Normalerweise reagiert man an der Isar hoch allergisch, wenn die Vormachtstellung des FC Bayern frech in Frage gestellt wird. In der Regel folgt das Echo auf den Fuß.
"Mia san mia" und dann kommt ihr.
Insofern hat es schon etwas Historisches, wenn Karl-Heinz Rummenigge das sportliche Machtgefüge im deutschen Fußball selbst in Frage stellt. Nach der 2:5-Pokal-Klatsche gegen Dortmund sprach der 56-Jährige bei seiner Bankett-Rede in Berlin Tacheles.
Sein "alter Trainervater Dettmar Cramer" habe ihn damals schon immer zu Ehrlichkeit in schweren Momenten ermutigt, verriet Rummenigge den geladenen Gästen in Berlin. Diesem Rat wolle er an diesem bitteren Abend folgen. "Wenn man 5:2 verliert", so Rummenigge, "dann ist das kein Zufall, dann ist das auch kein Pech - sondern dann ist das eine Blamage."
Im Raum gab es umgehend Applaus.

Jedes der fünf Tore, erklärte der Bayern-Boss offen, sei wie eine "Watschn", eine Ohrfeige, gewesen. Dortmund hätte den Sieg verdient gehabt. Und dann ließ Rummenigge die Bombe platzen: "Wir haben national eine Mannschaft, die über uns steht und besser ist. Sie sind nicht durch Zufall Deutscher Meister und Double-Sieger geworden. Das muss man respektieren, akzeptieren und in nächster Zeit versuchen, es wieder zu korrigieren."
Logisch, die Feststellung betrifft den status quo, das Feld wird der FC Bayern mit seiner Klasse per se wohl niemals räumen wollen - oder müssen. Denn es gibt nicht Wenige, die davon überzeugt sind, dass das alte Machtgefüge wieder hergestellt wird, sobald der BVB ernsthaft nach neuen Maßstäben bewerten wird und sich vor allem auch in der Champions League beweisen muss.
Dennoch, Rummenigges Aussage sind drei Dinge auf einmal: ein großartiger Ausdruck von Fairness und Respekt, ein historisches Novum seit die Bayern in der Bundesliga den Ton angeben und selbstverständlich ein spannendes Versprechen, dass die Bayern den Zweikampf annehmen werden.

