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    Kater bei Del Bosque: "Eine Schande"

    Spaniens Nationalcoach platzt trotz der Party gegen Italien der Kragen. Wegen des Zustandes des Rasens erwägt er, bei der UEFA offiziell Protest einzulegen. Mit dem Resultat zeigt er sich immerhin "relativ zufrieden".

    Von Daniel Rathjen (twitter: @DanielRathjen)

    Die Fans hatten auf jeden Fall ihren Spaß.

    Spaniens Kronprinz Felipe schlug sich kurz nach dem Abpfiff begeistert auf die Schenkel. Und Italiens 86 Jahre alter Staatspräsident Giorgio Napolitano eilte sofort in die Kabine, um seinen Azzurri zu gratulieren.

    "Das war für mich eines der besten Auftakt-Spiele", zollte auch TV-Experte Oliver Kahn den beiden letzten Weltmeistern nach ihrem ersten Auftritt in der Gruppe C höchste Anerkennung.

    Nach 14 Pflichtspielsiegen in Serie war Spanien gegen eine enorm widerspenstige Squadra Azzurra nicht über ein 1:1 hinaus gekommen. Das Remis in einem hochkarätigen und leidenschaftlich geführten Spiel spiegelte absolut die Kräfteverhältnisse wider.

    Das Resultat war es auch nicht, was die Spanier auf die Palme brachte. Es war dafür der Rasen im Stadion von Danzig, der vor dem Anpfiff nicht gesprengt worden war. Trainer Vicente del Bosque bemängelte, dass das trockene Gras keinen richtigen Fußball zugelassen habe. Sein Spielmacher Xavi kritisierte: "Das war eine Schande. Es war zu trocken. Man muss einen Platz gießen, um guten Fußball zu sehen. Das beeinflusst die Ballkontrolle, das Passspiel und das Dribbling. Es ist schade für Spanien."

    Spanien erwägt nun, bei der UEFA offiziell Protest einzulegen. "Wir überlegen das", sagte Antonio Bustillo, der Verbands-Pressechef. Doch selbst wenn der Protest abgeschmettert wird, wovon auszugehen ist, hat der Titelverteidiger nichts verloren.

    "Remis ist nicht schlecht"

    "Das war ein schweres Spiel gegen den schwersten Gruppengegner. Das Remis ist nicht schlecht, mit zwei Siegen können wir noch immer Gruppensieger werden", stellte Cesc Fabregas, der als Stürmer für den verletzten David Villa auflief, richtig fest und ergänzte: "Wir haben Charakter gezeigt."

    Die Italiener hatten es den "Tiki-Taka-Künstlern" wahrlich schwer gemacht, sich nicht versteckt und zahlreiche Chancen kreiert. Antonio Di Natale (61. Minute) schoss die Squadra nach einem Traumpass des genialen Spielmachers Andrea Pirlo verdient in Führung. Stürmer-Notlösung Fabregas glich nach Zuckerpass von David Silva (64.) für die Selección aus.

    "Wir haben einen Punkt gewonnen und nicht zwei verloren", analysierte Spaniens Kapitän und Keeper Iker Casillas. Alt-Star Pirlo urteilte ähnlich: "Es war wichtig, dass wir nicht verloren haben. Mit dem Start können wir zufrieden sein."

    Italien versteckt sich nicht

    Ein wenig überraschend war die Leistung der Italiener schon, wurden sie in der Vorbereitung auf das Turnier doch von Wettskandalen und der Affäre um ihren Torwart und Kapitän Gianluigi Buffon gestört. Aber: Sie überzeugten mit taktischem Geschick, kluger Raumaufteilung und eben erfrischendem Offensivdrang. Gerade deshalb konnten die Spanier nicht wie gewohnt ihr schwindelerregendes Kombinationsspiel aufziehen. "Italien war beeindruckend", urteilte Abwehrchef Sergio Ramos.

    Die große Qualität im Mittelfeld könnte zu Italiens großem Plus im Turnier werden. Ein Mitfavorit ist die Mannschaft von Trainer Cesare Prandelli nun sowieso.

    "Wir wollten nicht nur hinten drinstehen, wir haben ein gutes Spiel gemacht. Wir waren physisch und mental gut drauf. Wir waren überrascht, dass Spanien ohne echten Stürmer gespielt hat. Es war ein sehr intensives Spiel", bilanzierte Prandelli.

    Er weiß, dass sein Team alle Chancen hat. Die Spanier haben es am eigenen Leib erfahren.

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