Bayern ballert sich den Frust von der Seele und keinen interessiert es. Fast alle Augen richteten sich nach dem Abpfiff auf Arjen Robben, der am Mittelkreis einsam ins weite Rund blickte und die Welt nicht mehr verstand.
Kurz nach seiner Einwechslung in der 76. Minute brandete ein gellendes Pfeifkonzert auf, das niemand auf dem Schirm hatte. Bei jeder Ballberührung des Niederländers rechnete ein Großteil der Bayern-Fans knallhart mit ihm ab.
Nur drei Tage zuvor avancierte er im Champions-League-Finale zum Buhmann, weil er den vorentscheidenden Elfmeter in der Verlängerung gegen Chelsea verschoss. "Er hat mir in der Kabine gesagt, dass er sehr traurig und enttäuscht ist", erklärte Rafael van der Vaart gegenüber eurosport.yahoo.de.
Der niederländische Kapitän konnte die Pfiffe der Bayern-Fans ebenso wenig verstehen wie Sportdirektor Christian Nerlinger. "Ich kann mir diese Reaktion nur erklären, weil Robben das Nationaltrikot der Niederlande getragen hat", versuchte Nerlinger die Situation wenigstens etwas zu entschärfen.
Doch der Unmut vieler Anhänger nagt am Selbstbewusstsein des sensiblen Mittelfeldstars. Selbst die tröstenden Worte und die Umarmung von Bastian Schweinsteiger, der direkt nach dem Schlusspfiff zu Robben am Mittelkreis eilte, um ihm den Rücken zu stärken, waren nur ein schwaches Trostpflaster.
"Der FC Bayern sollte sich schämen, das hat Arjen nicht verdient", schimpfte Elftal-Kollege Rafael van der Vaart, "wir hatten so etwas nicht erwartet. Das ist peinlich."
Schweinsteiger schickte Robben kurz darauf in Richtung Südtribüne, wo ihn die treuesten der treuen Fans mit "Arjen Robben!"-Rufen während des Spiels gegen die unerträglichen Pfiffe schützten. "Das waren einzelne Unmutsbekundungen und da waren wieder andere, die Beifall gespendet haben", stellte Trainer Jupp Heynckes klar.
"Das ist immer so. Das ist in der Politik so, das ist bei den Fußballern so und das ist bei den Trainern so. Da wird man auch nicht von jedem wunderbar und gut befunden. Damit muss man leben", so der 67-Jährige, der sich wenigstens zum Saisonabschluss über einen 3:2-Sieg gegen die "Elftal" freuen konnte.
Zwar steckt der Ärger über das verlorene Champions-League-Finale noch immer in den Köpfen, doch die Nationalspieler können am Samstag zumindest mit einem Erfolgserlebnis zum DFB-Team nach Basel reisen. "Am Anfang habe ich jede Stunde mit dem Kopf geschüttelt, jetzt nur noch alle drei", sagte Thomas Müller.
"Aber ich bin keiner, der einer Sache ewig nachtrauert. Der Blick geht jetzt nach vorne in Richtung Europameisterschaft", so der Nationalspieler, der neben seinen DFB-Kollegen Toni Kroos und Holger Badstuber zur Startformation gegen die Niederlande gehörte. Heynckes wechselte später noch Philipp Lahm, Jerome Boateng und Mario Gomez ein.
Nationaltorhüter Manuel Neuer sowie Scheinsteiger (Wadenprellung) bewunderten die Bayern-Treffer durch Kroos (17.), Petersen (28.) und Gomez (87.) von der Bank aus. Für Neuer hütete Hans Jörg Butt letztmalig in seiner Karriere das Tor, der gemeinsam mit Ivica Olic, Daniel Pranjic, Takashi Usami, Nils Petersen und Breno vor dem Spiel verabschiedet wurde.
Auf der Gegenseite trafen Klaas Jan Huntelaar (18.) und Luciano Narsingh (20.) für den Vize-Weltmeister aus den Niederlanden, der 90 Minuten lang ohne den ehemaligen Bayern-Kapitän Mark van Bommel und in Hälfte zwei mit einem fast komplett ausgetauschten Kader (acht Wechsel) nur noch mit halber Kraft spielte.
"Ich denke, dass es trotzdem ein gutes Testspiel war. Bayern ist eine starke Mannschaft und wir haben zwei Tore gemacht. Für uns ist es jetzt wichtig, dass wir die nötige Fitness im Hinblick auf die EM bekommen und dass wir Robben wieder aufbauen. Dann haben wir bei der EURO eine Chancen", meinte van der Vaart gegenüber eurosport.yahoo.de.
Robben selbst wollte sich nicht zu den Pfiffen äußern. Der Mittelfeldmann verschwand wenige Minuten nach dem Spiel schnurstracks in der Kabine.

