"Hier regiert der HSV!", schallt es von der Nordtribüne im Volkspark, wenn es gut läuft beim Hamburger SV.
Doch das war einmal.
Nach dem Fehlstart gegen den 1. FC Nürnberg herrscht nackte Angst vor dem ersten Abstieg. Die Fans werfen vermehrt bange Blicke auf die ewige Bundesliga-Uhr in der Nord-West-Ecke der Arena.
Einer, der immer noch an seine Mannschaft glaubt, ist Trainer Thorsten Fink. Seine Hoffnungen liegen auch auf den beiden Neuzugängen, die es in dieser Woche zu integrieren gilt.
Am Mittwoch kommt Milan Badelj, der für Dinamo Zagreb am Dienstag noch ein Qualifikationsspiel zur Champions League bestreitet. Dann ist Petr Jiracek womöglich schon da, am Montag absolvierte der tschechische Nationalspieler den Medizincheck an der Elbe.
Der 26-Jährige soll vier Millionen Euro Ablöse kosten und wechselt vom VfL Wolfsburg zu den "Rothosen", die für den Transfer erforderliche Zustimmung des Aufsichtsrates wird in Kürze erwartet.
Techniker Badelj und die "Kante" Jiracek sollen das neue Herzstück im zentralen HSV-Mittelfeld werden. Viel Eingewöhungszeit bleibt ihnen nicht, sowohl beim Pokal-Aus gegen den Karlsruher SC als auch beim Spiel gegen den "Club" wurde deutlich, dass sie sofort einschlagen müssen.
"Sie passen sehr gut zusammen"
"Die beiden passen sehr gut zusammen. Badelj ist eher der Spielmacher, Jiracek der Kämpfer", erklärte Sportchef Frank Arnesen, dessen Handlungsspielraum auf dem Transfermarkt aufgrund massiv beschränkter Finanzmittel sehr überschaubar war und ist.
Eine kleine Hoffnung auf Rafael van der Vaart lebt dennoch. Investor Klaus-Michael Kühne ist bereit, den "kleinen Engel" wieder nach Hamburg zu lotsen. Auch der 29-Jährige selbst ist Gerüchten zufolge nicht abgeneigt und soll sogar auf Geld verzichten wollen.
Ein offizielles Statement zu dieser spektakulären Rückholaktion des Niederländers von Tottenham Hotspur gibt es derzeit nicht. "Es ist eine schwere Situation. Aber ich schließe nichts aus", sagte Arnesen nur und ließ damit Raum für Spekulationen offen.
Gerade der Däne steht extrem unter Druck. Man dürfe sich nicht kaputtsparen, hatte er zuletzt bereits gewarnt. Er möchte nicht der erste Sportchef sein, mit dem der Verein komplett untergeht und lotet deshalb alle Optionen aus.
Dass noch etwas passieren muss, ist allen in der Hansestadt klar. "Wir haben Probleme in der Mittelfeldachse, die es zu beheben gilt", hat nicht nur HSV-Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow beobachtet.
Flügelspieler Marcell Jansen legte den Finger am Wochenende zusätzlich in die Wunde. "Wir stehen genau da, wo wir letztes Jahr schon standen. Ich erkenne hier keine Weiterentwicklung", wetterte er.
Im Umfeld brodelt es
Mangelnder Einsatz war den Hamburgern gegen Nürnberg dabei nicht einmal vorzuwerfen. Vielmehr festigte sich die Erkenntnis, dass das Team in dieser Zusammenstellung einfach nicht mehr kann.
Im Umfeld brodelt es gewaltig, folgt jetzt noch eine Niederlage im Prestigeduell gegen Werder Bremen am kommenden Samstag, kann niemand mehr für die Jobsicherheit von Fink und Arnesen garantieren.
Die Hoffnung auf das neue Herzstück ist auch ihre letzte.
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