"Dieses Handicap wird seine Leistung um etwa zehn Prozent schmälern", vermutet Martin-Trainer Sebastian Weber, unter dessen Regie dem aus der Tour de France am Dienstag ausgestiegenen Zeitfahr-Weltmeister zunächst eine harte Trainings-Woche bevorsteht.
Messungen beim Tour-Prolog, als Martin noch unverletzt war, und beim Zeitfahren nach Besancon, bei dem der Omega-Quick-Step-Fahrer durch die Fraktur stark eingeschränkt war, hätten diesen Wert ergeben, meinte Weber.
"Am Wochenende startet ein Belastungsblock, ein etwa einwöchiges Trainingslager. Wir werden die Elemente herausfinden, an denen er noch arbeiten muss, zum Beispiel die Kraft, oder die Trittfrequenz", erklärte der Düsseldorfer Coach, der den gebürtigen Rostocker schon im Vorjahr beim US-Team HTC betreute.
Beste Voraussetzungen für Cancellara
Der vertrackten Situation kann Weber aber auch einen positiven Aspekt abgewinnen: Mit Ausnahme von Olympia- und Tour-Prologsieger Cancellara, der die Tour verließ, wird keiner der Konkurrenten für London "so lange auf dem Zeitfahr-Rad sitzen" wie Martin. "Wir werden auch hart in den Bergen trainieren - auf der Zeitfahrmaschine", erklärte Weber.
Das Projekt London bezeichnete er als "sehr anspruchsvoll" Weber weiß: "Cancellara hat die besten Voraussetzungen". Aber Martin, seit Saisonbeginn mit einem fulminanten Trainingsunfall im April und dem erzwungen Tourausstieg nach Verletzung von permanentem Pech verfolgt, darf weiter von Medaillen träumen.
Der bei der Tour gerade auf allen Gebieten dominierende Bradley Wiggins - der Brite im Gelben Trikot nahm Martin beim Zeitfahren in Besancon 2:16 Minuten ab - ist nach Webers Ansicht in London zu packen. Auch Alt- und Ex-Zeitfahrweltmeister Jan Ullrich ist überzeugt, dass der olympische Kampf gegen die Uhr ein grundsätzlich anderer sein wird, als der während einer strapaziösen Rundfahrt: "Dann sind wieder viel mehr die Spezialisten gefragt."
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