"Rossija, Rossija", brüllten die rund 1000 russischen Fans in der Arena, als die Gymnastik-Königin mit der Schwierigkeit 9,9 mit dem Reifen alles bisher Dagewesene toppte. An jedem einzelnen der vier Handgeräte war Kanajewa besser als die Konkurrenz. Sie siegte am Ende mit 116,900 Punkten im Vierkampf deutlich vor ihrer Teamgefährtin Daria Dmitrijewa (114,500), die der seit 2007 dominierenden Olympiasiegerin im Vorkampf noch Paroli geboten hatte. Es war der vierte russische Olympia-Erfolg in Serie.
Für den Rest der Gymnastik-Welt ging es angesichts der Überlegenheit der russischen Gymnastik-Schule nur um Platz drei. Den sicherte sich Ljubow Tscharkaschina aus Weißrussland mit 111,700 Punkten. Vor Freude küsste sie die Matte und ließ ihren Tränen freien Lauf.
Perfekte Streckungen, extreme Windungen des biegsamen Körpers und eine unvorstellbare Sicherheit bei der Handhabung der Geräte - bei jeder ihrer Übungen merkte man Kanajewa an, dass sie sich seit Jahren nur auf das eine Ziel konzentriert hatte. Nach ihrem Erfolg im Vorkampf war die Russin noch kopfschüttelnd an der wartenden Journalistenreihe in der Mixed-Zone vorbeistolziert und wollte kein Urteil abgeben, bis der von allen erwartete Sieg endlich feststand.
Berezko-Marggrander nicht im Finale
Mit sechs Jahren stand Kanajewa in ihrer Geburtsstadt Omsk das erste Mal auf der Gymnastik-Matte, sechs Jahre später wurde sie nach Moskau ins Leistungszentrum delegiert. In London ist die russische "Sportlerin des Jahres" 2009 nun auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahn angelangt und darf sich auf einen erneuten Geldregen freuen. In ihrer Heimat gibt es kaum eine olympische Sportart, die populärer und daher besser vermarktbar ist.
Die einzige deutsche Gymnastin Jana Berezko-Marggrander hatte das Finale als 17. des Vorkampfes verfehlt. Nach stabiler Leistung an drei Handgeräten kostete sie ein gravierender Fehler mit dem Band eine bessere Platzierung. "Es waren trotzdem tolle Spiele für mich", meinte die erst 16-jährige Schülerin aus Schmiden.
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