Es sind immer die gleichen Situation. Ein schneller Angriff über den linken Flügel, Lukas Podolski bekommt den Ball, wird vom Rechtsverteidiger gestellt - und dreht ab.
Podolski gelingt in der Nationalmannschaft nur selten die Ausnahme von dieser Regel. Bei ihm gibt's nur Alles oder Nichts, nur Licht oder Schatten. Bei dieser EM befindet sich dieses Verhältnis im Ungleichgewicht: viel Nichts im Schatten.
Der zukünftige Flügelmann der "Gunners" ist leicht zu neutralisieren. Aussichtsreich wird es nur, wenn Podolski freie Bahn hat. Doch die gegnerischen Abwehrspieler sind klug genug, solche Situationen zu vermeiden. Podolski kann die daraus entstehenden 1-gegen-1-Situationen selten auflösen, spielt stattdessen den Rückpass.
Neue Taktik, alter Podolski
In der früheren taktischen Ausrichtung der DFB-Elf, bei der aus einer tieferen Staffelung der Ball erobert und dann überfallartig gekontert wurde, hatte Podolski noch mehr Raum vor sich. Doch jetzt soll die deutsche Mannschaft das Spiel aktiver gestalten.
Löw lässt den Gegner höher anlaufen und im Raum pressen, vor allem auch in den entscheidenden Sekunden nach eigenem Ballverlust. Wird hierbei der Ball rückerobert, bieten sich eben jene 1-gegen-1-Situationen in direkter Strafraumnähe - und daraus hervorragende Torchancen. Geht man diesen Duellen aus dem Weg, kann sich der Gegner wieder neu ordnen und der Vorteil ist dahin.
Genau dies lähmt aktuell die linke Angriffsseite im deutschen Spiel. Der Bundestrainer ist bekannt für eine Nibelungentreue zu Lukas Podolski, obgleich er bereits in der Vergangenheit bedrohlich den Zeigefinder gehoben hatte.
"Natürlich stört mich teilweise auch die fehlende Konstanz bei ihm, dass er manchmal nicht die große Leistung bringt", lautete Löws Kritik im September des vergangenen Jahres. "Es ist klar, dass er schwer zu verteidigen ist, wenn er auf höchstem Niveau spielt. Ich will von ihm nun aber natürlich auch noch den nächsten Schritt sehen."
Schürrle lauert auf die Chance
Podolski ist aktuell nicht schwer zu verteidigen, da er fernab seines höchsten Niveaus spielt. Den nächsten Schritt hat er zwar gemacht, zunächst allerdings in die falsche Richtung - kaum ein Abschluss, kaum eine Flanke. Als Alternative bietet sich Löw nun André Schürrle an. Der Leverkusener verfügt über ein beachtliches Repertoire an Schlüsselqualitäten für die Außenbahn.
Schürrle ist schnell, passsicher, stark in den direkten Duellen, hat das Näschen für die entscheidende Situation im Sechzehner und verfügt darüber hinaus auch über einen fantastischen Schuss aus der zweiten Reihe.
Marco Reus wäre zwar ebenfalls ein Kandidat. Allerdings dürfte er wohl als idealer Backup für die rechte Seite aufgespart werden, wo Thomas Müller durch sein unermüdliches Laufspiel zwar Gegner bindet und Räume öffnet, dennoch aber von seiner offensiven Klasse weiterhin eine ganzes Stück weit entfernt ist.
Im Zentrum scheint sich Bastian Schweinsteiger nach seinem überzeugenden Auftritt gegen die Niederlande gefangen zu haben, auch Mesut Özil macht Fortschritte. Doch auf links besteht zwingender Handlunsgbedarf.
Eigentlich schon am Sonntag gegen Dänemark.
EURO Show: Niederlande in der Klemme
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