Nach der Blitzführung durch Metin Cakmak (3. Minute) erhöhten Justin Gerlach (31.) und Kevin Kruschke (40.). Noch vor Ende der ersten Halbzeit skandierte das Häuflein mitgereister Hoffenheim-Fans: "Wir wollen Euch kämpfen sehen." Cakmak traf auch zum Endstand (50.).
"Das war kollektives Versagen", betonte Babbel mit versteinerter Miene im Mini-Presseraum des Amateurvereins. Draußen lief schon der Motor des Hoffenheimer Luxus-Busses, drinnen grölten die siegreichen Berliner. "Mit so was kann man doch nicht rechnen", meinte BAK-Coach Jens Härtel: "Wir sind dankbar, hier Geschichte geschrieben zu haben."
Glauben konnten selbst die Berliner Anhänger unter den 1468 Zuschauern nicht, was ihre Amateur-Kicker auf den Platz des kleinen Poststadions zauberten und so den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte perfekt machten. Gerade einmal 120 Sekunden waren gespielt, da prallte der Ball von der Latte ins Tor der hochkarätig besetzten Hoffenheimer. Mit einem Drehschuss von der Strafraumgrenze hatte Cakmak den einige Schritte vor seinem Kasten lauernden 1899-Neuzugang Tim Wiese überwunden.
Keine Kombinationen, kein Zweikampfverhalten, gar nichts
Von den lethargischen Hoffenheimern war trotz vier Neuzugängen in der Startformation nichts zu sehen: keine Kombinationen, kein Zweikampfverhalten, gar nichts. Bei einem Kopfball von Kruschke konnten sich die Bundesliga-Profis, die sich dieses Prädikat am Samstag nicht im Ansatz verdienten, bei ihrem Keeper bedanken, der den Ball noch abwehren konnte. Nach einer knappen halben Stunde vergab dann Torschütze Cakmak aus kurzer Distanz zunächst die Riesenchance für seinen zweiten Treffer.

Gerlach machte es bei einem Konter besser: Er lief - allerdings aus Abseitsposition - mit dem Ball seelenruhig auf Wiese zu und schob das Spielgerät am ausgebooteten Ersatz-Nationalkeeper vorbei ins Tor. Mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei demütigte der Berliner Pokalsieger die Profis teilweise. Das Toreschießen und Kämpfen vergaßen die Hausherren dabei aber auch nicht. Kurz vor der Pause kullerte der Ball zum dritten Treffer über die Linie, nachdem Wiese den Schuss von Kruschke nur noch berühren konnte.
"Wir haben die Fans maßlos enttäuscht", betonte Babbel und will sich seine Mannschaft vorknöpfen: "Das kann ich auch nicht auf mir sitzen lassen. Hinfallen darfst du, aber du musst wieder aufstehen. Und das erwarte ich auch", sagte er nach dem "blutleeren" Auftritt seiner Mannschaft, die durch Cakmak kurz nach der Pause auch noch den vierten Treffer (50.) kassierte.
Babbel reibt sich die Augen
Babbel versuchte es zur zweiten Halbzeit mit zwei neuen Spielern, brachte Sejad Salihovic und Takashi Usami. Sechs-Millionen-Neuzugang Joselu von Real Madrid durfte weiter nicht ran. Es hätte wohl auch nicht genutzt. Denn nur fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff legte Kapitän Wiese mit einem verunglückten Abstoß Cakmak den Ball vor die Füße.
Zum Entsetzen von Trainer Babbel, der sich auf der Bank die Augen rieb, schob der Berliner Angreifer zu seinem zweiten Treffer für den Klub ein. "Nach dem 0:4 war mir klar, da ist nichts mehr zu holen", gestand Babbel: "Wir hätten auch noch drei, vier Stunden spielen können und kein Tor gemacht."
Die Berliner trafen hingegen in einer denkwürdigen Partie fast nach Belieben. 25 000 Euro Prämie sollen sie fürs Weiterkommen ausgehandelt haben. "Es war ein Spiel, in dem alles für uns gelaufen ist", meinte Härtel, der den Club zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte in die zweite DFB-Pokalrunde führte.
Vor zwei Jahren war der Verein, der eine Zeit lang wegen der Kooperation mit dem türkischen Erstligisten Ankaraspor auch "Berlin Ankaraspor Kulübü" hieß, zum Auftakt knapp mit 1:2 am FSV Mainz 05 gescheitert. Mittlerweile nennt sich der Verein wieder Berliner Athletik Klub. Und das dürften die Hoffenheimer und Fußball-Deutschland so schnell nicht vergessen.
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