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    Das Rennen der geplatzten Träume

    Die Deutschen bangten, die Briten hofften und die Schweizer kämpften - vergeblich. Das Edelmetall holten sich vor der ehrfurchtgebietenden Kulisse des Buckingham Palastes andere Nationen. Dabei waren die Rahmenbedingungen perfekt für die erste Mega-Entscheidung dieser Sommerspiele.

    52, 57 oder auch 9, und dann wieder 15 - unermüdlich gab der Streckensprecher die Sekunden-Abstände zwischen Ausreißern, Verfolgern und Hauptfeld durch.

    Es war die Zeit, da das Rennen in der Schlussphase war und die Hoffnung noch lebte. Die der Gastgeber auf einen olympischen Heimsieg ihrer "Tour-Minatoren" Bradley Wiggins und Mark Cavendish. Die der Schweizer auf ihren Supermann Fabian Cancellara. Die der Deutschen auf einen Coup von Andre Greipel. Um 15:28 Uhr Greenwich Mean Time war klar: Die Party feiern andere.

    "Keine Stelle zum Pinkeln"

    Trotz der verpassten Medaille ließ sich Greipel die Laune nicht verderben. "Es war das Wahnsinnigste, was ich je in meinem Leben erlebt habe", so der Rostocker ob der grandiosen Stimmung am Kurs.

    Es habe aufgrund der Zuschauermassen nicht einmal eine "Stelle zum Pinkeln" gegeben, scherzte der 30-Jährige.

    Rund eine Million Fans hatten nach Angaben der Veranstalter an der Strecke gestanden, bei Sonnenschein und bestem Sommerwetter. Darunter auch zahlreiche deutsche Anhänger.

    Begeisterung in Chelsea

    "Ich bin in Chelsea an der Fulham Road gewesen, war schon eineinhalb Stunden vor den Fahrern an Ort und Stelle. Eine unglaublich tolle Stimmung unter den Zuschauern. Fantastisch", berichtete Michaela aus Hamburg. Die 38 Jahre alte Olympia-Touristin verfolgt in London die olympischen Radrennen - dass es vorerst nichts wurde mit einer deutschen Medaille, spielt für sie keine Rolle.

    Den meisten Fans ging es da mit ihren Lieblingen nicht anders, ob sie nun aus Großbritannien, der Schweiz oder Deutschland kamen. Man fiebert gemeinsam, man gewinnt und verliert gemeinsam. Das Rennen war ohnehin viel zu gut, um enttäuscht zu sein.

    Kratzer am Lack des Siegers

    Allerdings, der Sieger darf nicht damit rechnen, dass ihm alle den goldenen Triumph gönnen. Dazu ist die Vergangenheit des Alexandre Winokurow einfach zu zweifelhaft. Der 38-jährige Routinier hat unter anderem eine zweijährige Dopingstrafe abgesessen. "Das Kapitel liegt hinter mir. Es ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, nach Doping zu fragen", wischte der frischgebackene Champion das Thema vom Tisch.

    Am Ende hatte der Kasache seinem Mitausreißer Rigoberto Uran aus Kolumbien auf der "Mall" den Schneid abgekauft. "Das war ein unglaubliches Rennen. Ich bin völlig fertig. Ich bin der Gruppe gefolgt und habe attackiert”, konnte Winokurow seinen Triumph kaum fassen.

    Hoffen, bangen und kämpfen

    Für Briten, Deutsche und Schweizer geht derweil das Hoffen weiter. Am Mittwoch geht es im Kampf gegen die Uhr um Gold. Ob Cancellara und Deutschlands Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin fit sein werden? Ob die britischen Stars dem Druck standhalten? Sie werden hoffen, bangen und kämpfen müssen.

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