Einen Tag, nachdem die Meldung durch die Medien ging, sprach Puyol auf einer Pressekonferenz über die Aussichten, vielleicht doch noch die EM zu spielen. "Offen gestanden, es ist im Moment sehr kompliziert. Ich muss jetzt einfach mal abwarten, wie die Knie-Operation verläuft. Aber ich denke, es ist unmöglich - zumal es ja Spieler gibt, die in besserer Verfassung sind als ich." Der Eingriff soll am kommenden Samstag stattfinden.
Damit dürften wohl auch die letzten, leisen Hoffnungen vom Tisch sein, dass der Lockenkopf möglicherweise doch noch auf den EM-Zug springt. "Das Fehlen von Carles Puyol ist für Spanien bitter, denn es gibt keinen echten Ersatz für ihn", unterstreicht der spanische
Trainer del Bosque geht sogar noch einen Schritt weiter. "Puyi ist ein Titan und Spanien verliert nun einen Teil seiner Seele", betonte der 61-Jährige gegenüber der Sportzeitung "AS". Eine Einschätzung, die auf breite Zustimmung trifft. Denn trotz seiner eher geringen Körpergröße für einen Abwehrspieler, Puyol misst 1,78 Meter, gilt der Katalane als einer der besten Verteidiger der Welt.
Seine Zukunft im Nationaldress ließ er offen. "Ich weiß noch nicht, ob diese EM meine letzte gewesen wäre. Ich habe aber definitiv Lust, mein 100. Länderspiel zu machen", so der 99-fache Nationalspieler. Im Fokus stehe aber nun, "zu 100 Prozent wieder" fit zu werden.
Mit seiner Verletzung geht Puyol relativ gelassen um. "Es gibt keinen richtigen Moment für Verletzungen. Von daher musst du das akzeptieren und versuchen, aus den Dingen zu lernen." Er wolle aber unbedingt noch ein paar Jahre spielen. "Ich habe das Gefühl, dass noch ein paar Spielzeiten drin sind."
Der Kapitän des FC Barcelona war einer der Garanten der spanischen Triumphe 2008 bei der Europa- und 2010 bei der Weltmeisterschaft. Die "Selección" blieb bei beiden Turnieren in der K.o.-Phase ohne Gegentor - und das ist eng mit der Person Carles Puyol verbunden.
Mitunter schlägt der inzwischen 34-Jährige aber auch in der Offensive zu - so wie im WM-Halbfinale vor zwei Jahren gegen Deutschland, als er das entscheidende 1:0 markierte.
Es verwundert daher kaum, wenn del Bosque die Knieverletzung des Abwehrchefs als "eine der schlimmsten Nachrichten" bezeichnet, die man vor der EM hätte bekommen können. "Er ist einer unserer Kapitäne, einer unserer Leader." Allerdings seien "Verletzungen Teil des Fußballs" und so beginnt nun die Suche nach der Ideal-Elf ohne Puyol.
Im Prinzip, so
Del Bosque wollte sich öffentlich nicht auf eine neue Abwehrformation festlegen. "Javi Martínez ist nicht die einzige Lösung, wie wir Puyol ersetzen könnten. Wir haben auch andere Alternativen, und zwar sehr gute. Unser Vorteil liegt darin, dass wir aus einer großen Zahl guter Möglichkeiten wählen können." Es klingt fast ein wenig trotzig. Denn auch del Bosque ist klar: Der "Fußball-Arbeiter" Carles Puyol ist und war ein immenser Faktor in dieser spanischen Mannschaft der Künstler.

