Pressekonferenzen mit Jupp Heynckes sind generell, nun ja, eher so spannend wie Angeln gehen.
Der Trainer des FC Bayern ist ruhig, sachlich, altersmilde. Er hat in seiner Karriere schon alles erlebt, ihn bringt so schnell nichts mehr aus der Fassung.
Doch am Freitag, vor dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg
Es ist der Beweis dafür, wie ernst die Lage beim Rekordmeister nach dem verpatzten Rückrundenstart in diesem möglicherweise historischen Triple-Jahr und dem "Facebook-Desaster" vom Donnerstag ist (Heynckes: "Das war sehr unglücklich.").
"Ich habe der Mannschaft gesagt, bis Ende Mai möchte ich sie in einem anderen Gewand sehen!", rief er und haute dabei auf das Pult. "Von der ersten bis zur letzten Minute! Rauf und runter! Kämpfen! Rennen! Aber auch Fußball spielen. Daran muss sich die Mannschaft messen lassen, sonst an nichts", fügte Heynckes resolut an.

"Natürlich ist die Mannschaft gefordert, das Spiel zu gewinnen, das ist ganz klar", hob auch Heynckes noch mal hervor. Im Training habe er die Zügel unter der Woche angezogen und die Fehler aus der 0:1-Pleite in Gladbach analysiert. "Wir haben noch eine Schippe draufgelegt, das ist auch nötig. Der FC Bayern muss anders agieren, wenn er große Ziele ansteuern will."
Er will insbesondere wieder eine bessere Abstimmung zwischen Offensive und Defensive sehen. "Angriffsmodus" allein führe nicht zum Erfolg, mahnte der Trainer.
Seine und die Hoffnungen der Fans ruhen auch auf der Rückkehr von Franck Ribéry, der Franzose hat seine Sperre abgesessen und brennt ebenfalls auf seinen Einsatz. "Mit dem Lapsus vom Köln-Spiel hat er sich und der Mannschaft geschadet. Ich erhoffe mir, dass er so spielt wie in vielen Hinrundenspielen. Mit Franck gewinnen wir an Angriffspotenzial", weiß Heynckes.
Sein Flügelflitzer leidet zwar an leichten Rückenbeschwerden und bekam am Mittwoch noch eine Spritze, doch spielen kann er in jedem Fall, was wohl auch für Bastian Schweinsteiger gilt, obwohl dieser unter einer leichten Sehnenreizung litt.
Umbauen muss Heynckes so oder so nach der Verletzung von Innenverteidiger Daniel van Buyten (Mittelfußbruch). Der Coach überlegt, ob er neben Mario Gomez, Ribéry, Thomas Müller und Arjen Robben auch noch Toni Kroos als etwas offensiveren Sechser neben Schweinsteiger aufbieten soll.
"Passt das? Funktioniert das?" Diese Frage habe er für sich noch nicht endgültig beantwortet. "Ich bin mitten im Prozess", sagte er.
Darauf, dass Breno in den Kader rückt, hat er sich hingegen bereits festgelegt. "Diese Aktion zeigt, dass der ganze Bockmist, den er sich zuletzt geleistet hat, vergessen ist. Vielleicht ist das seine große Chance", vermutete Heynckes. Allerdings müsse sich der "Problem-Brasilianer" insgesamt professionell verhalten. "Er hat intensiv gearbeitet", lobte Heynckes weiter.
Ob mit oder ohne Breno: Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge forderte "Leidenschaft, Biss, Aggressivität und Wille". und Schweinsteiger versprach immerhin schon: "Wir sind hellwach."
