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    Italien-Fluch bleibt: Tränen statt Finale

    Die Enttäuschung ist groß, der Titeltraum ist geplatzt. Beim Halbfinale gegen Italien hatte Joachim Löw dieses Mal kein glückliches Händchen. Mit drei Veränderungen in der Startelf schickte er sein Team auf den Platz und musste gegen die "Squadra Azzurra" eine bittere 1:2-Niederlage einstecken.

    Nach dem Schlusspfiff sackten die deutschen Spieler auf dem Rasen zusammen. Resignation und Frust machten sich breit. Soeben hatte die Nationalelf wieder einmal gegen Angstgegner Italien verloren und damit alle Hoffnungen auf den ersten Titel seit 16 Jahren begraben.

    Der Griff in die Trickkiste ging völlig daneben. Bundestrainer Löw hatte sich verzockt. Während sein Matchplan in den ersten vier Spielen funktionierte, diktierte in diesem Halbfinale nicht Deutschland, sondern Italien das Spiel und machte mit einem Doppelschlag von Mario Balotelli (20./36.) alles klar.

    Löw überrascht mit Kroos

    "Wir sind natürlich enttäuscht und traurig, dass wir das Spiel verloren haben. Wir hätten durchaus auch die Möglichkeit gehabt, in Führung zu gehen. Aber die Gegentore hätten nicht passieren dürfen", erklärte Bastian Schweinsteiger, bevor er mit hängendem Kopf aus dem Stadion schlich.

    Vor dem Anpfiff hatte Löw seine Mannschaft mit Mario Gomez, Lukas Podolski und Toni Kroos im Gegensatz zum Griechenland-Spiel auf drei Positionen umgestellt. Vor allem der Einsatz von Kroos, der im Mittelfeld Italiens Superstar Andrea Pirlo neutralisieren sollte, überraschte.

    "Ich denke nicht, dass mich der Trainer nur wegen Pirlo gebracht hat. Er wusste, dass ich im Halbfinale mit meiner Ballsicherheit und meiner Abschlussstärke wichtig sein kann - und teilweise ist das auch ganz gut gelungen", meinte Kroos gegenüber eurosport.yahoo.de.

    DFB-Abwehr schwindlig gespielt

    Mit dem Einsatz des Bayern-Profis, der vor 55.540 Zuschauern in Warschau sein erstes EM-Spiel von Beginn an absolvierte, hatte Löw zwar den Gegner aus Italien überrascht, aber zugleich auch die Ordnung in der eigenen Mannschaft durcheinandergewirbelt.

    Im Kampf der Systeme bestimmte die "Squadra Azzurra" (4-1-3-2) mit zwei Stürmern das Tempo. Antonio Cassano und Balotelli spielten Mats Hummels, Holger Badstuber und Philipp Lahm regelrecht schwindlig. Die deutsche Defensive wirkte bei den Gegentoren äußerst unglücklich.

    "Wir haben das getan, womit wir dachten, dass wir Deutschland unter Druck setzen könnten. Wir haben gezeigt, dass wir gut spielen können und nun ist mit uns zu rechnen. Die Karriere von Balotelli geht jetzt erst richtig los“, strahlte Trainer Cesare Prandelli nach dem Sieg.

    Italien im Finale gegen Spanien

    Obwohl Löw zur Pause reagierte und mit Miroslav Klose sowie Marco Reus frischen Wind ins Spiel brachte, blieb der erhoffte Anschlusstreffer vorerst aus. Das DFB-Team entfachte zwar mehr Druck, doch das 1:2 durch Mesut Özil fiel erst durch einen Elfmeter in der Nachspielzeit.

    Der Italien-Fluch geht weiter - und damit die Negativserie der Nationalelf, die bei einer Fußball-WM oder EM noch nie gegen den vierfachen Weltmeister gewinnen konnte. Zudem scheiterte die Revanche für das Halbfinal-Aus 2006, als Italien das deutsche Sommermärchen beendete.

    Damit kommt es im EM-Finale zum Duell zwischen Titelverteidiger Spanien und der "Squadra Azzurra". Deutschland hingegen muss seit 1996 weiter auf den nächsten Titel bei einem großen Turnier warten. "Dass wir heute enttäuscht sind, ist ganz klar", sagte Philipp Lahm.

    Schweinsteiger: "Es ist, wie es ist"

    "Wir spielen auf Top-Niveau und treffen auf Top-Gegner. Da kann es einmal in diese Richtung und einmal in diese Richtung gehen. Es liegt nicht an unserer Generation, denn Deutschland hat noch nie gegen Italien gewonnen hat. Anscheinend geht ein EM- oder ein WM-Titel nur über Italien."

    Neben Lahm, der nach dem Spiel noch zur Doping-Kontrolle musste und den DFB-Bus verpasste, hatte auch Schweinsteiger mit seiner Enttäuschung zu kämpfen. Nach dem Schlusspfiff hat es in der Kabine sogar Tränen gegeben. Aber Schweinsteiger ist Realist.

    "Wir hatten uns mehr erhofft, aber es ist nun mal, wie es ist", so der 27-Jährige zum zerplatzten Titeltraum. "Es geht aber immer weiter."

    Die Daten zum Spiel:

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