Nikola Karabatic hat ein Problem: Der ehemalige Welthandballer und Superstar des französischen Starensembles muss zusammen mit seinen Teamkollegen eine Lösung finden. Eine, die der Rest der Welt nicht kennt.
Denn nach der historischen Serie mit vier Titeln in Folge bei Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und Europameisterschaft erlebte die Equipe Tricolore in diesem Jahr bei der EM mit Platz elf ein Debakel. Karabatic aber bleibt cool, man wolle "keine großen Dinge" ändern, versichert der 28-Jährige im Gespräch mit Eurosport-Reporter Tobias Laure.
Die französische Nationalmannschaft trägt den Spitznamen "les Experts". Wie kam es denn dazu?
Nikola Karabatic: Lassen Sie mich mal nachdenken. Die Spitznamen unseres Team haben sich in den vergangenen 20 Jahren immer wieder geändert. In den 90ziger Jahren waren wir die "Bronzés" nach der Bronzemedaille von 1992 in Barcelona. Es gab eine Zeit der "Barjots" - der total Verrückten - und seit ein paar Jahren sind wir mit den Erfolgen die "Experts" geworden. Ich persönlich mag diese Bezeichnung nicht so sehr, das klingt doch manchmal ein wenig abgehoben.
Mag sein, aber Sie haben mit den Experten eine Titel-Serie hingelegt, die es in der Geschichte des Handballs noch nie gegeben hat. Olympia-Gold 2008, die WM-Titel 2009 und 2011 sowie die EM-Krone 2010.
Karabatic: Als wir 2008 in Peking Gold gewonnen haben, hat die Presse uns auf die Schulter geklopft mit den Worten: Super, das erste Handball-Gold für Frankreich. Nach der WM 2009 hieß es dann: Wahnsinn, zwei Titel in Serie. Und so hat sich das mit jedem Titel gesteigert.
Wie lange haben Sie gebraucht, um die historische Dimension dieser Erfolge zu realisieren?
Karabatic: Gar nicht so lange, dafür haben schon Ihre Journalisten-Kollegen in Frankreich gesorgt. Wo immer ich hingekommen bin, ging es um diesen Rekord.
Frankreich hat es immer wieder geschafft, junge Spieler einzubauen, die sofort auf diesem Level mitgespielt haben. Welches Geheimnis steckt dahinter?
Karabatic: Wir haben auf jeder Position geile Spieler, die als starkes Kollektiv sehr clever agieren. Wenn dann einer neu ins Team kommt, wird er sofort ideal unterstützt…
…aber das kann doch nicht das ganze Geheimnis sein.
Karabatic: Gut, es kommt natürlich auch auf die Motivation an. Und da halten wir es so, dass wir bei jedem Turnier wieder von Null anfangen.

FOTO: Karabatic trifft in London Momir Ilic, der mit der serbischen Auswahl auf Medaillen-Jagd geht.
Bei der Europameisterschaft in diesem Jahr in Serbien gab es dann nach den fetten Jahren einen herben Rückschlag, Platz elf. Hat Frankreich ausgezaubert?
Karabatic: Nein. Natürlich haben uns die anderen Teams genau analysiert, wissen besser, wie man gegen unsere Abwehr spielt. Wir müssen jetzt in London ein paar Dinge ändern, nichts Großes, nur ein paar taktische Details.
Im Vergleich zur deutschen Mannschaft, die nicht qualifiziert ist, sind das Luxusprobleme.
Karabatic: Ich verfolge den deutschen Handball natürlich noch immer sehr genau. Wissen Sie, die deutsche Mannschaft hat noch immer grandiose Handballer. Den genauen Grund für das Scheitern will ich aus der Ferne nicht diagnostizieren. Möglicherweise liegt es daran, dass die Nationalspieler in der Bundesliga - und das ist die beste Liga der Welt - ein knallhartes Programm haben und dann im Nationalteam nicht topfit antreten können.
Herr Karabatic, ich bedanke mich für das Gespräch.
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