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    Hummels: "Wer nicht spielt, ist enttäuscht"

    Kein Stammplatz, aber viel Zuversicht. Im Interview mit Eurosport äußert sich Mats Hummels zum EM-Start gegen Portugal, seinen Chancen im DFB-Team und Bundestrainer Joachim Löw. Zudem erklärt der 23 Jahre alte Innenverteidiger, warum er seinen Vertrag bei Borussia Dortmund bis 2017 verlängert hat.

    Vom DFB-Team berichtet Dirk Adam (Twitter: @dirk_adam)

    Wie groß ist die Anspannung vor dem Portugal-Spiel?

    Mats Hummels: Die Anspannung kommt nach und nach. Das merkt man schon. Natürlich ist die Lockerheit immer da, wenn man die Charaktere hier sieht und kennt. Aber je näher das Spiel rückt, desto mehr Wettkampfstimmung, Freude und Spannung kommt auf.

    Muss sich Deutschland vor allem auf Cristiano Ronaldo konzentrieren?

    Hummels: Nein. Wenn man die gesamte Mannschaft betrachtet, dann sieht man, dass Portugal individuell unglaublich gut besetzt ist. Eigentlich müsste das Team noch viel mehr aus sich herausholen, als es die letzten Jahre gemacht hat. Aber das ist auch die Kunst, dass man die starken Spieler aus den Vereinen zusammenfügt.

    Wie läuft die Vorbereitung? Zeigen Ihnen die Scouts ein Video?

    Hummels: Nein, denn es ist ja nicht so, dass wir gegen eine komplett unbekannte Mannschaft spielen. Ich schaue viel Fußball, deshalb kenne ich auch die offensiven Spieler bei Portugal, aber zum größten Teil auch alle anderen. Aber sollten einmal ein paar Überraschungen dabei sein, dann muss man sich das vielleicht doch noch einmal anschauen. Wenn ich einen Spieler nicht so gut kenne, dann gebe ich seinen Namen bei Youtube ein. Da sehe ich, wo er seine Stärken hat.

    Im Moment wissen Sie nicht, ob Sie spielen. Wie bereiten Sie sich auf die Begegnung vor?

    Hummels: Unabhängig davon, ob man von Anfang an spielt oder nicht, kann es immer passieren, dass man schnell reinkommt, weil man gebraucht wird. Vielleicht ist das auch nicht der Fall. Aber ich glaube, wenn man sich darauf nicht gut vor bereitet, dann tut man weder sich noch der Mannschaft etwas Gutes.

    Würden Sie es akzeptieren, wenn der Trainer auf Per Mertesacker setzt?

    Hummels: Zuerst muss ich sagen, dass mir nichts anderes übrig bleibt. Natürlich würde ich das auch akzeptieren. Es ist auch klar, dass da eine Entscheidung fallen wird. Jeder hat jetzt genügend Zeit gehabt, sich in den Vordergrund zu spielen und zu zeigen, was er kann. Deshalb denke ich, dass die Entscheidung auf einem guten Fundament aufbaut.

    Was für ein Gefühl haben Sie?

    Hummels: Die Chancen stehen 50:50. Es ist nicht so, dass ich denke, dass ich auf keinen Fall spiele. Ich denke auch nicht, dass ich es sicher habe. Es ist alles möglich. Vielleicht ist es noch nicht einmal entschieden, aber es ist immer schwierig in den Trainer reinzuschauen. Aber es wird auf jeden Fall interessant. Ich glaube, da eine Entscheidung zu fällen, ist nicht einfach.

    Wie groß wäre die Enttäuschung, wenn Sie nicht spielen?

    Hummels: Jeder, der nicht spielt, ist irgendwo enttäuscht. Das gilt auch für mich. Denn ich spiele Fußball, damit ich spielen kann. Es ist ein langes Turnier. Es kann noch viel passieren, selbst wenn man nicht von Anfang an spielt. Alles andere ist Sport und das muss man akzeptieren. Es ist nicht so, dass die anderen nichts können. Das sind auch richtig gute Spieler. Deshalb ist es für alle die einzige Möglichkeit zu sagen, OK der Trainer findet einen anderen Spieler besser, aber ich habe theoretisch noch die Chance, mich in der Defensive aufzudrängen. Sollte Not am Mann sein, muss man da sein.

