Die erste Bergankunft der Tour gewann Froome, in den Alpen war er offensichtlich stärker als sein Kapitän Bradley Wiggins - aber die Marschroute des Teams zwingt ihn dazu, sich im Zaum zu halten. "Diese Tour hat über 100 Kilometer Zeitfahren, also haben wir intern beschlossen, dass ich Wiggins in den Bergen mit einem gleichmäßigen Tempo begleite, er in den Zeitfahren Vorsprung herausfährt und wir so die Tour gewinnen", erklärt Froome die Taktik.
Doch leicht fällt ihm seine Rolle nicht. "Das ist ein großes, sehr großes Opfer", gesteht er. "Ich weiß, dass ich diese Tour gewinnen kann - aber nicht bei Sky. Wir haben uns rund um Wiggins einen Plan zurechtgelegt und den respektiert jeder." Auch wenn es "schwierig ist, denn man hat nicht oft im Leben die Chance, einen Tour zu gewinnen. Aber das ist mein Job."
Sky-Kapitän bei Tour 2013?
Die Hoffnung von Froome richtet sich schon auf das nächste Jahr. Zur 100. Ausgabe der Rundfahrt wird ein sehr anspruchsvoller Kurs erwartet - dort sieht der 27-Jährige seine Chance. "Wenn es bergig sein sollte, hoffe ich, dass Sky sich anständig verhält und sich alle Teamkollegen in meinen Dienst stellen, mit der gleichen Loyalität wie ich sie heute zeige. darum mache ich mir aber keine Sorgen. Wiggins ist ein ehrlicher Kerl, er wird mir meinen Einsatz zurückzahlen - ich weiß, dass er mir helfen wird." Denn was Wiggins angeht weiß er auch: "Die Berge sind nicht seine Stärke."
Bei der Spanien-Rundfahrt im Vorjahr stellte sich der etatmäßige Kapitän Wiggins tatsächlich im Verlauf der Vuelta in den Dienst des gebürtigen Kenianers. Allerdings kam da der Wechsel zu spät, Froome verpasste den Gesamtsieg um 13 Sekunden. Bei der Tour liegt er nun 2:05 Minuten hinter dem Spitzenreiter, verlor aber 1:15 Minute davon in der ersten Tour-Woche durch Pech auf der 1. Etappe.
Putsch in den Pyrenäen?
In den Pyrenäen könnte es vielleicht doch noch zu einem Szenario kommen, das Froome die Chance auf den Tour-Sieg eröffnet - ohne dass er dabei einen Putsch gegen die Stallorder startet. "Wenn ich das Gefühl habe, dass wir die Tour verlieren, werde ich den Besten folgen, ob das nun Evans oder Nibali ist", kündigt er an. Nicht aus Egoismus, sondern "um unsere Chancen intakt zu halten" und die "Präsenz von Sky ganz vorne abzusichern", erläutert er.
Aber im Hinterkopf steckt die historische Chance, als erster Brite die Tour zu gewinnen, wohl ununterbrochen. "Ich weiß, dass das mein Leben ändern könnte. Deshalb ist es auch ein so großes Opfer."
