Herr Mielitz, mit der neuen Saison beginnt für Sie ein neues Kapitel als neue Nummer eins von Werder Bremen. Wie gehen Sie die Herausforderung an?
Sebastian Mielitz: Ich freue mich riesig auf die neuen Aufgaben und bin äußerst motiviert. Ich bin auch selbstbewusst genug, um zu wissen, dass ich das packen werde.
Ist das die eine große Chance, auf die man als Jung-Profi wartet? Die Zeit für Nachwuchs-Torhüter ist in Deutschland jedenfalls reif.
Mielitz: Ja, es gibt in der Tat genügend Beispiele, die das vorgemacht haben. Da will ich mich dann bald dazu zählen, indem ich meinen Stil durchbringe und meine Chance nutze.
Wie würden Sie ihren Stil denn beschreiben?
Mielitz: Ich würde mich schon auch als mitspielenden Torhüter bezeichnen, der beidfüßig anspielbar ist. Zudem bin ich jemand, der einerseits die Vorderleute lautstark dirigiert und motiviert, andererseits aber auch Ruhe ausstrahlt. Das sind alles Attribute, die diese neue Torhüter-Generation charakterisieren. Allerdings geht es in erster Linie immer noch darum, den Kasten sauber zu halten.
Trotzdem muss ein guter Torwart heutzutage auch mindestens ein mittelprächtiger Feldspieler sein.
Mielitz: Ja, das würde ich auch so sagen. Man muss viele Situationen antizipieren. Da spielen die Qualitäten eines Feldspielers schon eine große Rolle. Ich spiele deshalb im Training oft auch draußen mit, das hilft mir ungemein.
Tim Wiese galt da als konservativerer Vertreter der Zunft. Was haben Sie von Ihrem Vorgänger mitgenommen?
Mielitz: Er war Nationaltorwart und wir haben jeden Tag zusammen trainiert, da schaut man sich schon ein paar Sachen ab. Aber man will ja nicht kopieren, sondern seinen eigenen Weg finden. Und das wollte ich durchziehen.
Hatten Sie einen Torhüter als Idol?
Mielitz: Das ist eigentlich schon lange vorbei. Ich war als Kind schon Werder-Fan und habe immer die Bremer Torhüter favorisiert. Aber natürlich waren auch Oliver Kahn und Jens Lehmann bei mir sehr weit vorne. Aber das hat sich dann mit der Zeit gelegt.
War es für Sie klar, dass Sie die Nummer eins werden würden, als klar war, dass Tim Wiese den Verein verlassen würde?
Mielitz: Ich habe meinen Vertrag vorzeitig verlängert, Werder hat noch zwei Torhüter verpflichtet und dann wurde das ein ganz normaler Konkurrenzkampf. Ich habe mich hier aber immer sehr wohl gefühlt und war mir dadurch sicher, dass ich es schaffen und bei Werder die Nummer eins werden kann.
Und wie ist das Verhältnis zu Raphael Wolf?
Mielitz: Raphael Wolf ist ein guter Kollege und Konkurrenz gehört dazu. Aber ich muss meine Sache durchziehen und werde mein Ding machen, um der Mannschaft zu helfen. Da schaue ich nicht auf andere, sondern nur auf mich. Ich bin der erste Mann, da orientiere ich mich nicht nach links und rechts.
Das Selbstbewusstsein einer echten Eins scheinen Sie schon entwickelt zu haben.
Mielitz: Ich habe die Eins jedenfalls auf dem Rücken und da wird sie auch erst mal bleiben (lacht). Ich freue mich auf diese neue Aufgabe. Und wenn der Trainer mich spielen lässt, dann werde ich ihm dieses Vertrauen auch zurückzahlen.
Die Hierarchie hat sich bei Werder nach Tim Wiese neu geordnet. Wer hat das Sagen?
Mielitz: Da ist einerseits natürlich unser Kapitän Clemens Fritz. Aber die Verantwortung wird bei uns auf mehrere Schultern verteilt. Es gibt keinen, der hier der alles bestimmende Leitwolf ist. Wir versuchen das gemeinsam zu lösen und das klappt eigentlich ganz gut.
Eljero Elia und Marko Arnautovic gelten als "schwierig". Wie schwierig sind sie denn wirklich?
Mielitz: In den Medien wird das gerne polarisierend dargestellt. Aber sie sind ganz umgängliche Menschen, die super in die Mannschaft integriert sind und ihre persönlichen Ziele hinter die der Mannschaft stellen. Auch bei ihnen steht der Teamerfolg im Vordergrund. Ich kann jedenfalls keine negativen Dinge nennen.
Den Teamerfolg wünschen sich auch die Fans. Kann Werder wieder an die alte Stärke anknüpfen?
Mielitz: Wir würden uns das alle sehr wünschen. Die Vorbereitung hat jedenfalls schon mal Lust auf mehr gemacht, das muss man ganz klar sagen. Die Stimmung in der Truppe ist richtig gut. Wir freuen uns jetzt auf die neue Saison. Was dann am Ende dabei rauskommt, das wird man sehen. Aber wir können es tatsächlich kaum abwarten, dass es endlich losgeht.
Heutige Fußball-Profis haben ja einen richtigen Karriereplan. Wie lauten denn Ihre langfristigen Ziele?
Mielitz: Ziele sollte man sich immer stecken. Aber an erster Stelle steht für mich jetzt erst einmal regelmäßig zu spielen und für Werder gute Leistungen abzuliefern. Was danach kommt, damit beschäftige ich mich nicht.
Was ist denn das Besondere an Werder Bremen?
Mielitz: Werder Bremen steht für Beständigkeit. Das sieht man alleine schon an Thomas Schaaf und Klaus Allofs, die schon lange am Ruder sind und das klasse machen. Natürlich ist aber auch diese Atmosphäre innerhalb des Vereins etwas Besonderes. Es ist sehr familiär und loyal, das schätze ich. Auch die Stadt und die Fans stehen voll hinter uns und fiebern der neuen Saison entgegen.
Was Stadt und Fans aber zuletzt nicht so gut fanden, ist der neue Trikotsponsor. Gegen Wiesenhof gab es sehr emotionalen Protest. Verständlich?
Mielitz: Ich spiele eigentlich nur Fußball und bin für diese Themen nicht verantwortlich. Ich ziehe das Trikot von Werder Bremen an und bin stolz darauf.
Haben Sie das Saisonziel innerhalb der Mannschaft schon klar definiert?
Mielitz: Klar definiert haben wir es nicht. Wir wollen auf jeden Fall so hoch wie möglich hinaus. Man spricht immer von den internationalen Plätzen, wir wollen aber erst mal gut in die Saison starten. Was letztlich dabei herausspringt, das wird sich zeigen. Wir werden unser Bestes geben, hoffentlich unsere Fans begeistern und den Rest wird man sehen.
Herr Mielitz, Erfolg und vielen Dank für das Gespräch.
TV-Tipp:
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