Gegen den Erzrivalen Deutschland ist der Vizeweltmeister zum Siegen verdammt, sonst ist die EM für die hoch gehandelte Elftal eventuell schon vorbei - und die Diskussionen in den Niederlanden gehen erst richtig los.
Sowohl Trainer Bert van Marwijk als auch Spielmacher Wesley Sneijder war die Anspannung bei der Abschluss-Pressekonferenz am Dienstagabend im Metalist-Stadion anzumerken. "Natürlich ist der Druck groß. Und wenn man verliert, gibt es auch viel Kritik in der Heimat. Das ist normal, irritiert aber ein bisschen", gab der Bondscoach zu.
Atmosphärische Störungen im Team wies er aber zurück: "Die Stimmung in der Mannschaft ist gut", behauptete der Trainer.
Robben: "fünf vor zwölf"
Deutschland sei eine der "besten Mannschaften" und gehöre zu den Turnierfavoriten, sagte Sneijder. "Aber wir auch. Deshalb freue ich mich auf das Spiel. Es gibt nichts besseres als gegen Deutschland zu spielen", meinte der Oranje-Regisseur. Wie der Trainer glaube er an die eigenen Qualitäten in der Elftal: "Wir haben gegen Dänemark trotz der Niederlage gut gespielt und viele Chancen kreiert. Nur die Fehler dürfen nicht wieder passieren."
Für Arjen Robben ist es schon "fünf vor zwölf", wie er dem "Algemeen Dagblad" verriet. Der Flügelflitzer ist gegen seine Clubkollegen vom FC Bayern München besonders heiß, von einer weiteren Niederlage will der 28-Jährige nichts wissen. "Wir müssen gegen Deutschland gewinnen und dazu sind wir auch in der Lage."
Unzufriedenheit im Kader
Doch die Lage im orangenen Lager ist angespannt. Während die DFB-Elf nach dem Auftaktsieg gegen Portugal selbstbewusst in Charkow gereist waren, hatten die Niederländer einen Haufen Probleme im Gepäck. Es brodelt und knistert im Team. Die zu Ersatzspielern degradierten Stars wie Rafael van der Vaart oder Dirk Kuyt haben ihren Unmut über ihre EM-Nebenrolle bereits öffentlich kundgetan. Van Marwijk gab am Dienstag zu, dass er "vom ersten Tag" an versuche, seinen Spielern Egoismus auszutreiben.
Vor allem die Dauerdiskussion um Robin van Persie und Klaas-Jan Huntelaar störte die Vorbereitung auf den Showdown gegen die DFB-Elf. Dass die beiden Super-Torjäger selbst nicht öffentlich reden, befeuert die Spekulationen um den brüchigen Mannschaftsfrieden zusätzlich. Sneijder sprach daher vor dem "Alles-oder-Nichts-Spiel" auch ein Machtwort: "Wir sind hierhergekommen, um Europameister zu werden und das können wir immer noch schaffen. Wir müssen nun zeigen, wie stark wir als Gruppe sind", sagte der Mittelfeldspieler von Inter Mailand der Tageszeitung "De Telegraaf".
Geschlossenheit wird gefordert
Auch Robben hat genug vom ständigen Gerede. "Das einzige, was zählt, ist die Mannschaft. Dem müssen sich alle unterordnen." Der Münchner hat leicht reden, ist er doch bei Trainer Bert van Marwijk unumstritten. Für van der Vaart und Co. ist die Lage anders, weil der Bondscoach stur an seiner Linie festhält. "Das ist schön für die, die Stammspieler sind, aber nicht, wenn du auf der Bank sitzt", sagte der ehemalige Profi vom Hamburger SV.
Robben fordert dennoch Geschlossenheit. Schließlich will der Dreifach-Vize mit den Bayern jetzt nicht das nächste Fiasko mit der Elftal erleben: "Der einzige Gedanke, der in allen Köpfen sein muss, ist: Der Mittwoch gehört uns", betonte der 28-Jährige kämpferisch.
Auch wenn die Stimmung im Teamquartier im polnischen Krakau schlechter ist als bei der WM 2010 in Südafrika - an Selbstvertrauen mangelt es den Oranje-Stars nach wie vor nicht. "Fußballerisch sind wir besser", sagten van der Vaart und Robben unisono. Wenn er die sehr guten Spieler in der deutschen Mannschaft aufzählen müsse, "dann komme ich auf drei: Özil, Götze und Schweinsteiger", so van der Vaart im Magazin "NUsport". Das 0:3 im Test im November soll kein Maßstab sein. "Das war ein Unfall." Auch van Marwijk meinte, dass nun andere Voraussetzungen herrschten: "Jetzt ist es kein Freundschaftsspiel und wir sind komplett. Damals haben einige Spieler bei uns gefehlt."

Video: Oranje unter Zugzwang
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