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    US Open - Kohlschreiber mit Thriller: "Durchgequält"

    Philipp Kohlschreiber ist bei den US Open nach einem Krimi in die dritte Runde eingezogen. Der 28-Jährige aus Augsburg setzte sich in fünf Sätzen gegen den Franzosen Benoit Paire mit 6:7 (4:7), 6:3, 3:6, 6:2, 7:6 (7:4) durch. Der Weltranglisten-20. trifft nun auf den US-Amerikaner John Isner.

    "Spielerisch war das nicht gerade extrem hochklassig, aber ich habe mich schwer getan, meinen Rhythmus und zu meinem druckvollen Spiel zu finden", erklärte er nach dem "Marathon-Match.

    "Es war heute mehr eine Kopfsache als die Physis, dieses Match zu gewinnen. Ich will meine Leistung auch nicht zu schlecht reden, aber ich habe mich durchgequält. Und den Rückstand noch zu drehen, war der verdiente Lohn für einen schweren Tag. Ich habe über den Kampf gewonnen."

    Von den anfangs zehn deutschen Herren steht nur Kohlschreiber bei der mit 25,526 Millionen Dollar dotierten Hartplatz-Veranstaltung in Runde drei.

    Stebe unterliegt Qualifikant

    Denn Cedrik-Marcel Stebe hatte zuvor den Einzug in die dritte Runde verpasst. Der 21 Jahre alte Tennisprofi aus Vaihingen/Enz verlor gegen den slowenischen Qualifikanten Grega Zemlja mit 4:6, 6:2, 4:6, 4:6.

    In der ersten Runde des Grand-Slam-Turniers in New York hatte Stebe noch durch einen Erfolg gegen den an Nummer 29 gesetzten Serben Viktor Troicki für eine Überraschung gesorgt.

    "Es ist schon ärgerlich. Ich hatte mir Hoffnung gemacht, denn neun von zehn Mal würde ich ihn schlagen. Aber da kamen leider die Umstände dazu. Anfangs des 3. Satzes habe ich meinen Gesäßmuskel immer mehr gespürt, irgendwann machte der Muskel dann ganz zu. Ich habe mit beim 0:3 im vierten Satz behandeln lassen, danach ging es kurz besser. Aber beim 4:4 ging dann gar nichts mehr. Es ist sehr schade, wenn man in der ersten Runde einen Gesetzten schlägt und dann gegen einen Qualifikanten ausscheidet", bilanzierte er.

    "Muss mich steigern"

    Bei einem Spaziergang durch Manhattan wollte Philipp Kohlschreiber seine «Berg- und Talfahrt» verarbeiten. Mit einer Leistung wie aus der Partie gegen den Franzosen Benoit Paire wird der Augsburger allerdings am Sonntag im Kampf ums Achtelfinale gegen den amerikanischen Hünen Isner keine Chance haben.

    "Ich muss mich steigern und hoffe, dass ich das an dem Tag schaffe. Aber er ist klarer Favorit", sagte Kohlschreiber vor dem Duell mit dem 2,06 Meter großen Weltranglisten-Zehnten. Dreimal schon standen sich die beiden gegenüber, dreimal hieß der Sieger am Ende Isner - zuletzt vor wenigen Wochen im Achtelfinale von Toronto.

    Immerhin verhinderte Kohlschreiber mit dem Zittersieg gegen den fast 30 Plätze schlechter notierten Franzosen eine persönliche Enttäuschung und eine Blamage für das deutsche Herren-Tennis. "Es war eine Berg- und Talfahrt, aber ich habe nicht gezweifelt. Ich habe immer das Ziel vor Augen gehabt, dass ich in die dritte Runde wollte", erzählte er nach dem Kraftakt über 3:38 Stunden.

    Wirbel um "Abschuss"

    Im fünften Satz führte der Davis-Cup-Spieler bereits 4:1, als er sich nach einem Netzangriff zu einer unsportlichen Aktion hinreißen ließ und seinem Gegner aus kurzer Distanz den Ball direkt auf den Körper schlug. "Es war nicht unbedingt Absicht. Heute war kein Tag, an den ich die Bälle gut platziert habe. Daher wollte ich den Ball schnell und sicher in der Mitte des Platzes versenken, er blieb stehen. Und ich wollte unbedingt das Doppelbreak verhindern, dann wäre es vorbei gewesen. Es wäre besser gewesen, sich gleich zu entschuldigen, aber ich habe mich am Netz entschuldigt. Und er hätte dort sicher nicht auf mich gewartet, wenn er mir etwas nachtragen würde. Man darf das auch nicht überbewerten", sagte Kohlschreiber, der sich mit der Aktion bei eigener klarer Führung fast noch geschadet hätte.

    Paire kam jetzt auf einmal wieder ins Spiel, ein Großteil der Zuschauer schlug sich auf die Seite des nimmermüden Weltranglisten-49. aus Avignon. "Er hatte einen Riesen-Fanclub hinter sich, der das natürlich nicht gut fand. Aber ich habe danach auch noch ein paar gehört, die mich angefeuert haben. Mir ist ohnehin nur wichtig, dass mein Team immer hinter mir steht."

    Beim Stand von 5:6 trennten Kohlschreiber nur noch zwei Punkte von einer peinlichen Niederlage. Doch er blieb cool ("Ich muss mir selber Komplimente machen, ich hätte viel mehr hadern können") und durfte nach dem letzten Doppelfehler Paires die Arme mehr waagerecht als senkrecht und mehr erschöpft und erleichtert als wirklich begeistert in den Abendhimmel über New York strecken.

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