13 Jahre ist es her, dass Steffi Graf 1999 in Wimbledon als letzte deutsche Tennisspielerin das Finale eines Grand-Slam-Turniers erreichte.
Doch nun hat der Deutsche Tennisbund erstmals wieder eine Generation mit dem Potenzial, vielleicht schon bei den US Open in die übergroßen Fußstapfen der ehemaligen Nummer eins zu treten.
Frau Graf, welcher Spielerin aus dem Kreis der deutschen Frauen trauen Sie am ehesten den Einzug in ein Grand-Slam-Endspiel zu?
Steffi Graf: Es ist sehr schade, dass Andrea Petkovic in diesem Jahr so ein Verletzungspech hat. Ich hoffe sehr, dass sie dieses Pech nicht weiter verfolgt und dass sie wieder topfit antreten kann, denn generell gebe ich ihr die besten Chancen auf den Einzug in ein Major-Finale und den Titel.
Warum gerade Andrea Petkovic?
Graf: Weil Andrea einfach alles mitbringt, um es ganz nach oben zu schaffen. Das ist mein Eindruck. Und dann kommt natürlich noch ihre spielerische Klasse dazu.
Wie schätzen Sie Sabine Lisicki ein?
Graf: Sie verfügt über ein unglaubliches Talent. Sabine schlägt zum einen hervorragend auf. Was sie aber zudem auszeichnet: Lisicki ist in der Lage, aus jeder Ecke des Platzes die Bälle hart, präzise und in fantastischen Winkeln ins Feld zu spielen.
Mit Julia Görges und Angelique Kerber hat Deutschland inzwischen sogar vier Spielerinnen in der Weltspitze.
Graf: Ja, auch Kerber und Görges haben großes Talent, können sehr weit kommen. Also ich muss unseren Mädels allen ein generelles Lob aussprechen. Wenn noch ein wenig mehr Selbstvertrauen dazukommt, dann haben sie alle das Potenzial für einen Grand-Slam-Titel.
In Österreich sorgt derzeit Tamira Paszek für Furore. Wie beurteilen Sie die Zukunft der 21-Jährigen?
Graf: Für Tamira gilt im Prinzip dasselbe wie das, was ich eben über die Deutschen gesagt habe. Wozu sie imstande ist, hat sie mit dem Turniersieg in Eastbourne und der Viertelfinal-Teilnahme in Wimbledon eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Lassen Sie uns noch zu den Männern kommen, wo Andy Murray der Mann der Stunde ist. Welche Bedeutung hat der Olympiasieg für einen Tennisspieler?
Graf: Zunächst einmal sind die Spiele so oder so ein Highlight. Wenn ich da nur aus eigener Erfahrung an den Einmarsch der Nationen zurückdenke - ein unglaubliches Gefühl. Im Bezug auf Andy Murray bin ich mir sicher, dass die Goldmedaille ein Boost für die gesamte Karriere ist.
Rekorde oder Siege? Was war Ihre stärkste Motivation während der Karriere?
Graf: Ich habe nie auf Rekorde geschielt, auch nicht bei den Olympischen Spielen. Mir ging es darum, einfach nur Tennis spielen zu können.
Auf welchem Niveau spielen Sie denn heutzutage?
Graf: Ich muss zugeben, dass sich das Tennisspielen bei mir in Grenzen hält. Ich spiele nur noch fünf, sechs Mal im Jahr, halte mich lieber mit anderen Sportarten fit. Zum Schläger greife ich vor allem dann noch, wenn es um den guten Zweck geht. Meine ganz klare Priorität liegt auf der Familie.
VIDEO: Federer bedauert Nadals Absage
TV-Tipp:
Verfolgen Sie die US Open vom 27. August bis 9. September live und exklusiv bei Eurosport, Eurosport HD und Eurosport 2!

