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    In Köln regiert weiter das Chaos

    Platz 16, 58 Gegentore, weder Sportdirektor noch Präsident und der Trainer ist angezählt - der FC Köln steht mal wieder einen Schritt vor dem Abgrund. 28 Trainer hat der Klub in 29 Jahren verschlissen und auch jetzt könnte man von Kontinuität und langfristigen Konzepten nicht weiter entfernt sein.

    Von Petra Philippsen

    Am Samstag kokettierte Stale Solbakken noch mit seinem Rauswurf. Als während der Pressekonferenz sein Mobiltelefon klingelte, scherzte der FC-Trainer, "das ist meine Frau, die wissen möchte, ob ich morgen noch eine Arbeit habe". Beinahe hätte sich die Befürchtung von Frau Solbakken bewahrheitet, denn nach einer Krisensitzung am Sonntag wurde in einigen Kölner Medien bereits die Entlassung des Norwegers verkündet. Vorschnell, wie sich wenig später zeigte. Doch man gab sich große Mühe, zu betonen, dass es sich dabei keineswegs um einen Aprilscherz seitens des Vereins handele.

    "Der Verein zieht das Chaos an"

    Dabei war mit dem Trainer eigentlich schon ein Schuldiger für die rheinische Misere gefunden. FC-Ikone Lukas Podolski hatte schlicht festgestellt: "Wir spielen keinen Fußball." In der Rückrunde hatte Köln nur gegen Kaiserslautern und Berlin gewonnen, weist zudem die schlechteste Tordifferenz der Liga auf. Und auf der Rückfahrt von Augsburg soll Geschäftsführer Claus Horstmann die Spieler im Bus in einer Brandrede beschimpft haben: "Ihr seid keine Kerle, ihr seid Memmen, ihr könnt direkt die Kapitulation unterschreiben." Fans hatten ihnen beim Sonntagstraining Lollis entgegengeworfen und sie aufgefordert: "Hebt auf, ihr Lutscher".

    Alles kein guter Arbeitsnachweis für den umstrittenen Trainer, dem vielleicht aber auch ein wenig das Schicksal in die Hände spielte. Denn für eine Entlassung des sportlichen Übungsleiters fehlt den Kölnern schlichtweg das Personal. Seit der Entmachtung Volker Finkes fehlt dem FC der Sportdirektor, und seit dem Rücktritt von Wolfgang Overath im November 2011 auch der Präsident. Ein neuer wird erst am 23. April gewählt und an diesem späten Termin wollte man auch nicht rütteln, auch wenn es dann schon zu spät sein könnte.

    Köln mit 28 Trainern in 29 Jahren

    Aber das ist ja nichts Neues am Rhein. "Der Verein zieht das Chaos an", erklärte Trainer-Legende Udo Lattek gegenüber der "Sportbild", "echte Kölner wissen nicht mehr, was sie mit dem Klub anfangen sollen." Lattek zählt zu den 28 Trainern, die die Kölner in den letzten 29 Jahren verpflichtet haben. Von Kontinuität und langfristigen Konzepten könnte man in diesem Verein nicht weiter entfernt sein. Machtkämpfe, Ärger und interne Querelen stehen an der Tagesordnung, und die Erfolge sind Jahrzehnte her. Rinus Michels war 1983 mit dem Pokalsieg der letzte, der einen Titel für den FC verbuchen konnte.

    Nun steht man mit mageren 28 Punkten auf Rang 16, müsste Relegation spielen und ein Abstieg wäre kaum überraschend. Es wäre seit dem Pokalsieg bereits der fünfte des Vereins, aber Besserung war auch nach dem Wiederaufstieg nie lange angesagt. 1991/92 schaffte es die Kölner am Saisonende auf Rang vier, ansonsten waren sie nie besser als Zehnter. Zu wenig bei den extrem hohen Ansprüchen, die im und um den Klub herum stets gefordert werden. Lattek glaubt, "ein Abstieg wäre eine Chance, etwas Neues für die Zukunft aufzubauen". Doch derzeit deutet angesichts der Personal-Kabbeleien nichts darauf hin, dass es künftig beim FC anders laufen wird, als in der Vergangenheit. Führungslos steuern die Kölner dem Abgrund entgegen.

    Solbakken greift durch

    Und Solbakken versucht nach dem Fast-Aus am Sonntag nun mit harter Hand durchzugreifen, denn Horstmann hatte in seiner Rede "drastische Änderungen" gefordert. Also sortierte er vor der Partie gegen Werder Bremen gleich vier unwillige Profis aus. Anstatt ins Trainingslager mitzufahren, müssen Milivoje Novakovic, Andrezinho, Kevin Pezzoni und Petit mit den unterklassigen Mannschaften am Geißbockheim arbeiten. "Es bringt nichts, mit ihnen zu reden, wenn sie enttäuscht sind, dies ist nicht der richtige Zeitpunkt. Sie sollen in Ruhe nachdenken", sagte Solbakken. Auch Kapitän Pedro Geromel wurde öffentlich angezählt, durfte aber bleiben.

    Doch Ruhe dürfte so bald nicht beim FC einkehren, es wäre auch ein Novum in der Vereinsgeschichte. Schließlich kann auch Solbakken die interne Struktur nicht über Nacht ändern. "Es gibt viele Informanten, und das ist schlecht. Das sind aber nicht nur die Spieler, sondern der ganze Verein", ärgerte sich der Norweger. Bei der Stellenausschreibung hätte er damals wohl etwas genauer hinschauen sollen.

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