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    Handball - Haaß gibt Comeback, Kraus "spielt keine Rolle"

    Die Zeit der Entscheidungen ist gekommen für das deutsche Nationalteam. Eine hat Bundestrainer Martin Heuberger bereits gefällt: Michael Kraus spielt vorerst "keine Rolle" in der DHB-Auswahl. Dagegen wird Michael Haaß nach langer Pause wieder für Deutschland auflaufen. Die erste sportliche Entscheidung fällt am 1. November beim EM-Qualifikationsspiel gegen Montenegro (19:00 live bei Eurosport).

    Martin Heuberger hat seine Spieler vor dem ersten EM-Qualifikationsspiel in Mannheim vor Gegner Montenegro gewarnt. "Montenegro hat Stärke. Das haben sie eindrucksvoll unter Beweis gestellt, indem sie den Vize-Olympiasieger Schweden aus dem Rennen um die Weltmeisterschaft geworfen haben", so der Bundestrainer.

    Trotz geringer Vorbereitungszeit ist er zuversichtlich. "Ich glaube schon, dass wir mit einer entsprechenden Leistungsstärke das Spiel auch für uns entscheiden können." Heuberger habe versucht, "die Mannschaft so gut es geht, auf diese Aufgabe vorzubereiten. Die Montenegriner haben einen wurfstarken Rückraum und spielen eine unangenehme 3-2-1 Abwehr, darauf muss man vorbereitet sein."

    Haaß als Regisseur gefordert

    Mit der Mannheimer SAP-Arena ist Michael Haaß vertraut. Im Jahr des letzten WM-Erfolgs der DHB-Auswahl 2007 trug er als frischgebackener Nationalspieler auch das Trikot der Rhein-Neckar Löwen, die dort ihre Heimspiele austragen. Damals war Haaß noch Student der Elektrotechnik. Und damals hieß der aktuelle Tabellenführer der Handball-Bundesliga - vor seiner Umbenennung - noch SG Kronau/Östringen.

    An alter Wirkungsstätte will der 28 Jahre alte Rückraumspieler nun als Kapitän und Regisseur wieder die DHB-Auswahl anführen. Die quälende Leidenszeit nach dem Bruch seines rechten Sprunggelenks am 25. Januar bei der EM in Serbien ist vorbei.

    "Wenn man neun Monate nicht dabei war, freut man sich wieder auf das erste Länderspiel", sagte Haaß. "Jetzt müssen wir das ganze nur noch erfolgreich gestalten." Haaß kommt nach eigenen Angaben "von Woche zu Woche und von Spiel zu Spiel" besser in Form. Er bemerkt nach seiner ersten größeren Verletzung als Profi aber natürlich die fehlende Spielpraxis. "Ich kämpfe jeden Tag und ich denke, ich bin auf einem guten Weg."

    "Das war eine Bauchentscheidung"

    Bereits beim Test gegen Serbien am 22. und 23. September hätte Haaß in Schwerin und Rostock wieder internationale Sicherheit gewinnen sollen. Ein Todesfall in der Familie verhinderte jedoch den geplanten Einsatz. Für Bundestrainer Heuberger ist der Kapitän von Frisch Auf Göppingen in der Planung für die EM in Dänemark (12. bis 26. Januar 2014) nach wie vor eine zentrale Figur. Schließlich war der auch beim letzten EM-Auftritt der Deutschen in Serbien eine feste Größe. Und die soll er nach dem Willen des Bundestrainers auch wieder werden.

    "Ich glaube, Michael Haaß ist nach seiner langwierigen Verletzung noch nicht da, wo er in Serbien war", sagte Heuberger. "Ich denke, es wird ihm mit jedem Spiel besser gelingen, an seine alte Leistungsstärke heranzukommen." Dann spiele Haaß auch wieder in der Abwehr und im Angriff eine zentrale Rolle - so wie früher.

    Auch der Wechsel zum SC Magdeburg 2013 soll wieder frischen Wind in die Karriere von Haaß bringen. Eine Aufbruchstimmung habe er da gespürt, sagte der Weltmeister. "Das war einfach eine Bauchentscheidung. Ich hatte das Gefühl, dass ich noch einmal eine Veränderung, eine neue Herausforderung brauche", meinte er. Eine schwere Aufgabe wird auch das Duell gegen Montenegro. Haaß verspricht: "Wir werden Vollgas geben."

