben, ist eine Selbstverständlichkeit. Aber dann haben wir über Rumpelfußball diskutiert und mit in den Hintern treten, in den Hals beißen und rumschreien gleichgesetzt und negativ aufgeladen. Ich weiß nicht, ob Franz Beckenbauer und Günter Netzer Rumpelfußballer waren. Was ich weiß ist, dass wir Reserven haben, was die Siegermentalität angeht.

    Der FC Bayern braucht Robben!

    Sammer: Ich habe mich mit ihm ausgetauscht und ihm signalisiert, dass der FC Bayern ihn stärker schützen wird. In so einer Situation in München, als ihn die eigenen Fans ausgepfiffen haben, darf ein Spieler des Vereins nicht so alleine gelassen werden. Er hat mir gesagt, dass er da mehr Unterstützung erwartet hat.

    Und ich habe ihm auch gesagt, dass ich viel von ihm erwarte in dieser Saison. Wir brauchen Individualisten wie ihn und auch Franck Ribéry, nur müssen die auch begreifen, dass sie nichts ohne die Mannschaft sind.

    Wir brauchen eine Leitlinie!

    Sammer: Man spricht ja immer von einem Vereinsweg, den man gehen möchte. Die Trainer im Jugendbereich brauchen ihre Freiräume, aber sie können nicht machen, was sie wollen. Spielen wir einheitliche Systeme? Welche Dinge wollen wir vorgeben? Darüber müssen wir uns verständigen. Wir müssen Verantwortlichkeiten schaffen, Köpfe schaffen, Koordinatoren. Das ist kein Hexenwerk. Da geht es um ganz simple Angelegenheiten wie: Machen wir einen Ausdauertests? Das Ganze ist ein Prozess, der überprüft und gelebt werden muss.

    Wir brauchen nirgendwo hinzuschauen!

    Sammer: Es hat nichts mit dem Zweikampf mit Borussia Dortmund zu tun. Ich war immer ein Verfechter der Ansicht, dass die eigene Stärke in der eigenen Denkweise liegt. 1993/04 hieß es mal beim BVB: Die Platzierung ist nicht so wichtig, Hauptsache, wir schlagen Schalke zwei Mal. Ein Klub wie Bayern München muss natürlich die Augen offenhalten nach Bereichen, wo man sich weiterentwickeln kann, aber grundsätzlich müssen wir das, was wir haben, optimal nutzen.

    Mia san Mia ist Schein!

    Sammer: Der Slogan steht auf dem Trikot, aber es ist nur äußeres Zeichen. Die wahre Qualität kommt von innen. Ich finde "Mia san mia" prima! Aber ich weiß auch, dass prima nicht reicht.

    Wir sind nicht im Kindergarten!

    Sammer: Wir sind ein Klub. Der Trainer ist die wichtigste Person im Umgang mit der Mannschaft. Ich werde ihn immer unterstützen. Natürlich habe ich die ersten Gespräche mit Uli Hoeneß geführt, aber es war eine Grundvoraussetzung für mich, dass auch Karl-Heinz Rummenigge dahinter steht. Bislang ist die Kommunikation super. Ich weiß, die Prüfungen kommen noch. Wir haben viele Alphamännchen, doch als Bayern München haben wir die Verpflichtung damit umzugehen.

    Video - Sammer spricht Klartext

    TV-Tipp:

    Die Bundesliga im Fernen Osten: Der FC Bayern München im Testspiel gegen den VfL Wolfsburg. Am 26. Juli um 14 Uhr aus dem Tianhe Stadium im chinesischen Guangzhou. LIVE auf Eurosport 2 und im Eurosport Player.

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