Wie schätzen Sie den sechsten Sieg Ihrer Bayern ein?
Matthias Sammer: "Ergebnistechnisch haben wir drei Punkte geholt bei einem wieder aufstrebenden Klub. Werder hat eine richtig gute Mannschaft, der man ein bisschen Zeit geben muss. Daher schätzen wir den Sieg schon hoch ein. Aber die Leistung ist wieder etwas anderes..."
Was gab es denn zu kritisieren?
Sammer: "Ich glaube, dass wir recht lätschern heute waren. Wenn man über Wachheit spricht, ist es ja ein Unterschied, ob man grundsätzlich tief schläft oder ein bisschen schläft - wach waren wir, aber so richtig hellwach und so richtig gallig waren wir nicht."
Woran lag das?
Sammer: "Es ist nicht meine Aufgabe, so darüber nachzudenken, wo gewisse Ursachen liegen könnten. Auf jeden Fall hat der Trainer sehr gut darauf reagiert und hat mit den Einwechslungen ein sehr wichtiges Zeichen gesetzt. Woran es vorher lag, danach müssen wir noch suchen."
Kann es mit der häufigen Anzahl der Spiele zu tun haben?
Sammer: "Nein. Ich denke, wenn es menschelt und dann mal so ein Tag eintritt, an dem es nicht läuft, dann akzeptiert man das auch. Aber wenn es mit etwas anderem zu tun hat, dann müssen wir dazwischen funken. Wir müssen auch nicht mehr reden und warnen, das hat damit nichts zu tun. Über den Schritt sind wir hinweg, weil es auch nicht mehr glaubwürdig ist. Dafür hatten wir einen zu guten Start. Wir müssen jetzt nur aufpassen, dass wir nicht irgendwann alle mit hängenden Schultern laufen, weil so viele darauf geklopft haben."
Philipp Lahm sagte, an so einem Tag müsse man auch mal mit einem 0:0 zufrieden sein.
Sammer: "Das ist richtig, da bin ich bei ihm. Aber auch wenn wir 0:0 spielen, müssen wir das Heft in der Hand haben. Und deshalb muss man das Ergebnis und die Leistung trennen. Das Ergebnis hätte auch 0:0 sein können, und dann wäre die Kritik über die Leistung die gleiche."
Muss man Arnautovic sogar dankbar sein, dass er mit seinem Foul an Ribéry etwas Adrenalin reingebracht hat?
Sammer: "Also wenn wir das bräuchten, wäre alles noch viel schlimmer."
Was waren denn für Sie die positiven Aspekte?
Sammer: "Positiv war das Ergebnis und die Art, wie die Tore erzielt wurden. Das war wunderbar."
Was bedeutet Ihnen dieser herausragende Saisonstart?
Sammer: "Gar nichts. Du kannst heute mal versuchen, in München auf irgendeinen Balkon zu rennen, da wird dir keiner etwas überreichen. Das ist ganz einfach und daher muss das Ergebnis und die tägliche Leistung klar trennen. Die Profis bei Bayern München haben immer wieder Zwischenphasen, da kann man sich erholen und entspannen mit der Familie, aber wenn Training ist, dann muss die Laterne an sein und zwar richtig. Und heute hat sie nur leicht geglimmt."
Heißt das, Sie sehen auch das nächste Champions-League-Spiel mit Sorge?
Sammer: "Nein, wir müssen jetzt einfach suchen. Es gibt vielleicht menschliche Ursachen, wenn es andere sind, müssen wir sie so schnell wie möglich finden. Wenn es Dinge gibt, die uns von vornherein etwas leichtsinnig machen, dann ist das ein Problem. Wir werden das besprechen."
Sie kennen solche Spiele doch noch aus der eigenen Karriere, bei denen man einfach nicht weiß, warum es nicht gelaufen ist...
Sammer: "Ich habe mittlerweile ein Alter erreicht, wo ich mich an keine Niederlagen und schlechte Spiele erinnern kann... Nein, im Ernst, es ist alles menschlich. Ich habe früher auch manches Mal nicht verstanden, warum Ottmar Hitzfeld in einer guten Phase plötzlich dazwischen gefegt hat. Aber es ist so: Wenn man das Gefühl hat, es geht nach unten, muss man eingreifen. Wenn man erst anfängt, zu reagieren, wenn man ganz unten ist, ist es zu spät. Ich sage immer: Wehret den Anfängen. Jetzt ist vielleicht so ein Anfang.
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