Es gibt Spieler, die muss man einfach loben, selbst wenn sie in der gegnerischen Mannschaft spielen. Im Fall von Lionel Messi gibt es wohl tatsächlich niemanden, der das Ausnahmetalent des quirligen Argentiniers nicht anerkennen würde.
Und so kommt auch Chelseas Kapitän John Terry nicht umhin, noch vor dem Halbfinal-Kracher gegen Barcelona
Doch um Missverständnissen vorzugreifen, Terry hat trotzdem kein Problem damit, dass am Mittwochabend der heimische Haussegen ein wenig schief hängen wird. Auch wenn seine Zwillinge Georgie und Summer dann maulig werden sollten. Denn schließlich habe er vor, mit den "Blues" die Spanier aus der Champions League zu befördern und ins Endspiel einzuziehen. "Auch Barcelona kann man besiegen - aber man muss schon einen sehr guten Tag haben", sagte Terry.
Und vor allem sollte Messi dann besser einen ziemlich mäßigen erwischen, damit dieser Plan aufgeht. Aber danach sieht es wahrlich nicht aus, denn Barcas Juwel hat bereits 63 Tore in 52 Partien erzielt, allein 14 davon in der Champions League. Messi wandelt schon wieder auf Rekord-Pfaden und jagt gegen Chelsea zudem noch eine persönliche Bestmarke: Bisher hat der 24-Jährige 99 Auswärtstore erzielt, am Mittwoch könnte an der Stamford Bridge also das 100. folgen. Der besondere Anreiz für ihn: Gegen die Londoner konnte Messi noch nie ein Tor erzielen.
Und es wäre ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Fußball-Olymp: "Wenn er so weitermacht, habe ich keinen Zweifel daran, dass Messi der beste Spieler aller Zeiten wird", glaubt sein Teamkollege Xavi: "Es entwickelt sich alles so schnell, doch Messi agiert genau wie damals Maradona vor 20 Jahren und wie Pelé, Cruyff und Di Stéfano zu ihren besten Zeiten. Ich denke, Messi wird der Beste von allen."
Während sich das Universum scheinbar einzig um Messi dreht, will sich zumindest Chelsea nicht vom kleinen Fußballriesen blenden lassen. "Es reicht nicht aus, nur einen Spieler zu stoppen, weil sie einfach zu viele Spieler haben, die einem sehr weh tun können", erklärte Interimstrainer Roberto Di Matteo: "Wir müssen Barcelona mit einer Team-Taktik begegnen, um ihre Gefährlichkeit zu begrenzen." Und darin sieht der ehemalige Profi auch durchaus Chancen für seine Mannschaft: "Auch Barcelona hat Schwächen, wir müssen sie nur ausnutzen. Man schaut sich an, wie man Barcelona weh tun - und ich habe mir sehr viele Spiele angesehen."
Und unbegründet sind die Ambitionen der Londoner sicherlich nicht, denn Di Matteo hat sich auf dem Trainerschleudersitz inzwischen bestens eingefunden und den "Blues" mit seiner unaufgeregten Art Stabilität zurückgegeben. Neun Siege aus den letzten zwölf Pflichtspielen sprechen eindeutig für Di Matteo, der die Scherben seines Vorgängers André Villas-Boas wieder zusammengesetzt hat. Er trifft den richtigen Ton, hat die Problemfälle wie Didier Drogba und Frank Lampard gebändigt. "Es ist ganz einfach. Er ist sehr unkompliziert", stellt Lampard klar. Ob Di Matteo auch die richtige Formel gegen Messi und Co. finden wird, bleibt abzuwarten. Und falls nicht, wären zumindest zwei kleine Terrys nicht allzu böse darüber.
