Von Michael Wollny
(Twitter: @Michael_Wollny)
Die Kritik von Mehmet Scholl an DFB-Stürmer Mario Gomez polarisiert. Die einen stimmen dem TV-Experten zu, die anderen finden die Kritik überzogen.
Da Gomez beim Großteil der deutschen Fans ohnehin einen schweren Stand hat, sprangen viele dankbar auf den Zug auf.
Doch zwischen all dem Gomez-Bashing verlor man dabei das eigentlich offensichtlichste Manko des deutschen Spiels aus den Augen: die eklatante Ideenlosigkeit des Mittelfelds. Vor dem Spiel gegen Portugal blickte man noch nervös auf die Defensive. Nach dem Spiel hat sich dieser Fokus nach vorne verschoben.
Erschreckend harmlos
Das deutsche Mittelfeld hat ein kreatives Potenzial, das in Europa seinesgleichen sucht - vorausgesetzt, die Spieler finden es endlich wieder. Speziell die linke Seite blieb gegen Portugal erschreckend harmlos. Philipp Lahm und Lukas Podolski fanden kaum eine gemeinsame Bindung.
Der Kapitän rückte zu selten auf und der Ex-Kölner reagierte zu langsam, wenn Lahm ihn dann doch mal hinterlief. Zudem ging Podolski nahezu jedem 1-gegen-1-Duell aus dem Weg. Mesut Özil blieb seine Klasse ebenso schuldig wie Thomas Müller, der weiterhin viel Aufwand betreibt, dafür aber mit wenig Zählbarem belohnt wird.
Bastian Schweinsteiger schloss defensiv zwar Lücken, entscheidende Impulse gingen aber auch von ihm nicht aus. Allein Sami Khedira kam der zwingend nötigen EM-Form nahe und wirkte in einer trägen Formation als belebendes Element.
Das Gute: es kann nur besser werden. Schließlich ist die Qualität im deutschen Mittelfeld unbestritten. Sie muss eben nur endlich abgerufen werden. Denn eines ist klar, die spielstarke Niederlande nimmt das Duell am Mittwochabend als Endspiel an, entsprechend offensiv und angriffslustig ist "Oranje" zu erwarten (ab 20:30 Uhr im Liveticker bei eurosport.yahoo.de).
Hat Löw noch ein Ass im Ärmel?
Deutschland muss hoch verteidigen und durch geschicktes Anlaufen die gegnerischen Passwege schon im Aufbauspiel abtrennen. Wenn man Hollands brandgefährliches Mittelfeld um Wesley Sneijder, Ibrahim Affelay und Arjen Robben mit diesem Zonen-Pressing zu Ballverlusten zwingen kann, eröffnen sich aussichtsreiche Chancen für Gegenstöße.
Dass die DFB-Elf dies kann, hat sie schon bei der WM 2010 eindrucksvoll bewiesen. Aktuell hakt es allerdings, wenn man selbst das Spiel machen soll. Dafür muss speziell das Flügelspiel effektiver werden. Gerade auf der zuletzt enttäuschenden linken Seite würde sich der Leverkusener André Schürrle als variablere Alternative zu Podolski anbieten.
"Auch ich bin immer mal für Überraschungen gut", hat Joachim Löw gerade erst erklärt. Ob der Bundestrainer deshalb Marco Reus für die rechte Außenbahn aus dem Hut zaubert, darf angesichts der mangelnden Erfahrung des Gladbachers bezweifelt werden. Stattdessen zeichnet sich ab, dass der spielstärkere Miroslav Klose wieder für Gomez ins Angriffszentrum rückt.
Was auch immer sich Löw für den Kracher gegen die Niederlande im Offensivspiel einfallen lässt, es muss besser klappen als gegen Portugal.
VIDEO: "Casillas ist besser als Neuer!"
TV-Tipp:
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