Sie ist die Rakete im Pool - und wenn "Missy the missile" zündet, hat die Konkurrenz oftmals nur das Nachsehen. Andere Teenager in Missy Franklins Alter träumen von Justin Bieber, die 17-Jährige indes hat ihre Fantasie Wirklichkeit werden lassen. "Mein größter Traum war es immer, so viele Strecken wie möglich bei den Sommerspielen zu schwimmen. Und dass ich dies bereits in meinem Alter geschafft habe, ist so aufregend", betont Franklin.
In London wird die Elftklässlerin von der Regis Jesuit Highschool in Aurora/Colorado als erste Amerikanerin über sieben Strecken starten. Franklin schwimmt jeweils die 100 und 200 Meter Freistil und Rücken sowie alle drei Staffeln. Was sich nach Stress anhört, ist für sie längst Routine. Im Januar legte Franklin beim Grand Prix in Austin/Texas ein Triple innerhalb von 32 Minuten hin - und gewann alle drei Rennen. Diese mentale Stärke, betont Trainer Todd Schmitz, werde ihr in London zu Gute kommen.
Zwei Rennen in 17 Minuten
Am 30. Juli beispielsweise sind zwischen dem 200 Meter Freistil-Halbfinale und dem Endlauf über die 100 Meter Rücken nur 17 Minuten Zeit. Bei den Olympia-Ausscheidungen vor zwei Wochen in Omaha haben Franklin und Schmitz bereits erfolgreich dafür geprobt - 20 Minuten lagen hier zwischen beiden Rennen. Raus aus dem Pool, rein ins Ausschwimmbecken, 800 Meter zurücklegen und wieder rauf auf den Startblock. Dass Franklin anschließend über die 100 Meter Rücken neuen US-Rekord schwamm, zeigt, wie außergewöhnlich die gebürtige Kalifornierin ist.
Vier Jahre zuvor hatte sie noch als 13-Jährige bei den US-Trials an gleicher Stelle im Warteraum gesessen und die namhaften Kontrahentinnen wie Natalie Coughlin oder Dara Torres neben sich bewundert. Jetzt gilt Franklin als Amerikas Goldfisch. Bereits im vergangenen Sommer war sie weitaus mehr als nur ein hoffnungsvoller High School-Tennie. Die US-Medien sprachen von Franklin als "The next big Thing in Swimming" - und zwar noch vor der Weltmeisterschaft in Shanghai, bei der sie fünf Medaillen gewann, davon drei Goldene.
"Spielstunde" nach den Siegen
Trotz dieser Erfolge ist die Weltschwimmerin 2011 bodenständig und sympathisch geblieben. Ihren Eltern Dick und D.A. ist das wichtiger als jede Goldmedaille. Beide kommen aus Kanada und die Mutter hatte einst gar versucht, ihrer talentierten Tochter einzureden, für den nördlichen Nachbarn zu starten - schließlich sei es dort leichter, ins Nationalteam zu kommen. Missy lehnte jedoch ab. Neben ihrem Ehrgeiz und Trainingsfleiß verfügt sie mit 1,87 Meter Körper- sowie Schuhgröße 45 über ideale Maße fürs Schwimmen. "Gott hat mich mit einem exzellenten Schwimm-Körper gesegnet."
Im Pool wirkt Franklin abgeklärt, unerschrocken, souverän. Erst, wenn sie aus dem Becken steigt, vor Freude quiekt, die Hände vor dem Gesicht zusammenschlägt und beinahe jeden um sich herum umarmt, wird deutlich, dass Franklin trotz ihrer Medaillen und Meriten immer noch ein Teenager ist. Das Schönste an den Wettkämpfen sind für sie nicht die Siege, sondern das Wiedersehen mit all ihren Freunden - "Spielstunde" nennt es ihre Mutter.
"Im Hinterkopf habe ich immer, dass es Spaß machen sollte", sagt Franklin. "Unter diesem Aspekt geht das Nervenflattern zurück und du realisierst, dass die Welt nicht untergeht, wenn du ein Rennen nicht gewinnst." Franklin ist über beide Rückenstrecken die Weltjahres-Schnellste, Druck verspürt sie in London dennoch keinen. Den, so betont sie, habe es in Omaha gegeben, als es galt, sich für die Sommerspiele zu qualifizieren. "Das habe ich geschafft und jetzt will ich einfach Spaß haben."
TV-Tipp:
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