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    Grand Prix Malaysia - Cortese rast zum WM-Titel

    Sandro Cortese ist erster Motorrad-Weltmeister in der neuen Moto3-Klasse. Der Berkheimer krönte in Malaysia ein überragendes Jahr und gewann den drittletzten Grand Prix der Saison. In Sepang setzte sich Cortese vor seinem KTM-Team-Kollegen Zulfahmi Khairuddin durch. Dieser holte den ersten Podestplatz für einen malaysischen Rennfahrer. Rang drei sicherte sich Jonas Folger aus Schwindegg.

    Den Reifenpoker bei 50 Grad Asphalttemperatur verlor Luis Salom, der als einziger Cortese-Titelkonkurrent ins Rennen gegangen war. Der Spanier hätte unbedingt gewinnen müssen, um Cortese noch gefährlich werden zu können.

    Doch bei Halbzeit des Rennens ließ der Grip bei Saloms Reifen nach, so dass dieser als Vierter nie eine Chance hatte.

    In der letzten Runde machte Cortese ernst und fuhr nach einem Fehler von Khairuddin den vierten Saisonsieg heraus. "Ich begreife es noch gar nicht richtig", meinte der neue Weltmeister.

    Es brachen alle Dämme

    Die Gratulationscour war für Cortese stressiger als das Rennen. Der Titelgewinn schien in den 45 Minuten von Sepang nie in Gefahr zu geraten. Und als der 22-Jährige vor der letzten Kurve schließlich auch noch in Führung ging und seinen vierten Saisonsieg holte, brachen alle Dämme. Der Jubel über den zweiten WM-Titel eines Deutschen innerhalb von zwölf Monaten kannte keine Grenzen. Weder in Malaysia, noch daheim in Berkheim, wo rund 100 Fans ihren Sandro hochleben ließen.

    "Ich kann es immer noch nicht realisieren. Das wird noch ein paar Tage dauern", meinte Cortese, nachdem in der Box der Schampus bereits in Strömen geflossen war. Doch das war nur der Beginn einer Feiernacht.

    "Wir lassen die Sau raus, das haben sich alle verdient", kündigte der Italo-Schwabe an. Zuvor musste er eine wahre Orgie von Händeschütteln, Schulterklopfen, Umarmungen und Küssen über sich ergehen lassen. Und er tat es gern und mit Genuss. So, wie er bei plötzlich einsetzenden Monsungüssen auch schon die Nationalhymne mit geschlossenen Augen erlebt hatte.

    "Es war der emotionalste Moment meiner Karriere. Endlich bin ich da, wovon ich von frühester Kindheit an geträumt habe. Es ist wahnsinnig schön", offenbarte der KTM-Pilot.

    "Gelitten bis zur letzten Sekunde"

    Die Ausgangsposition hatte sich schon am Freitag vor dem ersten Training entscheidend verbessert, als der bisherige WM-Zweite, Maverick Vinales (Spanien), nach teaminternen Querelen nicht mehr angetreten war. Und als dann während des Rennens auch noch Luis Salom (Spanien) als neuer härtester Rivale um den Titel merkte, dass er sich bei der Reifenwahl verzockt hatte und der Spitzengruppe nicht mehr folgen konnte, war der Titelgewinn perfekt.

    Der Rest war Jubel. Mama Karin und Papa Antonio stürmten über die Strecke, enge Vertraute warteten ungeduldig auf den neuen Champion. Als dieser endlich stoppte, war die Zeit für erste Gratulationen gekommen. In Handumdrehen wurde aus Startnummer elf auf der KTM-Verkleidung eine Eins, ein neuer Helm wurde übergeben und auch die vorbereiteten Weltmeister-T-Shirts waren blitzschnell angezogen.

    "Ich habe gelitten bis zu letzten Sekunde und bis zur letzten Rille. Aber es ist ein unglaubliches Gefühl", sprudelte es aus Karin Cortese heraus, während ihr Mann Antonio mit den Tränen kämpfte.

    "Riesensteine vom Herzen"

    "Es sind Riesensteine, die uns allen vom Herzen fallen. Wir haben immer an Sandro geglaubt. Er war vor dem Rennen sehr ruhig, weil er wusste, dass wir da sind. Er braucht die familiäre Atmosphäre", sagte der Motorsport-verrückte Italiener, der die Karriere seines Sohnes schon im Alter von drei Jahren angeschoben hatte und bis heute sein größter Förderer ist.