    "Kraus spielt keine Rolle"

    Einem baldigen Comeback von Michael Kraus im Nationalteam hat Heuberger derweil eine Absage erteilt. Der 29-Jährige spiele derzeit "keine Rolle".

    Und das, obwohl der 29 Jahre alte Rückraumspieler zuletzt beim HSV Hamburg mit starken Leistungen auf sich aufmerksam gemacht hatte.

    "Momentan spielt er keine Rolle", so Heuberger. "Er muss sich die Frage stellen, warum er in den vergangenen zwei Jahren nicht dabei war. In dieser Zeit hat auch er Fehler gemacht. Aber das weiß er auch", sagte Heuberger, der erst nach den kommenden Spiele wieder den Kontakt zu Kraus suchen will.

    Auch DHB-Sportmanager Heiner Brand sieht Kraus noch längst nicht wieder im Trikot der DHB-Auswahl. "Er hat Qualitäten, aber die muss er jetzt erstmal wieder über einen längeren Zeitraum zeigen. Er hat in der Vergangenheit viel geschludert", sagte der ehemalige Bundestrainer dem Sport-Informations-Dienst (SID). Dass Kraus mit seinem Wunsch nach einer Nominierung an die Öffentlichkeit gegangen ist, findet Brand zudem "nicht richtig".

    Motivation ja, Druck nein

    Der Weltmeister von 2007 hatte seinen Wunsch nach einer Rückkehr in die Handball-Nationalmannschaft zuletzt öffentlich bekräftigt. "Die WM im Januar in Spanien ist mein großes Ziel", hatte Kraus im Gespräch mit dem SID gesagt: "Ich hoffe, dass Martin Heuberger mich demnächst anruft. Mit meiner jetzigen Form kann ich der Mannschaft helfen." Doch beim Auftakt in die Qualifikation muss das Team zunächst ohne ihn auskommen.

    Trotz der enttäuschenden EM 2012 in Serbien, als die DHB-Auswahl bereits nach der Hauptrunde ausschied, und der damit verpassten Qualifikation für die Olympischen Spiele in London sieht sich Heuberger in der EM-Quali nicht unter Druck. "Ich spüre nur die Motivation, mit dieser Mannschaft erfolgreich zu sein", sagte Heuberger dem SID. Auch Kapitän Oliver Roggisch gab sich optimistisch: "Es liegt an uns. Wenn wir unsere Leistung bringen, sollten wir auch gewinnen."

    Das deutsche Aufgebot für die EM-Quali:

    Tor: Silvio Heinevetter (Füchse Berlin, 79/-), Carsten Lichtlein (TBV Lemgo, 154/1), Martin Ziemer (TSV Hannover-Burgdorf, 9/-)

    Feld: Uwe Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen, 77/286), Oliver Roggisch (Rhein-Neckar Löwen, 178/35), Michael Müller (HSG Wetzlar, 53/120), Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen, 38/80), Patrick Wiencek (THW Kiel, 25/32), Sven-Sören Christophersen (Füchse Berlin, 78/128), Felix Danner (MT Melsungen, 4/6), Markus Richwien (Füchse Berlin, 15/33), Dominik Klein (THW Kiel, 151/286), Lars Kaufmann (SG Flensburg-Handewitt, 133/324), Steffen Weinhold (SG Flensburg-Handewitt, 29/50), Stefan Kneer (SC Magdeburg, 23/37), Michael Haaß (Frisch Auf Göppingen, 93/138), Martin Strobel (TBV Lemgo, 64/76), Adrian Pfahl (VfL Gummersbach, 40/113)

    Reserve: Tobias Reichmann (HSG Wetzlar, 4/12), Evgeni Pevnov (Füchse Berlin, 2/1), Kai Häfner (HBW Balingen-Weilstetten, 4/8), Christoph Theuerkauf (HBW Balingen-Weilstetten, 41/85), Jens Bechtloff (TBV Lemgo, 4/3)

    TV-Tipp:

    Die deutsche Nationalmannschaft kämpft um das Ticket zur EM 2014. Eurosport überträgt die Qualifikationspartien gegen Montenegro (1. November, 19:00 Uhr) und in Israel (4. November, 18:00) LIVE im TV und im Eurosport Player.

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