Mit dem Sieg erreichte Federer sein insgesamt 31. Grand-Slam-Halbfinale und egalisierte damit den Rekord von Jimmy Connors. "Es kam mir absolut zugute, dass das Match länger wurde", sagte Federer. "Ich suche immer noch meinen Rhythmus in diesem Turnier. Aber es ist gut, dass der Weg zum Sieg bei einem Grand Slam so lang ist: Es ist kein Sprint, sondern ein Marathon."
Federer, der sonst gerne einen Blitzstart hinlegt, wurde von del Potro in der Anfangsphase überrollt. Der Argentinier führte schnell mit zwei Breaks 4:1 und gewann den ersten Satz. In einem spannenden zweiten Satz fiel die Entscheidung im Tiebreak. Federer verschlug nach einer langen Rally eine Vorhand ins Netz zum 4:6 und schimpfte anschließend auf die Zuschauer. Ein lautes "Shut up" kam über die Lippen des sonst so coolen Schweizers.
Federer: "Gratulation zu seiner Leistung"
Die 2:0-Satzführung von del Potro brachte Federer aber auf Betriebstemperatur. Während del Potro mit Knieschmerzen sichtlich gehandicapt war und eine Schmerztablette schlucken musste, nutzte Federer seine körperliche Überlegenheit gekonnt aus und glich nach weiteren 55 Minuten in den Sätzen aus. Die Entscheidung des Matches fiel in der Anfangsphase des fünften Satzes. Del Potro vergab zu Beginn eine Breakchance. Federer machte es besser, nahm del Potro den Aufschlag zum 3:1 ab und brachte das Break über die Ziellinie.
"Das war ein ganz hartes Match. Wir kennen uns gut, er hat mich ja 2009 bei den US Open in fünf Sätzen geschlagen. Ich habe mich immer besser gefühlt und am Ende taktisch und mental klug gespielt. Er hat gekämpft wie ein Held, Gratulation auch zu seiner Leistung“, analysierte Federer.
Djokovic: "Er war über weite Strecken der Bessere"
Australian-Open-Champion Djokovic, dem Roland Garros als einziger Grand-Slam-Titel noch fehlt, erreichte bei dem wichtigsten Sandplatzturnier der Welt zum achten Mal in Serie die Vorschlussrunde bei einer Grand-Slam-Veranstaltung. Die vorigen drei Majors hat der 25 Jahre alte Serbe jahresübergreifend gewonnen.
Djokovic spielte die erste halbe Stunde auf dem Court Philippe Chatrier wie aus einem Guss, gewann den ersten Satz deutlich und führte auch im zweiten Satz mit einem Break. Tsonga kämpfte sich mit der Unterstützung des französischen Publikums in das Match zurück. Der Franzose servierte stark und punktete immer wieder mit seiner krachenden Vorhand. Tsonga gewann die Sätze zwei und drei jeweils mit 7:5. "Er war der bessere Spieler über weite Strecken der Partie. Ich weiß nicht, wie ich bei den vier Matchbällen gegen mich zurückgekommen bin", sagte Djokovic. "Es war schwierig, konzentriert zu bleiben bei dem Publikum, das Jo unfassbar unterstützt hat."
Neuauflage aus dem Vorjahr
Djokovic wurde immer ungeduldiger, haderte mit sich selbst und blickte das eine und andere Mal ratlos in seine Box. Der Weltranglisten-Erste fabrizierte viele leichte Fehler und hatte bei 4:5 im vierten Satz und 15:40 zwei Matchbälle gegen sich. Djokovic traf die Linien und wehrte beide Matchbälle mit aggressivem Spiel ab. Bei 5:6 gab es wieder zweimal Matchball für Tsonga, der bei einem der Matchbälle eine Vorhand ins Netz schlug. Es ging in einen packenden Tiebreak, den sich Djokovic mit 8:6 sicherte. Der Widerstand von Tsonga war gebrochen. Djokovic spielte sich problemlos durch den fünften Satz und darf weiter vom "Djokovic-Slam" und dem Karriere-Grand-Slam träumen.
Somit kommt es zur Neuauflage des Paris-Halbfinals aus dem Vorjahr zwischen Djokovic und Federer. Vor einem Jahr setzte sich der Schweizer in vier spannenden Sätzen durch und fügte dem Serben die erste Saison-Niederlage zu. Im direkten Vergleich zwischen den beiden steht es 14:11 für Federer – 15 Duelle fanden im Halbfinale statt. Die letzten beiden Spiele gingen an den "Djoker", der sich unter anderem im dramatischen US-Open-Halbfinale im Vorjahr durchsetzte.
VIDEO: Die Höhepunkte der Partie Federer gegen del Potro
TV-Tipp:
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