Kerber trifft in der zweiten Runde entweder auf die Schweizerin Romina Oprandi oder auf die Weißrussin Olga Govortsova. "Sehr solides Match. Immer wenn es wichtig war, war Angie hellwach und aggressiv", sagte Bundestrainerin Barbara Rittner über den ersten Auftritt der US-Open-Halbfinalistin.
Von Anfangsnervosität war bei der mit neuem Selbstbewusstsein ausgestatteten Kerber nichts zu spüren. Die Senkrechtstarterin der Saison legte bei 27 Grad Hitze auf dem drittgrößten Roland-Garros-Platz "Court 1" mit einem Break gleich einen 3:0-Blitzstart hin - den Vorsprung ließ sich die zweifache Turniersiegerin dieses Jahres in Satz eins nicht mehr nehmen. Ein ums andere Mal punktete die Linkshänderin mit ihren ebenso schnellen wie klug platzierten Grundschlägen.
"Ich bin glücklich, dass ich durchgekommen bin. Schon der erste Satz war unglaublich eng, sie hat sehr gut gespielt, und ich bin nicht richtig in den Rhythmus gekommen", sagte Kerber.
Noch ein wenig spannender ging es im zweiten Satz zu. Zhang spielte nicht nur mit, sondern punktete auch mit vielen direkten Gewinnschlägen. Kerber gab zweimal einen Breakvorsprung mit Aufschlagverlusten zu null wieder her.
Nach dem dritten Break zum 5:4 erspielte sich die Deutsche drei Matchbälle am Stück, die sie allesamt ausließ. Nach Abwehr von zwei Breakchancen für Zhang nutzte Kerber schließlich nach 1:31 Stunden ihren fünften Matchball zum Einzug in die zweite Runde.
"Ich kann nicht sagen, ich würde keinen Druck spüren, das wäre gelogen", erklärte Kerber zu den gesteigerten Ansprüchem, die als deutsche Nummer eins an sie herangetragen werden. "Ich versuche damit umzugehen, und aus dem Fed-Cup-Wochenende in Stuttgart habe ich da viel gelernt. Ich will einfach rausgehen und Spaß haben und alles genießen, dann sehen wir weiter."
Mit der Zweitrunden-Teilnahme am Bois de Boulogne hat die 24-jährige Kerber bereits ihr bestes Ergebnis aus dem Jahr 2010 eingestellt - aber diesmal soll längst nicht Schluss sein. Erst im Achtelfinale würde nach normalem Verlauf mit der Französin Marion Bartoli der erste richtige Prüfstein auf sie warten. Danach könnte es die Kielerin mit polnischen Wurzeln mit der befreundeten Weltranglisten-Dritten Agnieszka Radwanska aus Polen zu tun bekommen.
Dinah Pfizenmaier hat ebenfalls die zweite Runde erreicht. Die 20 Jahre alte deutsche Meisterin aus Bochum, die sich in Paris zum ersten Mal für das Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers qualifiziert hat, besiegte die Französin Caroline Garcia mit 3:6, 6:4, 6:3.
Die Weltranglisten-198. könnte es bei dem mit 17,226 Millionen Euro dotierten wichtigsten Sandplatz-Turnier der Welt nun mit der Weltranglisten-Ersten Victoria Azarenka aus Weißrussland zu tun bekommen.
