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    Olympia 2020: Wer taugt zum Ausrichter?

    Der Fünfkampf um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2020 geht in die Endrunde. Die IOC-Exekutive entscheidet am Mittwoch in Quebec, welche der Bewerber - Tokio, Madrid, Istanbul, Doha und Baku - offiziell zu Kandidatenstädten für die Austragung des Spektakels erklärt werden.

    Der moderne Fünfkampf um Olympia 2020 wird für das IOC zum Vabanquespiel. Die Bewerber Tokio, Istanbul, Madrid, Doha und Baku haben alle gravierende Mängel – so bleibt der Ringe-Regierung nur Risiko-Management.

    Daher wird die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees die Kandidatenliste wohl reduzieren. Tokio, Istanbul und Madrid gelten als gesetzt, Doha und Baku als Wackelkandidaten.

    Alle Kandidaten mit Risko

    "Alle haben gewisse Schwachstellen. Es ist keine Frage der Zahl, es ist eine Frage, wo haben wir das geringste Risiko", sagte IOC-Spitzenfunktionär Denis Oswald. Der deutsche Ober-Olympier Thomas Bach sprach vor dem Hintergrund der globalen Finanzkrise und politischen Unsicherheit sogar von der schwierigsten Entscheidung, die das IOC in einer Vorauswahl je hatte.

    Die detaillierten Berichte der IOC-Prüfer über die technischen Voraussetzungen weisen allen Möchtegern-Gastgebern unübersehbare Handicaps aus. Tokio, bereits 1964 Ausrichter der Spiele und Favorit bei englischen Buchmachern, drohte nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami im Vorjahr eine atomare Katastrophe. Auch die geopolitischen Gründe sind ungünstig – die Winterspiele 2018 finden schon in Asien statt: im südkoreanischen Pyeongchang.

    Spanien wird derzeit von einer heftigen Rezession gebeutelt. Madrid könnte bei seiner dritten Bewerbung in Serie das gleiche Schicksal erleiden wie Rom, das nach einem Regierungswechsel am 14. Februar aus finanziellen Gründen seine Bewerbung zurückgezogen hatte.

    Istanbul legt sich nicht fest

    Istanbul leidet bei seinem fünften Anlauf vor allem unter der eigenen Unentschlossenheit. Die Türken wollen 2020 auch die Fußball-EM veranstalten. Wegen dieses Interessenkonfliktes fingen sie sich bereits eine öffentliche Rüge von IOC-Präsident Jacques Rogge ein. Der Belgier hat die Metropole am Bosporus aufgefordert, sich auf eine der beiden Kandidaturen festzulegen.

    Die Vergabe des olympischen Sommerspektakels in acht Jahren findet am 7. September 2013 statt und damit vor der Entscheidung über den Ausrichter der EURO 2020. "Wenn Istanbul gewählt wird, würden wir sie respektvoll bitten, auf die EM zu verzichten", hatte Rogge erklärt. Olympia in der historischen Stadt zwischen Orient und Okzident würde bestens in die IOC-Strategie der neuen Märkte passen.

    Angst vor Korruptionsvorwürfen

    Auch Doha kann mit unerschlossenen Märkten, dem Exotikfaktor, Krisensicherheit und gewaltiger Finanzkraft argumentieren - genau das scheint aber das Problem der Katarer zu sein, die die olympische Bewegung seit weit mehr als einem Jahrzehnt mit Millionensubventionen großzügig unterstützen. Das IOC will sich nicht dem Vorwurf aussetzen, sein milliardenschweres Premium-Produkt sei käuflich. Der Fußball-Weltverband (FIFA) sieht sich seit der Vergabe der WM 2022 an Katar mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert.

    Vor vier Jahren war Doha für die olympische Endausscheidung nicht zugelassen worden, obwohl der Ölstaat von den technischen Noten höher eingeschätzt wurde als der spätere Gewinner Rio de Janeiro. Der Terminwunsch der Katarer, die Spiele wegen sengender Sommerhitze im Oktober ausrichten zu dürfen, wurde als Grund für die Absage vorgeschoben. Dieses Mal erteilte das IOC das Okay für sein Ringe-Fest vom 2. bis 18. Oktober, soll aber einen Zusatzbericht von Doha erbeten haben, mit genauen Angaben über den Zeitplan.

    Das Emirat ist mit seinen knapp 1,7 Millionen Einwohnern für eine Mammutveranstaltung wie Olympia ohnehin zu klein. Ohne den Kandidaten Doha kämen die IOC-Mitglieder gar nicht erst in Versuchung, dem Charme der Petrodollars aus der Wüste zu erliegen. Bei Baku sind die fehlende Erfahrung beim Veranstalten von Großereignissen, mäßige Infrastruktur und die fragwürdige Menschenrechtssituation in Aserbaidschan die größten Mängel.

    Knapp zwei Monate vor der Eröffnungsfeier in London bereitet das IOC in Quebec seine Zukunft vor. Nie war es so leicht, den Hauptpreis Sommerspiele zu gewinnen – und nie war es so schwer, den geeigneten Kandidaten zu finden.

    Video - Olympisches Feuer in Großbritannien

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