Seit dem letzten Massensprint am siebten Tour-Tag in Metz, als Sagan in beeindruckender Manier sogar im Flachen gegen Matthew Goss, Andre Greipel und Co. gewann, hatte Goss vier Punkte aufgeholt. Aus 31 wurden innerhalb von fünf Renntagen 27 Zähler Rückstand.
Und auch während dem längsten Teilstück der Rundfahrt, den 226 Kilometern von Saint-Jean-de-Maurienne nach Annonay, war der Australier auf dem besten Weg, weiteren Boden gut zu machen. Er nahm Sagan am Zwischensprint drei Punkte ab und hatte auch im Kampf um den sechsten Tagesrang die Nase vorn.
Doch als Sagan sich im Spurt zum Tagesziel näherte, fuhr Goss eine Welle und behinderte seinen Kontrahenten nach Ermessen der Jury regelwidrig. Der Australier wurde um einen Platz strafversetzt, verlor dadurch seinerseits zwei Zähler und musste akzeptieren, dass Sagan zwei Zähler mehr bekam.
Dicker Punktabzug tut weh
Dennoch hätte Goss einen weiteren Punkt vom Polster des Liquigas-Mannes abgeknabbert, hätte die Jury nicht noch einen drastischen Entscheid hinterhergeschickt: Zusätzlich zur Distanzierung wurden dem Orica-Greenedge-Sprinter 30 Punkte abgezogen. Eine kleine Welt, wenn man sich tagelang, mühsam wie ein Eichhörnchen, heranwirtschaftet. Als "etwas übertrieben" bezeichnete Goss seine Strafe: "Vor allem die 30 Punkte."
Vor der 13. Etappe, die am Mittelmeer nach langem Warten endlich die nächste Chance auf einen Massensprint bietet, hat Sagan (254 Punkte) nun also bereits 56 Zähler Vorsprung auf Goss (198) und 73 auf Greipel (181).
In Le Cap d'Agde müssen Goss und Greipel am Nationalfeiertag der Franzosen jetzt mit voller Kraft zur Aufholjagd ansetzen, wenn sie Sagan noch gefährden wollen. Denn anschließend stehen nur noch drei weitere Etappen (15., 18. & 20.) mit den dicken 45-Punkte-Töpfen auf dem Programm. Eine davon, die 18. nach Brive-la-Gaillarde, ist, vom Profil und ihrem Zeitpunkt im Rennen her, jedoch wie für Ausreißer gemacht.
Viel spricht für Sagan
Demgegenüber steht am Tag nach der Mittelmeer-Ankunft eine Etappe, auf der es Sagan trotz zwei schwerer Berge zuzutrauen wäre, im Ziel Punkte zu sammeln, während Goss und Greipel im Gruppetto sitzen. Und selbst in Le Cap d'Agde könnte den reinen Sprintern eine Bergwertung 20 Kilometer vor dem Ziel zum Verhängnis werden, wenn Sagans Helfer das Rennen entsprechend schwer gestalten. Dazu kommt, dass Sagan auch bei den reinen Sprintankünften voraussichtlich nicht leer ausgehen wird.
Theoretisch ist eine Ablösung des Slowaken zwar noch möglich, doch für Goss und Greipel ergibt sich ein weiteres Problem: Das Zurückholen der Ausreißer wird im Verlauf der Rundfahrt immer schwerer werden, weil immer weniger Teams Interesse an einem Massensprint haben.
Mit einer entsprechenden Vorahnung im Kopf wandte sich Goss bereits in Metz via Twitter an die Konkurrenz: "Ein Dank an all die Teams mit Sprintern, die in den letzten Tagen geholfen haben", so der Australier, der mit einem angehängten Wort sicherstellte, dass er nicht missverstanden wurde: "Sarkasmus".
VIDEO: Das Sprint-Manöver von Goss in Annonay
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