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    Pezzoni attackiert Bosse, Köln wehrt sich

    Nach seiner Trennung vom 1. FC Köln hat sich der von mutmaßlichen Hooligans bedrohte Kevin Pezzoni zu Wort gemeldet und dem Klub fehlende Rückendeckung vorgeworfen. Der Bundesliga-Absteiger aus dem Rheinland wies die Kritik vehement zurück. Diese sei substanzlos und unangebracht.

    "Ich hatte gehofft, dass die Verantwortlichen sich hinter mich stellen und versuchen, mich zu schützen", sagte der 23 Jahre alte Fußballprofi der "Welt am Sonntag" in einem Interview. "Eigentlich sollte ein Verein dazu in der Lage sein, seine Spieler vor den Fans zu schützen. Das war in diesem Fall nicht so."

    Pezzoni widersprach der Darstellung des Zweitligisten, wonach der Kontrakt auf seine Bitte hin aufgelöst worden sei. "Ich wollte nie meinen Vertrag auflösen. Der Vorschlag wurde vom Verein an mich herangetragen", sagte er. "Das war für mich ein schwerer Schlag."

    Er habe nur zugestimmt, weil er nicht in einem Verein bleiben wollte, der ihm in solch einer Situation die Trennung anbiete, anstatt für ihn zu kämpfen: "Meine Situation wäre ja nicht besser geworden. Wer weiß, ob nach dem nächsten schlechten Spiel die Typen plötzlich in meiner Wohnung gestanden hätten statt nur davor."

    Gegen Verschwiegenheitsklausel verstoßen?

    Pezzoni hätte sich jemanden wie Bayern Münchens Präsidenten Uli Hoeneß gewünscht. "Als die Bayern-Fans damals Manuel Neuer attackiert haben, hat Hoeneß sich vor ihm gestellt und für ihn gekämpft. Mir wurde in einer ähnlichen Situation die Vertragsauflösung angeboten", erklärte der Profi. Er habe das Gefühl gehabt, "so sollte ein unangenehmes Thema auf einfache Weise beendet werden".

    Der Verein wies die Kritik entschieden zurück. "Der 1. FC Köln hat alles getan, um Kevin Pezzoni in angemessener Weise zu schützen", erklärte der Vorsitzende der FC-Geschäftsführung Claus Horstmann. "Wir haben ihm jegliche Unterstützung gegeben, und der Trainer hat ihm sein Vertrauen geschenkt. Die von ihm nun erhobenen Vorwürfe sind substanzlos, unangebracht und schaden ihm selbst am meisten."

    Köln führte in der Mitteilung auf seiner Homepage einige konkrete Beispiele auf, in denen der Klub seinen früheren Verteidiger Pezzoni gegen Angriffe jeglicher Art in Schutz genommen und an sein Potenzial als Fußballer geglaubt habe. Angeblich wurde auch eine Verschwiegenheitsklausel vereinbart, gegen die Pezzoni nun verstoßen haben könnte, berichtet "Bild" und zitiert Horstmann: "Wenn es etwas zu klären gibt, machen das die Anwälte."

    Wirbel um Pezzoni-SMS

    Horstmann zufolge gab es vonseiten der Vereinsführung keine Überlegungen, sich von Pezzoni zu trennen. Diese Gedanken habe man sich erst gemacht, als der Abwehrspieler am 29. August gegenüber der sportlichen Führung den ausdrücklichen Wunsch geäußert habe, im Spiel gegen Cottbus nicht auflaufen zu müssen.

    Pezzoni hat sich nach FC-Angaben in einer SMS nach der Vertragsauflösung ausdrücklich für die Unterstützung bedankt. In mehreren Gesprächen habe Pezzonis Vater zudem betont, dass dies die beste Lösung sei. Die Kölner Homepage-Meldung zur einvernehmlichen Vertragsauflösung vom 31. August sei vom Vater freigegeben worden.

    "Wenn wir jetzt mit diesen Themen an die Öffentlichkeit gehen, dann nur, weil wir uns dazu durch die Äußerungen von Kevin Pezzoni gezwungen sehen. Es geht um die Glaubwürdigkeit und das Image des 1. FC Köln und seiner Verantwortlichen", meinte Horstmann weiter.

    Pezzoni befürchtet weitere Attacken

    Am Montag soll es ein Treffen von Horstmann, Kölns Präsident Werner Spinner und dem Chef des FC-Hauptsponsors geben, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". "Es ist in letzter Zeit viel passiert", zitiert das Blatt den um das Vereinsimage besorgte Rewe-Vorstandsvorsitzenden Alain Caparros. Er forderte eine "harte Linie gegen Chaoten und Gewalttäter".

    Pezzoni hat Zweifel, ob der 1. FC Köln das Problem mit den Fans in den Griff bekommt. "Ich kann leider nicht ausschließen, das es schon bald den Nächsten treffen wird", meinte er. "Ich befürchte, ich war nur ein Kapitel für die Chaoten. Jetzt schlagen sie das nächste auf."

    Hooligan stellt sich im TV

    Beendet ist die Suche nach dem Initiator der Hetzkampagne gegen Pezzoni. Der Sünder stellte sich in der TV-Talkshow "Domian" im WDR. Der wegen Randale vorbestrafte Hooligan gab zu, gegen den Spieler im Internet mobil gemacht zu haben, Reue zeigte er allerdings nur bedingt.

    "Dass Pezzoni den Verein verlassen hat, ist aus meiner Sicht nicht verkehrt. Aber wie es zustande kam, das hätte man natürlich etwas anders lösen können", sagte der 21-Jährige dem irritierten TV-Moderator Domian. Der 1. FC Köln hat den Täter mit einem Stadionverbot bis 2015 belegt und ihm die Vereinsmitgliedschaft entzogen. Zudem erstattete Pezzonis Anwalt Dr. Tom Erdt Anzeige.

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