Zuletzt ließ der 26-jährige Kroate seinen Vertrag einfach mal Vertrag sein und verweigerte bei den Spurs die Arbeit.
Zum Trainingsauftakt war Modric zwar erschienen, aber nur, um mal eben klarzumachen, dass er nicht trainieren würde. Und USA-Reise mit den Teamkollegen? – Geschenkt!
Arbeiten will Modric nur noch für Real Madrid, die den Spielmacher für plusminus 30 Millionen Euro aus dem laufenden Vertrag kaufen möchten. Zu wenig, meint Tottenham und fordert 40 Millionen Pfund – über 51 Millionen Euro. Die Klubs kommen nicht zueinander, also geht Modric eben eigene Wege.
Real Madrid könnte sich diesbezüglich eigentlich auch mal Gedanken über die charakterliche Eignung dieses Wunschspielers machen.
Sechs Jahre sind vier Jahre zuviel
Im Mai 2010 hatten die Londoner stolz verkündet, dass sich Modric mit einem neuen Vertrag "langfristig an die Spurs binden" würde. Es ging um eine Anstellung bis Sommer 2016. Nun wird vom Spieler und seinem Berater kolportiert, dass es ein Versprechen der Spurs-Führung gab, Modric beim Angebot eines Spitzenklubs keine Steine in den Weg zu legen.
Doch bereits im vergangenen Jahr schmetterten die Spurs eine Anfrage des Stadtrivalen von der Stamford Bridge ab und klopften dabei ihrem aktuellen Trainer Villas Boas ordentlich auf die Finger. Nun schiebt Tottenham mit der geforderten Ablöse von 40 Millionen Pfund einen beachtlichen Brocken auf die Wegstrecke zwischen London und Madrid.

Bleibt die Frage, warum sich Modric überhaupt für sechs Jahre an die Spurs binden ließ, anstatt Laufzeit und Grundgehalt zugunsten einer wasserdichten Ausstiegsklausel etwas zu reduzieren. Man müsste nun nicht mit fragwürdigen Mitteln operieren und zweifelhafte Argumente über Angebliches anführen. Es scheint, als wurde Modric damals schlecht beraten und wird es nun schon wieder.
Levy gibt keinen Euro nach
Im Sommer 2012, nur zwei Jahre nach Vertragsabschluss und noch vier Jahre vor Vertragsende versucht er nun also der Londoner Klub-Führung seine ganz persönliche Definition von "Langfristigkeit" näherzubringen. Und zwar mit allen Mitteln. Auch mit unverhohlener Arbeitsverweigerung auf der Vorstufe zur Fahnenflucht.
"Modric macht einen Fehler", lautet das Urteil von Andre Villas Boas über den trotzigen Mittelfeldmann. Und der Spurs-Coach ahnt: "Das wird noch auf ihn zurückfallen." Modric habe die verfahrene Situation mit seiner egoistischen Entscheidung nur noch verschlimmert und Tottenhams Präsidenten Daniel Levy zur Weißglut getrieben, obwohl dieser mit seiner schwer erkrankten Frau gerade ganz andere Probleme zu bewältigen hätte.
Der kroatische Nationalspieler hatte sich wohl erhofft, dass Levy einknicken und dem Deal mit Real entnervt zustimmen würde. Doch Modric erreichte exakt das Gegenteil und muss nun 100.000 Euro Strafe zahlen. Zudem erweist sich der Präsident seinem Starspieler in Sachen Trotz durchaus ebenbürtig und hält Real Madrid weiter unverändert beide offenen Hände hin. Juristisch und moralisch hat er dabei den größten Trumpf in der Hand: die von Modric signierte Verpflichtung, bis 2016 für Tottenham zu arbeiten.
Kaká als Zünglein an der Gold-Waage
Um diese Verpflichtung zu lösen, soll die Schmerzgrenze der "Königlichen" bei 35 Millionen liegen. Da Madrid aber in Euro rechnet und London in Pfund, bleibt es beim Patt. "Wir warten auf ein besseres, faireres Angebot für Luka", erklärt Villas Boas und legt kühl nach: "Bislang konnte uns keines zufriedenstellen."
Das könnte sich ändern, falls es Jose Mourinho doch noch gelingen sollte, Kaká den Abschied zu versüßen.
Bis dahin geht die Posse weiter: Real, Spurs und vor allem Modric – die Protagonisten einer unsäglichen Sommer-Soap.
TV-Tipp:
Die Bundesliga im Fernen Osten: Der FC Bayern München im Testspiel gegen den VfL Wolfsburg. Am 26. Juli um 14 Uhr aus dem Tianhe Stadium im chinesischen Guangzhou. LIVE auf Eurosport 2 und im Eurosport Player.
