WAS IHRE FREUNDE LESEN

    Löw: Locker und lässig zum Titel

    Das Rauchen hat er aufgegeben. Den Espresso gönnt er sich weiter. Bundestrainer Joachim Löw hat bei der EM seine innere Ruhe gefunden. Die Fragen der Jorunalisten erträgt er mit einem Lächeln, mit Humor reagiert er am Spielfeldrand und ärgert sogar Balljungen. Das Motto lautet: Locker zum Titel.

    Mit welchem Gefühl steigt Bundestrainer Löw am Mittwoch in die Maschine nach Warschau?

    Wahrscheinlich mit einem entspannt positiven, obwohl die wichtigsten Tage noch vor ihm liegen.

    Abwehr-Baustelle in Luft aufgelöst

    Immerhin geht's um den Einzug ins Finale und den Traum, die Mission 2012 erfolgreich zu beenden. Konzentrierter Offensiv-Fußball gepaart mit einem Schuss Lockerheit soll das Erfolgsrezept auf dem Weg zum EM-Titel sein, den Löw von seinem Team fordert.

    "Wir sind bereit", erklärte der 51-Jährige, der seit 2006 die deutsche Mannschaft als Bundestrainer betreut. Zuvor war Löw Assistent von Jürgen Klinsmann, dessen zweites Gehirn der Analytiker und Stratege war. Löw verkörperte die Kraft hinter Klinsmann, die das DFB-Team formte.

    Die Abwehr-Baustelle, die vor dem EM-Start ein ganzes Land in Atem hielt, löste Löw im Handumdrehen mit der Hereinnahme von Mats Hummels in Luft auf. Ohnehin hat Löw zu EM-Beginn all jene Lügen gestraft, die ihm Niebelungentreue zu verdienten Spielern vorhielten, und den Rest der Fußball-Nation mit der Hereinnahme des Dortmunders und dem Vertrauen in Mario Gomez anstelle von Miroslav Klose gefoppt.

    Alle weiteren Diskussionen um Bastian Schweinsteiger, Mesut Özil oder Lukas Podolski perlen an ihm ab. In solchen Situationen wird aus dem Strategen Löw der Mensch Löw - dann, wenn es keine greifbaren Argumente mehr für oder gegen einen Spieler gibt, verlässt sich der Bundestrainer auf sein Gefühl. "Ich sehe ja, dass manche Spieler auf einem ähnlichen Niveau sind. Dann ist es schwierig, rationale Entscheidungen zu treffen", sagt Löw. "Da verlasse ich mich, wenn es etwa um die Aufstellung geht, aufs Bauchgefühl, nachdem ich vieles abgewogen und analysiert habe."

    "Andere Dinge wichtiger als Eckbälle"

    Immer mit dem Wissen, dass die Mannschaft seine Spielphilosphie völlig verinnerlicht hat. Löw hat endlich die nötigen Spieler, um sein Offensiv-Konzept umzusetzen und das wichtigste Ziel ins Visier zu nehmen. Den Gewinn des ersten großen Turniers seit der EM 1996.

    "Für mich sind andere Dinge wichtiger als Eckbälle", erklärte Löw in einem Interview. Aber Zeit für einen Espresso muss sein - ebenso wie seine humorvolle Vorstellung auf der Pressekonferenz vor dem Viertelfinale gegen Griechenland. Löw kann anders, Löw kann durchaus lustig sein.

    Der Ästhet und Genießer fordert ansonsten "högschde Disziplin" - auf und neben dem Platz. Im richtigen Moment gibt Löw seinen Worten aber einen mahnenden Unterton. Wenn's drauf an kommt, kann er die Zügel anziehen. Er bestimmt das Tempo, er ist der Boss.

    Zukunftspläne nach 2014 offen

    "Konzentration! Konzentriert bleiben!", hallt es über den Platz. Und wenn Marco Reus eine seiner vielen Chancen versiebt, platzt Löw an der Linie der Kragen. Mit den Armen wild rudernd, schimpft er wie ein Rohrspatz, um sich im selben Moment wieder zu beruhigen.

    Löw beherrscht alle Töne auf der Klaviatur, was ihm Respekt einbringt und ihn sympathisch macht. Äußerst sympathisch, denn Erfolg und Menschlichkeit passen in diesem Geschäft nicht immer zusammen. Löw wird es mit einem Schmunzeln vernehmen, er steht über den Dingen.

    Sein Vertragsende 2014 lässt er offen, nach der WM in Brasilien kann sich Löw alles vorstellen. Vielleicht im Ausland einen Kontrakt bei einem großen Klub unterschreiben. Löw weiß, was er kann. Selbst seine Nikotin-Sucht hat der Bundestrainer im vergangenen Jahr erfolgreich bekämpft.

    Bei aller Lockerheit, aber eines kann er nicht - sinnlos herumsitzen und Zeit verschwenden.

    TV-Tipp:

    Die EURO 2012 Show - die EM-Expertenrunde mit Patrick Kluivert, Thomas Berthold, Fredi Bobic, Rafa Benitez und Arsène Wenger analysiert vom 7. Juni bis 2. Juli immer um 20:00 Uhr LIVE die Geschehnisse in Polen und der Ukraine

    Quizaction - Testen Sie Ihr Sportwissen

    Meistgelesene Artikel

    Aktuelle Nachrichten

    Champions League