In Los Angeles 1984 hatte Johnson noch fast unbeachtet Bronze über die 100 Meter gewonnen, in 10,22 Sekunden lag er dabei eine halbe Ewigkeit hinter Seriensieger Carl Lewis (USA).
Doch drei Jahre später entriss der inzwischen mit eindrucksvollen Muskelbergen bepackte Johnson bei der WM in Rom dem großen Favoriten Gold und stellte in 9,83 Sekunden einen neuen Weltrekord auf. Gebannt blickte die Sportwelt auf die Revanche am 4. September in Seoul.
Dort aber gab es nicht das erwartete Duell, sondern eine Demonstration des Kraftpakets. Nach durchwachsener Saison verbesserte er in 9,79 Sekunden den Weltrekord erneut, Lewis war trotz persönlicher Bestzeit von 9,92 klar geschlagen. Das Bild des in die Höhe gereckten Zeigefingers ging um die Welt.
Drei Tage später aber brach diese Welt für Johnson zusammen: Der positive Test auf das Anabolikum Stanozolol wurde bekannt, der Triumphator wurde zum Paria, der Korea in Schimpf und Schande verließ. Die Überführung des Siegers im wohl wichtigsten Wettbewerb der Spiele riss den Sport aus der mit viel Einsatz gepflegten Illusion, dass Doping nur ein Randproblem sei.
Das 100m-Finale der Siele wurde später als "schmutzigstes Rennen aller Zeiten" bezeichnet, eine Vielzahl der Starter dort wurde mit verbotenen Mitteln in Verbindung gebracht - auch Carl Lewis. Wie die Festina-Affäre im Radsport zehn Jahre später öffnete der Fall Johnson den Fans die Augen über die dunkle Kehrseite des Spitzensports.

