Und auch die mit Medaillenaussichten gestartete deutsche Damen-Steaffel über 4x100m Freistil scheiterte bereits im Vorlauf. Britta Steffen, Silke Lippok, Lisa Vitting und Daniela Schreiber landeten in 3:39,16 Minuten nur auf dem neunten Rang. Startschwimmerin Steffen schlug nach 54,43 noch als Zweite an, am Ende fehlte den vier Schwimmerinnen fast eine Sekunde für den Endlauf. Am schnellsten war in den Vorläufen das Quartett aus Australien unterwegs, das 3:36,34 Minuten benötigte.
Leistungssportdirektor Lutz Buschkow sprach zwar von einem "rabenschwarzen Tag", wollte die Schuld aber nicht dem Quartett allein geben. "Bei unserer Freistilstaffel haben wir uns ein bisschen verpokert. Es gab die interne Ansage: Britta sollte 90 bis 95 Prozent geben, Silke Lippok und Lisa Vitting volle Kraft und Daniela Schreiber einen taktischen Endspurt", erläuterte Buschkow. "Das ist natürlich zünftig in die Hose gegangen." Vorherige Tests und Trainingsergebnisse hätten auf einen missratenen Auftakt nicht schließen lassen, meinte der Sportdirektor.
Biedermann-Heimtrainer Frank Embacher erklärte, seinem Athleten über 400 Meter Freistil eine falsche Taktik mit auf den Weg gegeben zu haben. "Mich ärgert besonders, dass ich ihm eine andere Maßgabe gegeben habe, als er gewohnt war", erklärte er. Durch intensivere Beinarbeit als sonst habe Biedermann Kraft sparen sollen, aber dadurch sei der gewohnte Endspurt auf der letzten Bahn ausgeblieben. "Das muss ich klar auf meine Kappe nehmen", bekannte Embacher.
Biedermann: "Morgen geht es weiter"
Blass, aber äußerlich gefasst hatte Paul Biedermann kurz nach seinem überraschenden Vorlauf-Aus keine Erklärung. "Ich bin unheimlich enttäuscht. Ich wollte von vorne gehen, das hat nicht so geklappt", sagte der Weltrekordler. Die erste Medaillenchance war vertan, da blieb zunächst nur das Prinzip Hoffnung: "Ich muss mich erstmal eine Stunde sammeln. Morgen geht es weiter", sagte der 25-Jährige in den Katakomben des Aquatics Centre von London. Oben schaute derweil Großbritanniens Queen Elisabeth II. im blauen Kostüm den Vorläufen zu.
Ob Biedermann über seine Paradestrecke 200 Meter Freistil konkurrenzfähig ist, scheint fraglich. Aber unmöglich ist es nicht. Nach 3:48,50 Minuten fehlten über 400 Meter 1,24 Sekunden zum Endlauf. Dabei war zunächst alles nach Plan gelaufen. Nach 50 und 100 Metern lag er unter seinem Weltrekord und auch die Durchgangszeit zur Rennhälfte von 1:52,41 Minuten war gut. Doch dann zog die Konkurrenz vorbei, Biedermann wirkte schwerfällig und konnte nicht mehr kontern. "Hinten raus konnte ich es nicht mehr halten", erklärte Biedermann.
Topfavorit Sun Yang Schnellster
Heimtrainer Embacher hatte vor Olympia-Beginn das Unheil zwar öffentlich nicht hinaufbeschworen, aber schon vorgebaut. Es sei "keine Katastrophe", falls sein langjähriger Schüler über 400 Meter patzen sollte: "Dann schwimmt er die 200 mit Wut im Bauch und das ist gut für ihn." 2008 in Peking war der Vorzeige-Athlet als Fünfter noch die positive Überraschung im sonst so enttäuschenden DSV-Team gewesen. Nun steht er erst einmal für einen verpatzten Start. Biedermann hat schon wiederholt Comeback-Qualitäten bewiesen, doch Olympia ist etwas anderes als ein verpasster Finalplatz bei einer Kurzbahn-EM.
Als Schnellster geht Topfavorit Sun Yang in das Finale der besten Acht am Abend. Der Chinese schwamm lockere 3:45,07 Minuten. Weltmeister Park Tae-Hwan (Südkorea) wurde disqualifiziert.
Aus für Lebherz und Wenk
Neben Biedermann hätte sich beinahe auch noch Superstar Michael Phelps aus dem Finale geschwommen. Der Rekord-Olympiasieger aus den USA war als Achter über 400 Meter Lagen gerade einmal sieben Hundertstelsekunden schneller als Serien-Europameister Laszlo Cseh. Der Ungar scheiterte völlig überraschend. "Ich glaube, das einzige was zählt ist ein Platz im Finale. Du gewinnst die Goldmedaille nicht am Morgen", sagte Phelps. Beim Blick auf die Anzeigetafel schien er zunächst gar nicht erfasst zu haben, wie knapp er das mit Spannung erwartete Super-Duell mit US-Landsmann Ryan Lochte erreicht hatte. Nachdenklich verließ er die Halle.
Früh war der erste Olympia-Tag für Alexandra Wenk und Yannick Lebherz beendet. Über 400 Meter Lagen musste sich der Potsdamer insgesamt mit Rang elf (4,15,41 Minuten) begnügen. "Der achte Platz wäre halt schön gewesen", sagte Lebherz. Er hätte seinen deutschen Rekord von 4:14,02 verbessern müssen, um sich einen Platz im Finale zu sichern.
Die erst 17 Jahre alte Olympia-Debütantin Wenk belegte in 58,85 Sekunden im Vorlauf den 21. Platz aller Vorläufe. Als Zeitbeste zog die Amerikanerin Dana Vollmer mit olympischen Rekord von 56,25 ins Halbfinale am Abend ein und verpasste den Weltrekord nur knapp.
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