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    Pevenage: "Telekom jahrelang sauber"

    Nach den Doping-Enthüllungen um Lance Armstrong schildert nun Jan Ullrichs Mentor Rudy Pevenage seine Sicht auf die Jahre des Dauer-Duells seines Schützlings mit dem Texaner. Sie seinen "naiv" gewesen und von "Armstrong getäuscht" geworden, erklärt er im ausführlichen Interview mit der französischen Sportzeitung "L'Equipe". "Sie haben alle getäuscht, ohne jemals zu bezahlen", so der Belgier.

    Das Dopingsystem beim großen Konkurrenten US Postal sei eine "infernalische Maschine" gewesen, so Pevenage - und deshalb habe man nachziehen müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

    "Hatten wir denn eine Wahl?", fragt der einstige Top-Profi und behauptet, von den Methoden Armstrongs und dessen Teamchef Johan Bruyneel dazu gezwungen worden zu sein, ein eigenes Dopingprogramm wieder aufzunehmen.

    'Jahrelang sauber unterwegs'

    "Nach der Festina-Affäre 1998 haben wir bei Telekom alles gestoppt. Kein einziges Mittel mehr, keine verbotene Vorbereitung! Das war eine Vorgabe des Sponsors, der außerdem noch unangekündigte Kontrollen an allen Ecken der Welt bezahlte, um uns zu folgen. Alles wurde unter Führung der deutschen Antidoping-Agentur durchgeführt - wir konnten überhaupt nichts machen. So ging es bis 2001 und wir dachten, unsere Konkurrenten würden es genauso machen - niemand wollte mehr einen Skandal wie Festina. Aber Armstrong und US Postal haben uns dann zweifeln lassen", schildert er die Situation aus seiner Sicht.

    Die Leistungen des Rivalen waren ihnen zu suspekt. "Wir haben schon gesehen, dass es da nicht mit rechten Dingen zuging und Armstrong übermenschlich geworden war", erklärt Pevenage. "Ich erinnere mich an die Tour 2001, Jan war wirklich in sehr guter Form, vielleicht so gut wie nie - und dabei sauber. Aber es war nichts auszurichten, Armstrong spielte mit ihm, es war abstoßend", blickt er auf die 88. Frankreich-Rundfahrt zurück, die Armstrong 6:44 Minuten vor Ullrich beendete.

    Also habe man versucht, "das Rezept" zu finden, das Armstrong so überlegen machte. "Warum sind wohl alle seine Rivalen aus dieser Zeit, ob Botero, Beloki, Sevilla, Ullrich, Basso, Hamilton, Winokurow später gefallen? Sie haben einfach nur versucht, es so wie er zu machen, aber sie hatten nicht die selben Mittel und sie waren vor allem nicht so protegiert wie er", nimmt er den Vorwurf auf, dass Armstrong von hohen Stellen unterstützt worden sei.

    Als "Teufel" dargestellt

    Aus Sicht des früheren Tour-Etappensiegers und Trägers des Gelben Trikots könne man heute sagen, dass alle diese Fahrer "Opfer von Lance Armstrong und Johan Bruyneel" geworden seien, diese haben sie dazu "getrieben", die Grenzen zu überschreiten.

    Seinem belgischen Landsmann gegenüber hegt Pevenage noch immer großen Groll. Er selbst sei im Zuge der Puerto-Affaire und des Ausschlusses von Ullrich vor der Tour 2006 als "der Teufel" dargestellt worden, als ob er "der einzige im Radsport gewesen sei, der diese Praktiken benutzt habe".

    Dabei habe er "Jan nur geraten, die Tour gut vorzubereiten. Er war ernsthaft und wollte keinerlei extreme Dinge. Wir haben versucht, uns in dem Bereich zu bewegen, in dem die Gesundheit des Fahrers geschützt war - auch wenn wir das Reglement verletzt haben", bekennt er.

    Doch es sei letztlich de facto so gewesen, dass alle Top-Fahrer "am selben Punkt" waren - "außer Armstrong und Bruyneel, die mehrere Längen Vorsprung hatten", benennt der Gewinner des Grünen Trikots 1980 die Kräfteverhältnisse aus seiner Sicht.

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