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    Silber nach Drama für Schwarzkopf

    Achterbahnfahrt der Gefühle mit glücklichem Ende: Erst wurde Lilli Schwarzkopf disqualifiziert - doch am Ende gab es doch Silber. Mit 6649 Punkten gelang ihr der größte Erfolg ihrer Karriere. Frenetisch umjubeltes Gold holte wie erwartet die Britin Jessica Ennis mit 6955 Punkten.

    Erst wurde Schwarzkopf disqualifiziert, weil sie angeblich auf die Außenlinie getreten war. Doch nach Ansicht einer Videoaufzeichnung nahm die Jury den Ausschluss wieder zurück. "Die Briten haben eine neue Art von Humor", sagte Schwarzkopf und betonte: "Ich bin drin in der Wertung." Fernsehbilder belegten eindeutig, dass die Russin Kristina Sawizkaja auf die Bahnbegrenzung gelaufen war.

    "Hauptsache es glänzt - egal, welche Farbe", sagte die gebürtige Kasachin nach ihren 6649 Punkten glücklich. Daran änderte auch ein Protest der Ukraine nichts mehr, der später auch abgewiesen wurde.

    Letzte Zweifel über ihren Silber-Coup wurden beseitigt, als sie endlich bei der Siegerehrung auf dem Podest stand und die Medaille um ihren Hals baumelte.

    Ennis verzückt die Fans

    Neue Mehrkampf-Queen ist die Britin Jessica Ennis, die mit der Weltjahresbestleistung von 6955 Punkten die Goldmedaille holte. Dritte wurde Tatjana Tschernowa aus Russland mit 6628 Zählern.

    Unter dem Jubel des ganzen Stadions hielt Ennis zwei Tage lang dem Druck stand und wurde ihrer Favoritenrolle gerecht. Angefeuert vom begeisterten Publikum gab sie auch im 800m-Lauf noch einmal Vollgas, anstelle einfach nur ihr Pensum herunterzuspulen. In 2:08.65 Minuten gewann sie ihren Lauf, verpasste aber die 7000-Punkte-Marke.

    Strahlend und zu Tränen gerührt genoss sie zum Abschluss des zweiten Leichtathletik-Tages der Spiele die Siegerehrung und die von zehntausenden Landsleuten mitgesungene Hymne.

    "Ich stehe so unter Schock, dass ich das alles nicht glauben kann", so Ennis. "Nach dem Speerwerfen habe ich mir verboten, schon an den Sieg zu glauben. Nach der Enttäuschung von Peking haben mich alle derart unterstützt und gesagt 'Komm, häng' dich noch einmal für vier Jahre rein'. Das habe ich gemacht. Ich werde diesen Moment genießen nach dem ganzen Druck."

    Wechselbad der Gefühle

    Schwarzkopf hatte vor der letzten Disziplin am Samstag auf dem fünften Rang gelegen und nach einem couragierten Rennen im Ziel bereits über Silber gejubelt. Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses konnte sie ihre nachträgliche Disqualifikation nicht fassen und diskutierte lange mit den Kampfrichtern. "Ich war total schockiert", erklärte Schwarzkopf später.

    Die EM-Dritte von 2006 hatte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) nicht auf seiner Medaillenrechnung, da sie nach ihrem achten Platz bei den Peking-Spielen 2008 im Schatten von Jennifer Oeser stand. Die WM-Zweite und -Dritte von 2009 und 2011 aus Leverkusen hatte mit dem Medaillenkampf jedoch von Anfang an nichts zu tun.

    Gehandicapt durch eine Fußverletzung in der Olympia-Vorbereitung war sie weit von ihrer Bestform entfernt und musste im 800-Meter-Lauf nach 300 Metern humpelnd aussteigen. Nach der sechsten Disziplin hatte sie an 13. Stelle gelegen. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Die Leute, die wissen, was mit mir los ist, wissen wie das Ergebnis einzuschätzen ist", sagte sie.

    Schwarzkopf hatte am ersten Wettkampftag noch auf Rang acht gelegen. Im Weitsprung landete sie bei 6,30 Meter, nur fünf Zentimeter von ihre Bestweite entfernt. Dagegen blieb sie mit 51,73 Meter im Speerwurf mehr als dreieinhalb Meter unter ihrem Optimum.

    "Ich habe mich wahnsinnig geärgert über den misslungenen letzten Speerwurf, der sollte noch ein bisschen weiter gehen", schimpfte Schwarzkopf. Dann hätte sie entspannter in den 800-Meter-Lauf gehen können. Dass sie überhaupt so weit vorne dabei war, überraschte sie selbst: "Darauf habe ich mich eigentlich gar nicht eingestellt. Oh mein Gott!"

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