Der Kampf um Platz eins in der Weltrangliste habe einen langen Atem erfordert. "Es hat einiges gebraucht. Acht Titel, ein Grand Slam, eine Weltmeisterschaft, drei Masters. Ganz so locker kommt man nicht zur Nummer eins", erzählt Federer im Interview mit der "Schweizer Illustrierten". Das einzige große Ziel, das der Rekord-Grand-Slamsieger erneut verpasst hat, ist der Olympiasieg im Einzel.
Trotzdem würde Federer keinen seiner sieben Wimbledon-Titel für die Goldmedaille eintauschen. Wimbledon sei schließlich der "heilige Gral", wenngleich er Olympia ebenfalls als einzigartig einstuft. "Darum bin ich enttäuscht, dass es nicht Gold wurde. Aber wenn man irgendwo Zweiter werden muss, dann am liebsten dort. So läuft man nicht mit leeren Händen heim. Bei Grand Slams erhältst du einen kleinen, billigen Teller, der nicht viel bedeutet", betont der 31-Jährige. Die Silbermedaille von London hingegen ordnet Federer als Erfolg ein, auch wenn er "gerne Gold mitgenommen" hätte.
"Nicht weniger oder mehr motiviert"
Fünf Wettbewerbe will der Schweizer in dieser Saison noch spielen. Den Davis Cup, das Heim-Turnier in Basel, die Masters von Schanghai und Paris sowie die World Tour Finals in London. Sportlich sind die anderen Veranstaltungen allesamt hochwertiger, sein Herz gehört aber den Swiss Indoors in der Heimatstadt. Seit 2006 hat der Tennis-Star das Turnier in der St. Jakobshalle fünfmal gewonnen. Doch in diesem Jahr könnte ihm Olympiasieger und US-Open-Champion Andy Murray im Weg stehen.
Der Schotte hat seine Teilnahme zugesagt, ebenso wie der Olympia-Dritte Juan Martin del Potro. "Je stärker das Feld, desto schwieriger für mich. Aber das ist der Reiz. Ich will gegen die Besten bestehen", sagt Federer. "Mir ist klar, dass sich die Aufmerksamkeit in Basel auf mich fokussiert, mit meiner Geschichte, meinen Erfolgen." Sollte er seinen Thron tatsächlich räumen müssen - die Einstellung oder die vielen Triumphe der Vergangenheit sind nicht der Grund. "Dass man das Gefühl hat, sein Ziel erreicht zu haben, ist für mich nicht neu", stellt Federer klar. "Wegen diesem Sommer bin ich jetzt nicht weniger oder mehr motiviert oder will nicht mehr weiterspielen. Ich habe es erreicht, bin zufrieden. Aber es geht weiter."
Noch ist die Ära Federer nicht zu Ende
Die Schweizer Tennis-Fans wird es freuen, denn wenn Federer und sein Landsmann Stanislas Wawrinka ihrer Karriere irgendwann beenden, wird aller Voraussicht nach eine sehr große Lücke im Schweizer Tennis entstehen. So wie es auch in Deutschland der Fall war, als Steffi Graf, Boris Becker und Michael Stich den Schläger an den Nagel hängten.
Federer würde das bedauern, ist aber Realist genug um zu erkennen, dass man "eines Tages wieder etwas in der Versenkung verschwinden" wird. "Das ist nur normal. Da muss man realistisch bleiben und warten." Noch aber ist die Ära Federer nicht zu Ende...

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