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    Kerbers Traum geht weiter

    Angelique Kerber hat ihre Favoritenrolle in der 3. Runde der US Open eindrucksvoll ausgefüllt. Die Nummer sechs der Welt benötigte gerade einmal 56 Minuten, um Olga Govortsova aus Weißrussland mit 6:1 und 6:2 in die Knie zu zwingen. Kerber bekommt es nun mit der Italienerin Sara Errani zu tun.

    "Es war ein gutes und schnelles Match, darüber bin ich sehr froh", sagte Kerber nach der Partie.

    Geduld war gefragt bei Kerber und Govortsova, die nach dem Vierstunden-Match von Andy Murray im Louis Armstrong Stadium an der Reihe waren. Doch die Deutsche ließ sich durch die Verzögerung nicht aus dem Konzept bringen.

    "Ich musste mich zwar vorher dreimal aufwärmen, weil Murray doch länger gespielt hat, aber es war dann doch ganz gut, dass wir etwas später dran waren. Da war es auf dem Platz nicht mehr ganz so heiß und am Ende lag er sogar ganz im Schatten. Ich habe mich von Anfang an gut gefühlt und bin froh, dass es dieses Mal kürzer war als gegen Venus."

    "Es ging ihr schlecht"

    Die 24-jährige Deutsche erwischte einen guten Start ins Match und zog schnell auf 3:0 davon, die Satzführung war danach nur noch Formsache. Im zweiten Durchgang ging es dann enger zu, beim Stand von 2:2 hatte Kerber Mühe.

    Ihre Gegnerin wurde zwischenzeitlich behandelt, Fieber und Blutdruck bei der Weißrussin gemessen. "Ich habe mitgekriegt, dass sie den Arzt und nicht den Physio gerufen hat, daher wusste ich, dass es ihr schlecht ging. Aber ich habe versucht, mich nicht damit zu beschäftigen und weiter konzentriert zu bleiben", schilderte Kerber die Situation.

    Die Vorjahres-Halbfinalistin von Flushing Meadows blieb fokussiert und marschierte mit vier Spielen in Serie zum Matchgewinn. Damit darf die Turniersiegerin von Paris und Kopenhagen weiter vom ersten Grand-Slam-Finale ihrer Karriere träumen.

    Chance zur Revanche

    Gegen Achtelfinal-Kontrahentin Errani hat Kerber eine ausgeglichene 1:1-Bilanz zu Buche stehen. Bei den French Open in diesem Jahr war die Kielerin allerdings im Viertelfinale mit 3:6 und 6:7 (2:7) an der Weltranglisten-Zehnten gescheitert.

    Errani erreichte die Runde der letzten 16 in New York durch einen ungefährdeten 6:1, 6:1-Erfolg über Olga Puchkova aus Russland.

    "Die nächste Runde gegen Errani wird aber wieder schwer, in Paris habe ich ja gegen sie verloren. Sie macht sehr wenige Fehler, bewegt sich gut und hat in den letzten Monaten auch sehr erfolgreich gespielt. Ich werde mir das Paris-Match noch mal anschauen und sehen, ob ich etwas ändern sollte. Vielleicht muss ich ihren zweiten Aufschlag mehr attackieren. Aber es sagt sich immer so leicht, wer hat hier überhaupt Schwächen?", unterstrich Kerber das hohe Niveau, mit dem in der zweiten Turnierwoche zu rechnen ist.

    "Spüre den Druck"

    Mit dem lockeren Gang ins Achtelfinale hat Kerber ihre Bilanz auf 56 gewonnene Matches in diesem Jahr aufgebessert - so viele Siege kann keine andere Spielerin auf der WTA-Tour vorweisen. Seit ihrem wundersamen Halbfinal-Einzug vor einem Jahr beim verrücktesten und lautesten der weltweiten Tennis-Events, wirkt die blonde Norddeutsche mit dem geflochtenen Zopf bei jedem Auftritt souveräner.

    "Letztes Jahr hat mich keiner gekannt, jetzt spüre ich den Druck", erzählte Kerber charmant-freundlich auf Englisch. Tatsächlich wird sie auch gegen Errani mit der Rolle der Favoritin leben müssen - auch wenn sie das nicht will.

    Aber die Angelique Kerber des Spätsommers 2012 tritt nun mal im Stile einer Spitzenspielerin auf. Ob in einer Art Trainingseinheit wie gegen Goworzowa oder in einem fast dreistündigen Achterbahn-Match wie gegen die zweimalige Turniersiegerin Venus Williams. Bislang kommt Kerber mit ihrer neuen Rolle bestens zurecht.

    Wird der 'Makel' behoben?

    "Ich habe den Eindruck, dass Angie mit ihren Aufgaben wächst und den Spagat schafft. Es ist ganz wichtig, dass sie den Spaß nicht verliert", sagte Bundestrainerin Barbara Rittner über die neue Frontfrau des deutschen Damen-Tennis. Bei ihrem 20. Grand-Slam-Turnier scheint vieles möglich. Die Statistiker haben herausgefunden, dass Kerber aktuell die einzige Top-Ten-Spielerin ist, die noch nie im Finale bei einem der vier Majors stand.

    Ob sich das in diesem Jahr schon ändert? «Ich denke nicht daran, ob ich ein Grand-Slam-Turnier gewinnen kann. Ich schaue auch hier von Runde zu Runde», sagte Kerber. Bislang hat das ganz gut geklappt.

    Video: Kerber über das Match:

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