    Corteses Freundin Anna, die bei den ersten beiden Saisonsiegen am Sachsenring und in Misano als Glücksbringer fungierte, erlebte derweil beim Public Viewing im heimischen Berkheim die Krönungsfahrt ihres Liebsten. Während der Zieldurchfahrt wurden unzählige Wunderkerzen geschwenkt.

    Teamchef Aki Ajo sah sich für seine Arbeit mit Cortese belohnt. Nachdem beide in der Vergangenheit aneinandergeraten waren und sich getrennt hatten, klappte es im zweiten Versuch. Und so ließ auch der sonst so unterkühlt wirkende Finne seine Freude einfach heraus und umarmte seinen Schützling ein ums andere mal.

    Die beiden ausstehenden Rennen in Australien und Valencia werden für Cortese zu Showauftritten. Gleichzeitig verabschiedet er sich damit aus der Moto3-Klasse, um im nächsten Jahr in der Moto2-Kategorie seine Visitenkarte abzugeben.

    Nach-Folger steht parat

    Um einen potenziellen Nachfolger muss er sich nicht sorgen. Jonas Folger aus Schwindegg bewies auch in Sepang, dass er in der kommenden Saison um den Titel fahren kann. Im Jubel um Cortese ging sein dritter Platz hinter Zulfahmi Khairuddin fast unter. Der Lokalmatador holte den ersten Podestplatz für einen malaysischen Rennfahrer.

    Stefan Bradl freute sich ganz besonders für Cortese. Der Zahlinger, der mittlerweile in die MotoGP-Klasse aufgestiegen ist, war im vergangenen Jahr Moto2-Champion und hatte damit eine 18-jährige deutsche Leidenszeit beendet.

    Bradls Rennen in Sepang war weniger erbaulich. Der Honda-Pilot stürzte bei heftigem Regen und verpasste damit seinen ersten Podestplatz - und das am 42. Geburtstag seines Teamchefs Lucio Cecchinello. Das Rennen wurde wegen der Witterungsbedingungen nach 13 Runden abgebrochen, der Spanier Daniel Pedrosa zum Sieger erklärt. Pedrosa verkürzte den Rückstand auf WM-Spitzenreiter Jorge Lorenzo (Spanien) damit auf 23 Punkte.

    Auch in der Moto2-Klasse wurde die Titelentscheidung vertagt. Im ebenfalls abgebrochenen Rennen stürzte der WM-Führende Marc Marquez (Spanien). Den Sieg holte sich Alex de Angelis aus San Marino.

    Alle deutschen Motorrad-Weltmeister:

    1953: Werner Haas (Klasse bis 125 ccm/Klasse bis 250 ccm) 1954: Werner Haas (Klasse bis 250 ccm) 1955: Hermann-Paul Müller (Klasse bis 250 ccm)

    1962: Ernst Degner (Klasse bis 50 ccm) 1966: Hans-Georg Anscheidt (Klasse bis 50 ccm) 1967: Hans-Georg Anscheidt (Klasse bis 50 ccm) 1968: Hans-Georg Anscheidt (Klasse bis 50 ccm)

    1970: Dieter Braun (Klasse bis 125 ccm) 1973: Dieter Braun (Klasse bis 250 ccm)

    1980: Anton Mang (Klasse bis 250 ccm) 1981: Anton Mang (Klasse bis 250 ccm/Klasse bis 350 ccm) 1982: Anton Mang (Klasse bis 350 ccm) 1987: Anton Mang (Klasse bis 250 ccm)

    1993: Dirk Raudies (Klasse bis 125 ccm)

    2011: Stefan Bradl (Moto2) 2012: Sandro Cortese (Moto3)

    Cortese im Kurzporträt:

    Geboren: 06. Januar 1990 in Ochsenhausen

    Familienstand: ledig

    Größe/Gewicht: 1,69 Meter/63 Kilogramm

    Im Motorradsport seit 1994

    Erstes Rennen: 1997

    Erster Grand Prix: 2006

    Team: KTM

    Erfolge: Weltmeister 2012, Moto3 WM-Vierter 2011, 125ccm 6 Grand-Prix-Siege und 24 Podestplätze bei Grand Prix, 9 Pole Positionen, Deutscher Mini Bike Meister 2002, Europa Pocked Bike Meister 1999

    TV-Tipp:

    Verfolgen Sie 2012 alle Entscheidungen der Tourenwagen-Weltmeisterschaft bei Eurosport und Eurosport 2. Verpassen Sie kein Rennen, wenn Chevrolet, SEAT und BMW um den Sieg kämpfen. Weiter geht’s am 3./4. November in China.

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