    Beim BVB sind Sie ein Star, in der Nationalmannschaft gab's zuletzt schwierige Momente. Wie gehen Sie damit um?

    Hummels: Es ist klar, dass ich in Dortmund ein anderes Standing habe. Aber es dauert auch, sich so etwas zu erarbeiten. Gerade in der Nationalmannschaft. Von den EM-Qualifikationsspielen habe ich knapp die Hälfte bestritten, ansonsten waren viele Freundschaftsspiele dabei. Ich bin erst 23 Jahre alt und noch nicht am Ende meiner Karriere angelangt.

    War es für Sie klar, dass Sie bis 2017 in Dortmund bleiben?

    Hummels: Ich habe überlegt und gebe zu, dass es auch ein schönes verlockendes Angebot gab. Aber Dortmund verlassen, war nicht drin für mich. Beim BVB ist es anders als bei anderen Vereinen: Wie wir miteinander umgehen und auch die Art Fußball, die wir spielen ist exakt die Art, die ich mir wünsche. Deswegen habe ich noch einige Jahre Lust so zu spielen und weiter so erfolgreich zu sein, wie wir es momentan sind. Wenn man ins Ausland geht, sollte man schon ein gewisses Standing haben, damit man da nicht komplett untergeht, wenn es mal nicht funktioniert.

    Haben Sie einen Karriereplan?

    Hummels: Einen Karriereplan habe ich nicht. Es ist schon so, dass das Ausland interessant ist, aber jetzt habe ich die Entscheidung getroffen, dass es noch zu früh ist. Und wenn, dann sind es nur drei Vereine, die für mich interessant wären. Das sind Real Madrid, der FC Barcelona und Manchester United.

    Viele Experten halten Sie für den besten Innenverteidiger in Deutschland?

    Hummels: Das ist natürlich schön für mich, wenn Experten oder ehemalige Stars das sagen. Aber die einzig relevante Meinung ist die hier vom Bundestrainer, der die Entscheidung trifft.

    Was ist Joachim Löw für ein Typ?

    Hummels: Er ist ein ruhiger und sachlicher Trainer, der einschätzen kann, wie der Spieler sich fühlt. Das ist wichtig, wenn man sich in den Spieler hineinversetzen kann. Dass man weiß, was ein Spieler denkt und wo vielleicht seine Probleme liegen.

    Wo sehen Sie Ihre Position in der Innenverteidigung?

    Hummels: Ich denke, dass Holger Badstuber auf der linken Innenverteidigerposition spielt. Die Entscheidung, die gefällt werden muss, ist, ob Per oder ich neben ihm spiele. Ob ich halb links oder halb rechts spiele, macht keinen Unterschied.

    Also würden Sie sich nicht auf die linke Seite festlegen?

    Hummels: Nein, denn ich denke, dass das damals auch Zufall war, als Jürgen Klopp bestimmt hat, einer spielt links und einer spielt rechts. Er musste sich festlegen und danach habe ich auf der linken Seite gespielt.

    Wie groß ist der Wunsch nach dem EM-Titel?

    Hummels: Der Wunsch ist natürlich riesengroß. Das steht nicht zur Debatte. Dass dieses Thema aber so stark thematisiert wird, ist nicht unbedingt hilfreich, und genauso, wenn so getan wird, als sei alles andere kein Erfolg mehr. Wenn man alleine die Gruppe sieht, sind das drei richtige Kracher. Das ist also eine richtige Hausnummer. Danach könnten die Polen warten - im eigenen Land mit einer richtig guten Mannschaft. Es wird schwer und bleibt immer spannend. Einen Titelgewinn als Pflichtaufgabe auszurufen, wie das teilweise in der Öffentlichkeit rüberkommt, ist daher schon eine große Herausforderung.

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